Die Jagd wird immer weiblicher
OÖ. In Oberösterreich sind derzeit 18159 Personen im Besitz einer Jagdkarte - 16573 von ihnen sind männlich und 1586 Jagdkartenbesitzer sind Frauen. Besonders in den letzten fünf Jahren ist der Frauenanteil angestiegen. Oberösterreichweit liegt er derzeit bei rund zehn Prozent. Anders sieht es bei den Jungjägern aus – hier beträgt der Frauenanteil bereits 30 Prozent.

Heuer haben bei den jährlichen Jagdprüfungen zwischen April und Juni von den 602 Jagdkartenanwärtern 532 (131 Frauen, 401 Männer) die Prüfung bestanden. Das Interesse an der Jagd steigt seit Jahren stetig mehr an. Auch für das weibliche Geschlecht wird die Jagd immer attraktiver. Im Gegensatz zum Vorjahr ist der Frauenanteil von 20 auf rund 30 Prozent angestiegen. Der oberösterreichische Landesjagdverband (OÖ LJV) freut sich über den konstanten Zuwachs an Jägerinnen. Im Bezirk Vöcklabruck sind mit insgesamt 1653 gültigen Jagdkarten die meisten Jäger unterwegs - dicht gefolgt vom Bezirk Gmunden mit insgesamt 1633 gültigen Jagdkarten. An dritter Stelle liegt der Bezirk Steyr-Land mit 1320 gültigen Jagdkarten, gleich danach reiht sich der Bezirk Braunau mit 1316 gültigen Jagdkarten.
Die Jagd wird weiblich
Warum sich immer mehr Frauen für die Jagd interessieren hat vielfältige Gründe. „Immer mehr Frauen begeistern sich für die Jagd, da sie die Zusammenhänge des Ökosystems verstehen möchten. Manche legen die Prüfung nicht um der aktiven Jagd willen ab, sondern beschäftigen sich gerne mit der Natur“, weiß Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner. Einigen Frauen geht es auch nur um die Prüfung, ohne dass sie das Bedürfnis haben, danach selbst jagen zu gehen. „Oft haben sie aber nach einiger Zeit dann doch das Bedürfnis, dass sie selbst jagen gehen. Die Jagd ist einfach die ursprünglichste Art der Fleischgewinnung. Das Tierwohl steht dabei an erster Stelle“, sagt Christopher Böck, Geschäftsführer und Wildbiologe des OÖ Landesjagdverbandes.
Praktische und theoretische Prüfung für Jungjäger
Um die ökologische und nachhaltige Pflege des heimischen Wildes sowie den Schutz der Lebensräume zu gewährleisten, wird von den oberösterreichischen Jägern großes und komplexes Wissen verlangt. Dieses umfangreiche Know-how vermitteln die Vorbereitungskurse der Jagdbezirke des OÖ LJV: In etwa 180 Stunden werden die Jagdprüfungswerber auf die praktische und theoretische Prüfung vorbereitet. Gerade im Bereich des Natur- und Artenschutzes ist das Verständnis des Ökosystems und ihrer Zusammenhänge unabdingbar. „Die Jagdprüfung ebnet den angehenden Jungjägern den Weg ins Revier. Sie ist Voraussetzung zur Ausübung der Jagd und gibt den Prüfungsanwärtern ein ganzheitliches, komplexes Denken mit auf den Weg. Das heimische Wild lebt in einem Ökosystem, das auf Wechselwirkungen beruht. Gerade das Verständnis für die Zusammenhänge der Natur ist für die Jagd mit all ihren Facetten von höchster Relevanz“, weiß Böck.
Mehr Umweltbewusstsein als Motiv für die Jagd
„Die Gründe, die Jagdprüfung abzulegen, sind von Prüfling zu Prüfling unterschiedlich. Wir erkennen aber einen klaren Trend in Richtung Umweltbewusstsein – die meist jungen Menschen möchten die Natur bewusster erleben und gleichzeitig ihr Fleisch selbst erbeuten, da sie wissen wollen, woher es ist und dass das Tier vorher gut gelebt hat. Auch Artenschutz spielt eine Rolle“, erklärt Landesjägermeister Sieghartsleitner die Motive für die Jagdprüfung. Unsere Umwelt hat sich immer mehr zu einer intensiven und modernen Kulturlandschaft entwickelt. Gleichzeitig sehnen sich immer mehr Menschen nach Erlebnissen in der Natur und danach, ihre Freizeit auch aktiv im Freien zu verbringen. Dies führt zu einer Überbelastung des Lebensraumes der heimischen Wildtiere, womit diese Lebensräume stark eingeschränkt werden. „Die Wildtiere kommen nicht mehr zur Ruhe. Der Rückgang von manchen Tierarten, wie das Rebhuhn, regional der Feldhase und andere bzw. die mangelnde Gesundheit mancher Tiere durch Stressfaktoren versetzen die ganze Jägerschaft in Alarmbereitschaft. Hier haben wir großen Handlungsbedarf“, erklärt Wildbiologe Böck und ergänzt: „Natürlich spielen andere Faktoren, wie Klimawandel oder Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft auch eine Rolle, doch diese werden durch Störungen noch verstärkt.“
Der Ruf der Jagd
Jäger kommen aus allen Berufsgruppen. „Es ist eine sehr heterogene Gruppe. Und insgesamt hat die Jagd keinen schlechten Ruf“, meint Böck. „Manche denken, es würde hauptsächlich um die Trophäen gehen. Das stimmt aber nicht. Es ist zwar eine nette Sache, aber letztendlich ist alles andere Drumherum das Spannende“, erzählt der Wildbiologe. Für ihn machen mehrere Faktoren die Jagd aus. „Es ist die Mischung aus natürlichem Beutetrieb und die Komplexität in der Natur erleben sowie die Beschaffung der Nahrung“, erzählt er.


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