Wenn es zwischen Giraffe und Nilpferd knistert
OBERNDORF. Im Gemeindesaal machten sich Frühlingsgefühle breit. Grund dafür war die Vorstellung des Kindertheaters „Bauckribbeln in Andershausen“, das sich um ein hip-hoppendes Nilpferd und eine Giraffendame dreht. Hinter dem Stück und auf der Bühne steht das Ensemble Umuakn. Theaterpädagogin Irmgard Bauhofer gewährte Tips einen Blick hinter die Kulissen und auf ihre Arbeit.

Wenn ein hip-hoppendes Nilpferd sich Gedanken darüber macht, wie es am Besten das Herz einer Giraffendame erobert, hört sich das schon ziemlich komisch an – nicht zuletzt auch bei dem Gedanken an den Größenunterschied der beiden Tiere. Eine Vorstellung wie diese bietet das Theaterensemble Umuakn mit der Neuinszenierung von „He Schatzi“, welches Irmgard Bauhofer im Jahr 2007 mit ihrer ersten Umuakn-Kollegin schrieb.
Vom Krokodil zum Nilpferd
„Bei meinem Projekt Umuakn spiele ich immer wieder einmal mit unterschiedlichen Gastschauspielern zusammen. Damals wollten meine Kollegin Irene Fellner-Feldegg und ich gemeinsam ein Kinderstück inszenieren. Hier waren wir von unterschiedlichen Kindergeschichten und Bilderbüchern inspiriert. Auch hier war es wieder eine „work-in-progress“-Arbeit und bei der Ideensammlung war schnell klar, dass uns das Arbeiten mit Gegensätzen und Klischees gefiel und uns inspirierte“, erzählt Irmgard Bauhofer.
„Manche Szenen haben sich verändert, und doch wurde bei der Neuinszenierung von „Bauchkribbeln in Andershausen“ klar, wie aktuell dieses Stück noch immer ist.“ (Irmgard Bauhofer)
„Damals war es eine Liebesgeschichte zwischen einem Krokodil und einer Giraffe. Neun Jahre später wollten Anna Fitzthum und ich diese Geschichte, die damals ja sehr gut ankam, neu aufleben lassen. Und neue Kollegen bringen neue Inputs und so kristallisierte sich heraus, dass Anna mit ihrer eigenen Persönlichkeit auch eine eigene Rolle kreieren sollte und so entstand das kleine Nilpferd“, erzählt Irmgard Bauhofer weiter.
Proben und experimentieren oder: Wie Theater entsteht
Auf die Frage danach, wieviel Zeit die Theaterpädagogin in ihre Auftritte investiert, antwortete sie folgendes: „Das ist schwierig zu sagen und auch unterschiedlich. Werden Puppen als Requistiten eingesetzt muss jede Bewegung der Puppe auch gut ausprobiert und abgestimmt werden. Es kommt aber auch darauf an, ob man alleine, im Duo oder mit einem Musiker wie bei „Rosi Romarin“ zusammenarbeitet.“ Bauhofers Vorgehensweise ist Arbeiten im und als Prozess zu verstehen. „Zuerst habe ich eine Idee, dann beginne ich zu schreiben, nebenbei Requisiten, Kostüm und eventuell Puppen zu gestalten.“
„Manchmal überkommt mich in einer lauen Sommernacht eine Flut an Ideen, die ich dann noch bis spät in die Nacht hinein niederschreibe.“ (Irmgard Bauhofer)
Irmgard Bauhofer erzählt, wie ihr in einer lauen Sommernacht bei einem gemütlichen Gläschen Wein plötzlich eine Flut an Ideen aufkommt. Diese notiert sie sich alle, auch bis spät in die Nacht hinein. „Das kann und darf man nicht abstellen. Also, ich stelle da keine Uhr und stoppe auch nicht. Wie lange ein Schaffensprozess dauert, ist da nicht so einfach zu beantworte“, führt die Theaterpädagogin weiter aus.
Clownseminare und Märchenstunden
Irmgard Bauhofer begann im Jahr 2003 mit Schauspielseminaren und 2004 mit ihrer Theaterpädagogikausbildung, weshalb das Kreieren von Stücken und die Ausbildung ziemlich gleichzeitig einher ging. Nebenbei besuchte sie auch Clown-Seminare und veranstaltete 2003 in Oberndorf auch die erste „Märchenstunde“ mit Unterstützung des damaligen Elternvereins.
„Diese Märchenstunde war schon eine Mischung aus Theater und Erzählung - hier entstand dann ein Zyklus, drei mal im Jahr eine Märchenstunde zu veranstalten. Dafür entwickelte ich selbst Kinderstücke, die ich nun selbst in meiner Heimatgemeinde veranstalte“, erzählt Bauhofer. „Später absolvierte ich auch die Ausbildung im Puppen- und Figurenspiel, beziehungsweise im Puppenbau. Und so wuchs auch dieser Bereich immer mehr in meine Tätigkeit. Ich spiele auch nur mit selbst gebauten Puppen und Figuren“, ergänzt die Theaterpädagogin.
Über die Ausbildung und vielfältige Tätigkeiten
„Ich absolvierte die Ausbildung zur Theaterpädagogin berufsbegleitend, da ich damals noch mit 40 Stundenbeschäftigung im Kindergarten tätig war. Die Einheiten fanden meistens an Wochenenden statt. Dazu gab es auch immer wieder längere Einheiten im Sommer. Insgesamt dauerte diese Ausbildung dreieinhalb Jahre, aufgeteilt in die zwei Module Basislehrgang und Aufbaulehrgang, und entspricht den Bestimmungen des Deutschen Bundesverbands für Theaterpädagogik“, erinnert sich Bauhofer an ihre Ausbildung zurück und ergänzt: „Die Themen waren vielfältig – von Arbeiten mit Texten, Inszenierung, Schauspiel und vielem mehr. So vielfältig ist nun auch meine Tätigkeit: vom Schreiben und Inszenieren von Kinder- und Erwachsenenstücken, über szenische Lesungen zum Literaturunterricht oder Theaterprojekte an Schulen und Kindergärten. Jeder Bereich inspiriert den anderen und hält das Theater lebendig.“
Privater Theatergeschmack
Irmgard Bauhofer verrät, ein riesengroßer Nestroy-Fan zu sein. „Diese Stücke sind noch immer top-aktuell und gesellschaftskritisch. Ich mag auch Shakespeare sehr gerne.“ Sie erzählt weiter: „Prinzipiell mag ich die Vielfältigkeit von Literatur und Theater - von der Oper über Musical bis zu Komödie und Tragödie. Ich sehe gerne Kinderstücke und genieße es, mich verzaubern zu lassen. Wenn ich mich dabei ertappe, dabei mental zu arbeiten und beginne, eine Inszenierung zu hinterfragen, hat mich das Stück nicht gefangen genommen.“


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