Dürresommer: In Linz-Land hat es österreichweit am wenigsten geregnet
LINZ-LAND. Bäume, die sich unter der Zwetschkenlast biegen, Weinlese schon im August und leuchtende Kürbisfelder lange vor Helloween. Der trockene Sommer beschert uns ungewöhnliche Landschaftsbilder, die Landwirte sind bei diesen extremen Wetterbedingungen vor extreme Herausforderungen gestellt.

Johannes Gruber, Obmann der Bezirksbauernkammer Linz-Land, ist selbst Bauer in Niederneukirchen. Seine Bilanz für die Ernte im Bezirk: „Ja, es war ein trockenes Jahr. Aber dafür, wie wenig Niederschläge es gab, haben wir im Verhältnis noch gute Erträge erzielt“, lobt er „seine Bauern“, die durch bewussten Umgang mit ihrem Acker erreichen, dass der Boden auch eine gute Speicherkraft vorweisen kann.
Denn durch Maßnahmen wie kluge Fruchtfolge, Zwischenfruchtanbau und Erosionsschutz kann der Boden länger von wenig Wasser zehren.
Bewässerung
Dennoch hat Gruber auf seinem Betrieb begonnen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. „Auf sieben Hektar stehen bei mir Marillenbäume, die habe ich heuer 1,5 Monate lang bewässert.“ Dies erfolgt mittels Tröpfchenbewässerung, die in regelmäßigen Abständen geringe Wassermengen abgibt. Ähnlich der Systeme, die im Weinbau schon länger verwendet werden.
Das ist aber nicht für jeden eine Option. Nur wer einen Brunnen oder einen Teich hat, der genügend Wasser liefert, kann auch eine Bewässerungsanlage speisen.
„Keiner will Kürbisse, wenn es draußen 30 Grad hat“
Neben Marillen baut Gruber auch Kürbisse an. Dass die Verkaufsstände mit dem orangen Gemüse heuer viel früher als sonst um Käufer werben, kann er nicht bestätigen. „Ab Anfang August geht es los mit den Kürbis-Ständen, das ist bei mir seit 20 Jahren so. Neu ist, dass sie da noch keiner will, weil bei Hochsommertemperaturen gustert es keinen nach Kürbissuppe.“ Sobald es aber zu „herbsteln“ beginnt, steige die Nachfrage.
Was tatsächlich früher als sonst zu bemerken sei, sind die Felder mit reifen Ölkürbissen. „Bei so viel Sonne sind die Kürbisse einfach früher ausgereift, das ist grundsätzlich positiv.“
Positiv sei die viele Sonne auch für das Pressobst, nur fehle hier leider die Wirtschaftlichkeit. „Es gibt 6 bis 7 Cent pro Kilogramm, vieles bleibt liegen. Aber für die Qualität der Veredelungsprodukte wie Most, Schnaps oder Säfte sind die sonnengereiften Früchte natürlich das Beste.“
Einbußen bei Getreide
Schwieriger sind die Verhältnisse eines so trockenen Sommers für das Getreide. Am meisten Ertrag brachte noch die Wintergerste, also das Getreide, das als erstes geerntet wurde. Der Winterweizen dagegen hat in Linz-Land schon sehr unter der Dürre gelitten.
„Beim Weizen liegen die Ernteerträge österreichweit heuer 12 Prozent unter den Durchschnittserträgen. In Linz-Land liegen wir 20 bis 25 Prozent darunter“, veranschaulicht der Obmann.
Mais und Soja werden teilweise erst geerntet, hier prognostiziert Gruber Erträge „leicht unter dem Durchschnitt“.
In der Welser Heide etwa (trockene, schotterhältige Böden im Großraum Hörsching/Wels) kann es bei Mais schon zu Totalausfall kommen. Ein Ausweichen auf diesem Wetter entsprechendere Kulturen, wie etwa Kümmel, ist möglich – der Markt dafür ist jedoch sehr begrenzt.
Wie geht es weiter, wenn es so weiter geht?
Potential sieht der Bezirksbauernkammerobmann etwa im Weinbau. Der Wein ist ein Tiefwurzler und kann sich das Wasser von weiter unten holen. Auch die Rübe ist ein Tiefwurzler und habe die Trockenheit heuer ganz gut überstanden. Im Kommen seien auch Wintergerste und Triticale.
Grundsätzlich aber ist Gruber der Meinung, dass die Landwirte ihre Böden kennen und wissen, was bei welchen Witterungen am ehesten funktioniert. Das Risiko trägt der Landwirt aber immer, denn „in unserem Geschäft gibt es nie eine Garantie“.


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