Almabtrieb in Tirol: Die Geschichte hinter dem gelebten Brauchtum
TIROL. Geschmückte Kühe, gelebte Tradition und jahrtausendealte Geschichte. Der Tiroler Almabtrieb ist weit mehr als ein beliebtes Fotomotiv.

Wenn im September bunt geschmückte Kühe von den Bergen ins Tal ziehen, säumen tausende Besucher die Straßen Tirols. Der Almabtrieb zählt zu den bekanntesten Traditionen des Landes – und blickt auf eine Geschichte zurück, die mehr als 6.000 Jahre zurückreicht. Hinter dem farbenfrohen Spektakel steckt jedoch weit mehr als Brauchtum: Es ist der feierliche Abschluss eines arbeitsreichen Almsommers und Ausdruck einer jahrhundertealten Lebensweise.
Seit Jahrtausenden Teil der Tiroler Bergwelt
Die Almwirtschaft prägt Tirol seit der Jungsteinzeit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bereits vor über 6.000 Jahren Vieh auf den Hochweiden des Ötztals graste. Später erschlossen Kelten und Römer weitere Almflächen, ehe die wachsende Bevölkerung ab dem Mittelalter immer mehr Bergweiden nutzte.
Bis heute sind die Almen ein unverzichtbarer Bestandteil der Tiroler Kulturlandschaft. Rund 2.100 Almen mit etwa 130.000 Hektar Weidefläche werden jeden Sommer bewirtschaftet. Dort verbringen rund 110.000 Rinder sowie tausende Schafe, Ziegen und Pferde die warme Jahreszeit. Gleichzeitig sorgen die Tiere dafür, dass die charakteristischen Almwiesen offen bleiben und nicht verwalden.
Der Almabtrieb als Höhepunkt des Jahres
Früher richtete sich der Almauftrieb nach Heiligentagen, regionalen Traditionen oder sogar nach den Mondphasen. Heute bestimmt vor allem die Natur den Zeitpunkt. Durch den früheren Vegetationsbeginn startet die Almsaison vielerorts einige Wochen eher als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Der eigentliche Höhepunkt folgt jedoch im Herbst: der Almabtrieb. Zwischen Ende August und Ende September kehren Hirten und Tiere ins Tal zurück. Der festliche Schmuck der Tiere galt lange als Schutzsymbol gegen böse Geister. Heute sehen Historiker darin vor allem den Ausdruck der Freude über einen erfolgreichen Sommer ohne größere Verluste. Wurden Tiere oder Menschen auf der Alm verletzt oder kamen ums Leben, verzichtete man vielerorts auf den traditionellen Schmuck.
Brauchtum, Genuss und gelebte Gemeinschaft
Je nach Region unterscheiden sich die kunstvollen Kronen, Kränze und Stirnmasken deutlich. Während in den Kitzbüheler Alpen mit Bändern geschmückte Nadelholzwipfel dominieren, sind rund um Imst reich verzierte Stirnmasken mit Spiegeln, Bildern und Sprüchen typisch.
Der Almabtrieb ist heute weit mehr als die Rückkehr des Viehs. In vielen Orten wird gemeinsam gefeiert – mit Musik, regionalen Spezialitäten wie Kiachl oder Krapfen und tausenden Gästen aus aller Welt. Trotz aller Unterschiede verbindet alle Almabtriebe dieselbe Botschaft: Dankbarkeit für die sichere Heimkehr von Mensch und Tier und die Bewahrung einer Tradition, die Tirol bis heute prägt.
Ausgewählte Almabtriebe 2026
Die ersten ausgewählten Almabtriebe finden am 12. September in Steeg, Jerzens und Pfunds statt. Am 13. September folgt der Schafschied in Tarrenz, am 18. September zieht das Vieh von der Gramai-Alm ins Tal. Besonders viele Veranstaltungen stehen am 19. September auf dem Programm: Dann wird in Söll, der Wildschönau, Reith im Alpbachtal, Brixen im Thale, Kirchberg und Westendorf gefeiert. Am 21. September folgt der Almabtrieb in Tannheim. Weitere Termine gibt es am 26. September in Hopfgarten, Kelchsau, Gerlos, Kirchberg und Reith im Alpbachtal sowie beim Schafschied in Pfunds. Den Abschluss bildet am 10. Oktober der Hengstalmabtrieb in Ebbs.
Witterungs- und futterbedingte Änderungen sind möglich. Besucher sollten sich vorab beim jeweiligen Tourismusverband über den aktuellen Termin informieren.








Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden