Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Forstwirtschaft und Naturschutz: Diskussion um geplante Forststraße in Molln

Susanne Winter, MA, 09.11.2016 10:15

MOLLN. Die Interessen der Forstwirtschaft und des Naturschutzes prallen in Molln aufeinander. Das Landesverwaltungsgericht OÖ hat die von den Grundeigentümer geplante „Forststraße Toif“ aus naturschutzfachlichen Gründen zurückgewiesen. Sollte das verpflichtende Naturschutzverfahren vor dem Bau von Forststraßen mit dem geplanten Oö. Deregulierungspaket wegfallen, könnte die Diskussion jedoch erneut aufflammen.

Der Toif Riedl in Molln ist noch nicht forstwirtschaftlich erschlossen.
  1 / 45   Der Toif Riedl in Molln ist noch nicht forstwirtschaftlich erschlossen.

Die projektierte Forststraßenroute sollte auf den Reitberg, am Kamm entlang über das Jagdhaus Toif und um den Annasberg führen und betraf einen Wirtschaftwald von fünf Grundeigentümern, darunter die Bundesforste und vier Landwirte. Es ist die letzte noch nicht forstwirtschaftlich erschlossene Erhebung im Gebiet der Mollner Voralpen außerhalb des Nationalparks Kalkalpen. „Alle umliegenden Gebiete werden bereits intensivst forstlich genutzt“, berichtet Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes.

Geschützte Urwaldreliktarten

Als Mollner kennt Maier das betroffene Waldgebiet: „Das Laubwald-dominierte Naherholungsgebiet beherbergt sehr naturnahe und außergewöhnlich vielfältige Waldbestände, die in der amtlichen ,Biotopkartierung Molln“ der Oö. Naturraumkartierung entsprechend als ,naturschutzfachlich hochwertige Schwerpunkträume“ bezeichnet werden. Bemerkenswerterweise gibt es auch aktuelle Nachweise einiger äußerst seltener und hoch geschützter Urwaldreliktarten.“ Dazu zählen laut Maier der Alpenbockkäfer, der Gelbringfalter und die Käferart Diracea australis, für die im Gebiet sogar ein Erstnachweis erbracht wurde. „Das ist ein Hinweis darauf, dass lange Zeit nicht forstwirtschaftlich eingegriffen wurde“, so der Umweltexperte.

Projekt abgelehnt

Der ablehnende Beschied der Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf zum Forststraßenprojekt wurde kürzlich vom Landesverwaltungsgericht Oberösterreich bestätigt. Das öffentliche Interesse am Natur- und Landschaftsschutz sei demnach als sehr hochwertig einzustufen und „der betroffene Landschaftsraum ist aufgrund seiner Vielfalt, Eigenart, Schönheit sowie seines optischen Eindruckes besonders schützenswert“ heißt es in der naturschutzfachlichen Beurteilung. „Es war wichtig, dass der Naturschutz involviert war, deshalb braucht es bei Forststraßen auch in Zukunft eine naturschutzfachliche Bewilligungspflicht“, betont Franz Maier.

Naturschutz-Genehmigung für Forststraßenbau

Tritt die geplante Novellierung des Oö. Naturschutzgesetzes im Rahmen des Oö. Deregulierungspaketes in Kraft, müsse die Genehmigung von Forststraßen künftig keiner naturschutzrechtlichen Überprüfung mehr unterzogen werden. „Wenn verpflichtende Naturschutzverfahren wegfallen, ist der Errichtung von Forststraßen in Zukunft Tür und Tor geöffnet“, sagt Franz Maier, „wir sind nicht generell gegen eine Verwaltungsvereinfachung. Doch wenn diese auf Kosten von Naturschätzen geht, ruft uns das auf den Plan.“ Der Mollner befürchtet, dass dann auch ein neues Projekt für die Forststraße Toif eingereicht werde und der Naturschutz keine Möglichkeit mehr hätte, sich in das Verfahren einzubringen.

Eigentum bewirtschaften

Der Leiter des Forstbetriebes Steyrtal, Harald Greifeneder, begrüßt es, „die naturschutzrechtliche Überprüfung beim Forststraßenbau rauszunehmen. Aus Erfahrung ist das eine sehr subjektive Beurteilung des jeweiligen Begutachters. Es ist schade, dass diese mehr zählt als eine technische Beurteilung von einem Forstfachmann.“

Unabhängig davon, ob das Oö. Deregulierungspaket komme, wurde das Projekt „Forststraße Toif“ laut Greifeneder beiseite gelegt: „Wir haben es jedoch noch nicht ganz aufgegeben. Die Landwirte haben ohne Forststraße keine Chance, ihr Eigentum zu bewirtschaften. Laut Forstgesetz muss der Wald jedoch zur Schadensvorbeugung, beispielsweise bei Borkenkäferbefall, bewirtschaftet werden. Ich bin sicher, dass man eine Lösung finden kann, die sowohl dem Naturschutz Rechnung trägt aber auch eine zeitgemäße forstliche Bewirtschaftung ermöglicht. Wir haben viele gute Beispiele, wo wir mit der Forststraße den Wald zur Bewirtschaftung und Pflege erschlossen und gleichzeitig sensible Schutzgüter erhalten haben. Die Bundesforste wollen einen schönen Wald, mit dem man aber auch Geld verdienen kann. Außerdem hat kein Landwirt und kein Förster Interesse, seinen Wald zu zerstören.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden