Katastrophe im Himalaya: Hunderte Tote – fast 3.000 Menschen vermisst
NEPAL. Nach den verheerenden Sturzfluten an der Grenze zwischen Nepal und Tibet steigt das Ausmaß der Katastrophe weiter. Mindestens 676 Menschen kamen ums Leben, nahezu 3.000 werden noch vermisst. Tausende Menschen konnten bereits gerettet werden.

Die Lage in der Himalaya-Region bleibt dramatisch. Nach einer gewaltigen Flutwelle, die am Mittwoch weite Teile des Grenzgebietes zwischen Nepal und der chinesischen Region Tibet verwüstete, suchen Einsatzkräfte weiter nach Vermissten. Ganze Ortschaften wurden zerstört, Straßen und Brücken weggerissen und wichtige Infrastruktur schwer beschädigt.
Auslöser der Katastrophe dürfte der Zusammenbruch großer Eis- und Gesteinsmassen in einem Gletschergebiet gewesen sein. Dadurch wurden gewaltige Mengen Wasser, Schlamm, Geröll und Eis durch die engen Täler geschleudert. Wissenschaftler untersuchen derzeit Satellitenbilder, um die genaue Ursache des Ereignisses zu klären.
Rettungsarbeiten durch schlechtes Wetter erschwert
Die Suche nach Überlebenden gestaltet sich schwierig. Steiles Gelände, zerstörte Straßen und große Mengen Schlamm erschweren das Vordringen der Rettungsmannschaften. Am Samstag mussten Teile der Such- und Rettungsarbeiten in Nepal aufgrund schlechten Wetters sogar vorübergehend eingestellt werden. Die Regierung ersuchte um internationale technische Unterstützung.
Mehr als 3.700 Menschen konnten allein in Nepal bereits gerettet werden. Fast 15.000 Sicherheitskräfte waren zuletzt im Katastrophengebiet eingesetzt. Auch Hubschrauber und Drohnen kommen zum Einsatz. Internationale Hilfslieferungen erreichen inzwischen die betroffenen Regionen.
Besonders groß ist die Sorge um ausländische Reisende. Unter den Vermissten befinden sich Menschen aus mehr als 30 Staaten. Bereits am Donnerstag waren mehr als 500 ausländische Touristen als vermisst gemeldet worden. Viele waren auf dem Weg zum für mehrere Religionen heiligen Mount Kailash.
Zehntausende Menschen benötigen Hilfe
Das ganze Ausmaß der Zerstörung wird erst langsam sichtbar. Nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes benötigen rund 93.000 Menschen dringend Unterstützung. UNICEF geht davon aus, dass allein etwa 17.000 Kinder unmittelbar von den Folgen der Katastrophe betroffen sind. Schulen, Gesundheitseinrichtungen und zahlreiche Wohnhäuser wurden zerstört oder beschädigt.
Zusätzlich sorgten neu entstandene Seen im Gletschergebiet für die Angst vor weiteren Flutwellen. Bei einem dieser Seen ist der Wasserstand mittlerweile allerdings deutlich zurückgegangen. Die Behörden warnen dennoch weiterhin vor möglichen Folgeereignissen und überwachen das Gebiet mit Drohnen und Radar.
Auch wirtschaftlich dürfte die Katastrophe Nepal schwer treffen. Finanzminister Swarnim Wagle rechnet mit vier bis fünf Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau – das entspricht beinahe einem Zehntel der Wirtschaftsleistung des Landes.








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