Zerstörung als schöpferische Kraft: Glaskünstler Simon Berger verewigt Parov Stelar in Linzer Promenaden Galerien
LINZ. Hammer und Glas – eine Kombination, die zunächst an rohe Zerstörung denken lässt. Der international erfolgreiche Schweizer Künstler Simon Berger erschafft mit diesen beiden Dingen aber faszinierendes Neues. Für ein Unikat in den Promenaden Galerien in Linz hat er sich ein prominentes Linzer Aushängeschild als Motiv ausgesucht. Es ist seine erste Arbeit im öffentlichen Raum in Österreich - seit Freitag für alle zu sehen.
Der zeitgenössische Glaskünstler Simon Berger schafft es, aus der Kraft der Zerstörung faszinierendes Neues zu schaffen. Laminiertes Sicherheitsglas dient ihm als Arbeitsmaterial, nur mit einem Hammer ausgerüstet erschafft er mit gezielten Schlägen einzigartige Arbeiten.
„Es ist natürlich Zerstörung“, so der Künstler im Tips-Gespräch. „Aber aus dieser Zerstörung entsteht etwas Fabelhaftes.“ Genau dieser Spannungsbogen zieht sich durch seine gesamte Arbeit. Ihn berühren Werke, bei denen eine Krafteinwirkung sichtbar bleibt – nicht polierte, „geleckte“ Arbeiten.
Der Entstehungsprozess folgt klaren Vorstellungen, „aber der Zufall spielt immer mit. Manchmal tut er etwas für mich und manchmal etwas gegen mich“, schmunzelt er.
Licht und Blickwinkel spielen besondere Rolle
Bei der Technik Bergers zeigt sich: Je näher und schneller die Schläge ausgeführt werden, desto stärker sind die Kontraste und die Schattierungen. Licht und Blickwinkel spielen bei der Betrachtung eine große Rolle, Spiegelungen sind eine besondere Herausforderung.
Darin liegt für den Künstler auch der Reiz, und „das macht es auch für den Betrachter spannend.“
Parov Stelar verewigt
Berger begann seine künstlerischen Erkundungen mit der Spraydose, bevor er sich anderen Medien zuwandte. Als gelernter Schreiner inspirierte ihn seine Vorliebe für Holz zu seinen ersten Kreationen auf der Straße. Als Liebhaber der Mechanik verbrachte er auch viel Zeit mit der Arbeit an Autokarosserien. Als er darüber nachdachte, was man mit einer Autoscheibe machen könnte, war seine Glaskunst geboren.
Dabei haben es ihm Gesichter besonders angetan. Für seine Arbeit in Linz – die Erste in Österreich im öffentlichen Raum – hat er ein Porträt des Linzer Musik- und Kunststars Parov Stelar gewählt. Berger lernte Marcus Füreder bei seinem Linz-Besuch auch persönlich kennen, man verstand sich auf Anhieb gut, erzählt er: „Von Künstler zu Künstler passt das meistens. Er ist eine super angenehme Person.“
Kunst für alle zugänglich
Seine Kunst im öffentlichen Raum - wie in den Promenaden Galerien - für alle zugänglich, zu zeigen, sieht er als Chance, für Kunst zu begeistern, sie jenen Menschen näherzubringen, die sonst kaum Berührung damit haben. „Das funktioniert sehr gut und macht mich auch ein bisschen stolz“, freut er sich. Kunst im Alltag könne viel zurückgeben und einen echten Mehrwert im Leben schaffen.
Vor zahlreichen Gästen enthüllt
Die Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum unterstreicht auch Bürgermeister Dietmar Prammer, zu Gast bei der Eröffnung in den Promenaden Galerien. „Wir sind in Linz gesegnet, auch mit unseren Murals in der Stadt und am Hafen - und wie hier in den Promenaden Galerien. Solche Kunstinstallationen sind irrsinnig wichtig, weil sie uns anregen und auch wichtig dafür sind, wie sich die Stadt präsentiert.“
Simon Berger gestaltete sein neues Kunstwerk auf Einladung von Paolo Cuturi, Geschäftsführer Wimmer Immobilien, in den Promenaden Galerien. Mit Unterstützung kunstaffiner Sponsoren konnte das Projekt umgesetzt werden. Auf die begeisternde Arbeit Simon Bergers kam Cuturi durch den portugiesischen Urban-Art Star „Add Fuel“, ein Freund Bergers. Add Fuels Keramikkunst bereichert die Promenaden Galerien seit Herbst 2024. Ebenfalls zu bestaunen gibt es Arbeiten der Urban Art-Stars ARYZ, PichiAvo und Martin Whatson, die in den Galerien schon eindrucksvolle Spuren hinterlassen haben.
Enthüllt wurde das neue Werk am Freitag vor zahlreichen Gästen, darunter neben Bürgermeister Prammer auch Kunstuni Linz-Rektorin Brigitte Hütter, Alfred Weidinger, Geschäftsführer OÖ Landes-Kultur GmbH, und Gernot Barounig, Geschäftsführer der Museen der Stadt Linz.
Auch Simon Berger selbst konnte erst am Freitag sein vollständig fertiges Werk sehen. Zuvor hatte er die einzelnen Schichten nur separat wahrgenommen, aus logistischen Gründen nie im Gesamtbild. „Ich hatte ein gutes Gefühl – aber es bleibt immer eine Unbekannte.“ Umso schöner war auch für ihn der Moment der Enthüllung.
Begleitende Ausstellung
Neben dem neuen, bleibenden Werk von Simon Berger ist aktuell eine begleitende Foto-Ausstellung zur Arbeit des erfolgreichen Glaskünstlers in den Galerien zu sehen.
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