Am 3. Dezember ist der Tag der Menschen mit Behinderung

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Wurzer Katharina Wurzer Katharina, Tips Redaktion, 02.12.2020 15:23 Uhr

OÖ. Am Donnerstag, 3. Dezember 2020, ist der Tag der Menschen mit Behinderung. Dazu äußern sich Landespolitiker, aber auch Menschen mit Behinderungen selbst. Sie geben einen Einblick, wie es ihnen ihn Zeiten der Corona-Pandemie geht.

Der 3. Dezember wurde von der UNO als Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung ausgerufen. Menschen mit Behinderungen haben es in Krisenzeiten oft noch einmal schwerer, hält Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) fest. „Gerade in der Krise sehen wir es als unseren Auftrag, für jene da zu sein, die Unterstützung dringend brauchen“, sagt Stelzer. Dazu zählt für ihn etwa die Errichtung von Wohnplätzen für Menschen mit Behinderung in Oberösterreich. Nach dem ersten Ausbauprogramm von 419 zusätzlichen Wohnplätzen bis 2021 schafft das Land Oberösterreich nun weitere 100 Wohnplätze für Menschen mit Behinderungen bis Ende 2025. Dafür werden 85 Millionen Euro investiert.

Barrierefreier Wohnraum darf kein Luxus sein

Barrierefreier Wohnraum sei kein Luxus, sondern ein Menschenrecht, ergänzt Ulrike Schwarz von den Grünen Oberösterreich. Österreich habe sich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenkonvention zu einer umfassenden Barrierefreiheit verpflichtet. Von diesem Ziel sei man aber noch weit entfernt und in vielen Bereichen fehle es am Willen, Taten zu setzen. „Eine barrierefreie Wohnung zu suchen gleicht der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Wohnbaulandesrat Haimbuchner muss endlich die Barrierefreiheit zu einem Eckpfeiler des sozialen Wohnbaus machen“, fordert Schwarz. In Oberösterreich werde die Warteliste für barrierefreien Wohnraum, aber auch für mobile Dienste zur Begleitung und voll betreute Wohnplätze immer länger. Hier nur auf Neubauten und Träger der Behindertenhilfe zu setzen, sei viel zu kurz gedacht. „Gerade die Corona-Krise ist wie ein Brennglas und zeigt die Lücken im Bereich Soziales und Wohnen auch für Menschen mit Behinderung sehr deutlich auf. Viele pflegende Angehörige stehen jetzt rund um die Uhr im Einsatz und es fehlt hier an zusätzlicher mobiler Unterstützung. Vielmehr  wurden viele Leistungen sogar zurückgefahren. Beengte Wohnverhältnisse verursachen hier zusätzlichen Stress und bringen die Familien an den Rand des Leistbaren“, fürchtet Schwarz. Es brauche unter anderem mehr barrierefreie Wohnungen im sozialen Wohnbau, alternative Wohnformen und zusätzliche vollbetreute Wohnplätze.

„Nach der Krise bewusster aufeinander zugehen“

Wie empfinden das Menschen mit Behinderungen selbst? Bewohner und Beschäftigte der Lebenshilfe Oberösterreich berichten ab sofort auf der Facebook- und Instagram-Seite über ihren Alltag in Zeiten der Corona-Pandemie. Sie beschäftigen gerade Themen wie die Angst um die eigene Gesundheit und die ihrer liebsten Menschen, Isolation, aber auch Sehnsucht nach gewohnten Strukturen und Normalität. Das sind derzeit auch die Themen von Menschen ohne Behinderungen. Diese sind laut der Lebenshilfe Oberösterreich aber sichtbarer in der Gesellschaft, werden eher gehört und eingebunden. „Unseren Beschäftigten und Bewohnern sowie Bewohnerinnen geht es aktuell wie allen anderen Menschen auch: Sie sehnen die Normalität zurück. Aktuell erleben Menschen ohne Beeinträchtigung zu einer gewissen Weise wie es Menschen mit Beeinträchtigung ihr ganzes Leben lang geht. Nehmen wir diese Erfahrung zum Anlass und gehen wir nach der Krise bewusster aufeinander zu und setzen uns gemeinsam für die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft ein“, sagt Lebenshilfe OÖ Geschäftsführer Gerhard Scheinast. Für Menschen mit Behinderungen gehöre auch in normalen Zeiten eine gewisse soziale Distanz zum Alltag. Sie sind oft auf Hilfe angewiesen, wenn sie jemanden treffen oder einen Ausflug unternehmen möchten.

Die Lebenshilfe Oberösterreich wurde 1969 gegründet und begleitet in 70 Einrichtungen etwa 2.000 Menschen mit Behinderungen. Um einen Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu leisten, wurden alle Angehörigen von Menschen mit Behinderungen in Werkstätten ersucht, die Begleitung zu Hause zu übernehmen, sofern es für sie möglich ist. Die Wohnhäuser sind aber uneingeschränkt im Betrieb. In den Wohnräumen wurden Arbeitsplätze eingerichtet, damit die Menschen sozusagen im Homeoffice arbeiten können. Darüber hinaus stehen gerade Fernsehen, Lesen, Gesellschaftsspiele, Kochen und Backen oder Spaziergänge auf dem Programm.

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