Drama in Tirol: Knieoperation am falschen Bein begonnen
INNSBRUCK. An der Universitätsklinik der tirol kliniken in Innsbruck ist es zu einem folgenschweren Zwischenfall gekommen. Bei einer geplanten Arthroskopie wurde eine Patientin zunächst am falschen Knie operativ vorbereitet, der Eingriff wurde sogar begonnen. Erst im Zuge der Operation bemerkte das Team die Verwechslung der Seiten.

Der Eingriff wurde umgehend abgebrochen, die Patientin aus der Narkose aufgeweckt. Nach Angaben der Klinik sind keine bleibenden gesundheitlichen Schäden entstanden. Dennoch sorgt der Vorfall für Aufsehen, denn sogenannte Seitenverwechslungen zählen zu jenen Fehlern, die im medizinischen Alltag eigentlich ausgeschlossen sein sollten.
Operation sofort gestoppt
Laut den Verantwortlichen fiel während des Eingriffs auf, dass am operierten Knie kein entsprechender Schaden vorlag. Dadurch wurde der Irrtum rasch deutlich. Die Operation wurde unmittelbar beendet. Die Patientin wurde umfassend über den Vorfall informiert. Zudem wurde eine Meldung an die Haftpflichtversicherung des landeseigenen Klinikverbunds übermittelt. Parallel dazu läuft eine interne Untersuchung, um die genaue Ursache der Verwechslung zu klären.
Arthroskopie gilt als Routineeingriff
Bei einer Arthroskopie handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff, bei dem mithilfe einer kleinen Kamera Schäden im Inneren des Kniegelenks behandelt werden können. Der Eingriff zählt heute zu den Standardoperationen in der Orthopädie und wird häufig bei Meniskus- oder Knorpelschäden durchgeführt. Gerade weil es sich um eine Routineoperation handelt, wirft der Vorfall Fragen zu den Abläufen im Operationssaal auf.
„Never Event“ in der Medizin
Seitenverwechslungen gelten international als sogenannte „Never Events“, also als schwerwiegende Fehler, die durch standardisierte Sicherheitsmaßnahmen verhindert werden sollen. Dazu zählen unter anderem die eindeutige Identitätsprüfung des Patienten, das Markieren der zu operierenden Körperseite sowie ein verpflichtendes Team-Time-out unmittelbar vor dem Eingriff. Solche Vorfälle sind selten, kommen jedoch trotz moderner Kontrollsysteme immer wieder vor. Meist liegt keine einzelne Fehlentscheidung zugrunde, sondern eine Verkettung mehrerer organisatorischer oder menschlicher Faktoren, etwa Missverständnisse, unklare Dokumentation oder Kommunikationsprobleme im OP-Team.
Interne Aufarbeitung angekündigt
Die Klinikleitung betont, dass der Vorfall sehr ernst genommen werde. Ziel sei eine lückenlose Aufarbeitung gemeinsam mit allen beteiligten Berufsgruppen. Dabei sollen mögliche Schwachstellen im Ablauf identifiziert und bestehende Sicherheitsmaßnahmen weiter verbessert werden.

