Flüchtlinge: Quartier in Ortschaft scheidet Geister
NIEDERKAPPEL/BEZIRK. An die 30 Flüchtlinge wohnen neuerdings in der Ortschaft Grafenau, fernab des Ortszentrums. Das sorgt gleichzeitig für Kritik und Verständnis. Außerdem wird die Forderung nach weniger Bürokratie laut.

Grafenau 3: An dieser Adresse in einem ehemaligen Beherbergungsbetrieb wohnen seit kurzem rund 30 Flüchtlinge. Die Lage inmitten des Donautals, fernab von jedem Trubel, kann als sehr ruhig beschrieben werden. Betreut werden die dort lebenden Familien und Einzelpersonen vom Roten Kreuz. Ein großer Teil der Bevölkerung von Niederkappel steht dahinter, dass dort Asylwerber betreut werden. Aber von Seiten einiger Anrainer gibt es auch kritische Stimmen. „Die Leute dort sind ausgegrenzt vom sozialen Leben und die Infrastruktur fehlt“, meint beispielsweise eine Frau, die in der Ortschaft ihren Nebenwohnsitz hat. Das ist aber nicht der einzige Punkt, mit denen sie sich im Namen der Einwohner schon via Brief an den Landeshauptmann, den Bürgermeister und die Bezirkshauptmannschaft wendete. Sie betont unter anderem, dass in der Ortschaft nur acht Einheimische wohnen und die Flüchtlinge somit in der Überzahl sind. Das führe ihrer Meinung nach zu einem Scheitern der Integration.
Bürgermeister steht dahinter„So sehen das bei weitem nicht alle – auch nicht in Grafenau“, entgegnet Bürgermeister Josef Wögerbauer, der voll und ganz hinter der Entscheidung steht, das ehemalige Gasthaus als Flüchtlingsheim zu nutzen. Einerseits, weil die Flüchtlinge durch mobile Greißler versorgt werden und auch, weil die Kinder und Erwachsene mit organisierten Fahrdiensten zur Schule oder sonstwo hingebracht werden. „Es gibt bei uns eine große Bereitschaft, den Menschen zu helfen“, sagt er. Wögerbauer verweist dabei auf eine lange Liste von freiwilligen Helfern aus der Gemeinde, welche die Flüchtlinge unterstützen wollen. Dass das Heim dezentral liegt, gibt der Bürgermeister zu: „Ein Quartier in dieser Größenordnung hätten wir sonst nicht gefunden.“
ÜbergangslösungDas weiß auch Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner, die ebenfalls hinter der Entscheidung steht. „Wir wissen nicht, wie lange die Flüchtlinge da bleiben werden, die Räumlichkeiten sind für eine größere Gruppe ideal –auch die Familien können hier zur Ruhe kommen“, sagt sie. Darum habe man es auch in Kauf genommen, dass die Lage fernab des Zentrums nicht ideal ist. Ähnliche Räumlichkeiten hätte es in der Gemeinde nicht gegeben. Neben der Tatsache, dass viele Gemeinden nicht über die dafür notwendigen Immobilien verfügen, sind auch die großen bürokratischen Hürden, wie Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer anmerkt, oft ein Hindernis, um Quartiere anbieten zu können.


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