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MÜNZKIRCHEN. In den unterirdischen Gängen des Gasthofes Wösner kann man Geschichte hautnah erleben. Im Tips-Interview erzählt Konsulent Johann Höller, der Führungen in diesen Gängen anbietet, mehr zur Entstehung dieser Gänge sowie was man bei Führungen erleben kann.

Johann Höller in einer Sitznische des Erdstalles
Johann Höller in einer Sitznische des Erdstalles

Tips: Wann und wie wurden diese Gänge entdeckt?

Johann Höller: Benedikt Pillwein schreibt in seiner Topografie 1843, dass im Jahr 1826 beim Kelleraushub im Gasthof Wösner ein unterirdischer Gang, ein sogenannter Erdstall oder Erdstollen, entdeckt wurde. Der Benediktinerpater Lambert Karner, Pionier der Erdstallforschung, hat 1899 einen Plan dieses Erdstalles veröffentlicht, 1903 folgte die ausführliche Beschreibung in seinem Werk „Künstliche Höhlen aus alter Zeit“. Neben dem Gang im Gasthof Wösner wurden noch weitere Gänge beschrieben, die heute nicht mehr existieren oder aufzufinden sind, wie der in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Gasthauses Höller in Eisenbirn. Lediglich der Erdstall beim Bauer in Hof wird noch für wissenschaftliche Zwecke besichtigt. Er weist mit seinen drei Kammern und der Endnische eine besondere Struktur auf. Eine Verbindung der Gänge untereinander, wie früher oft erzählt wurde, gab es nie.

Tips: Wie alt ist dieser Erdstall und wofür wurde er errichtet?

Höller: In der heutigen Erdstallforschung wird für die Erdställe ein Alter von 800 bis 1000 Jahren angegeben. Über den Zweck dieser unterirdischen Gänge gehen die Vermutungen weit auseinander. Während die einen von Kultgängen sprechen, basierend auf heidnischem Gedankengut, nehmen andere an, dass mit der Besiedlung unseres Landes diese Gänge den Seelen der Ahnen gewidmet waren, deren Gräber sie zurücklassen mussten. Josef Weichenberger, der oberösterreichische Spezialist für Erdstallforschung, ist eher der Meinung, dass die Gänge aufgrund der Bauweise kurzzeitige Verstecke oder Fluchtgänge waren, da die Schlupflöcher den sich Versteckenden einen wesentlichen Vorteil gegenüber den Verfolgern brachte.

Tips: Sie bieten Führungen an: Was erwartet Interessierte?

Höller: Aufgrund des Einverständnisses des Besitzers Vinzenz Wösner ist es mir möglich, seit vielen Jahren Führungen anzubieten. Da der Erdstall größtenteils nur bekrochen werden kann, erhalten die Besucher zum Schutz ihrer Kleidung einen Schutzanzug. Mit Helm und Stirnlampe geht's auf in die Unterwelt.

Tips: Wie ist der Gang gebaut und was ist erhalten geblieben?

Höller: Dieser Gang ist mit seiner Länge von 25,3 Metern vollkommen erhalten geblieben. Er ist nicht einsturzgefährdet, da er in festes Gestein gehauen wurde und unter dem Gasthaus verläuft. Der Gang ist zirka 60 Zentimeter breit, im Schnitt 90 Zentimeter hoch und besitzt insgesamt acht Sitznischen. Durch ein vertikales Schlupfloch gelangt man in eine obere Etage, die für ein halbwegs bequemes Verweilen ausgebaut war. Damit Besucher, die nicht durch das verhältnismäßig enge Schlupfloch passen, auch den hinteren Teil des Ganges leichter erreichen können, habe ich den ehemaligen Bauhilfeschacht freigelegt, der mit losen Steinen zugemauert war.

Tips: Gibt es eine Führung, an die Sie sich besonders erinnern?

Höller: Interessant waren für mich die Filmteams aus Österreich oder aus Deutschland, denen ich den Gang zeigen durfte. Am besten erinnere ich mich an das Berliner Team, das für Japan einen Film über besondere Orte in Europa drehte. Eine Japanerin in für Japan typischer Kleidung wurde vor dem oberen Ende des Schlupfloches gefilmt, während sie Meditationstexte in ihrer Sprache rezitierte. Auch Maria Theiner vom ORF OÖ hat mich beeindruckt, als sie vor zwei Jahren mit mir ein Interview in der Endnische des Ganges machte. Als ehemaliger Lehrer für Geschichte und ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde habe ich mich über jeden Besucher gefreut. Über die Schüler, die ich in diesem Gang Geschichte erleben ließ, ist der Funke auf die Erwachsenen übergesprungen. Interessant sind auch die Besichtigungen der Erdstallforschungsteams aus Deutschland, die mir auch neueste Erkenntnisse vermitteln

Anmeldung zu Führungen

Vinzenz Wösner: 07716/7240

Johann Höller: 0676/7052254

Voraussetzung: Körperliche Gesundheit, keine Herz- oder Blutdruckprobleme sowie keine Platzangst. Seitens des Liegenschaftsbesitzers und des Führungspersonals wird keinerlei Haftung übernommen.


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