Landwirtschaftskammer OÖ fordert Fair-Play in der Natur
SPITAL AM PYHRN/VORDERSTODER/OÖ. Vermüllte Almen, zugeparkte Felder und verschrecktes Wild: Landwirtschaftskammerpräsident Franz Waldenberger appelliert an alle Wintersportler, auf die Pflanzen und Tiere Rücksicht zu nehmen. Die Landwirtinnen Silke Antensteiner aus Vorderstoder und Regina Reiter aus Spital am Pyhrn schildern ihre Sicht dieser Problematik.

Bis zu 1.000 Skitourengeher, Schneeschuh- und Winterwanderer seien an schönen Wintertagen auf der Wildalm von Landwirtin Silke Antensteiner unterwegs. „Wir beobachten ein krasses Zunehmen an Skitourengehern, die nicht selten mit ihren Tourenski in den Jungwald reinfahren und die dortigen Baumwipfel kappen“, erzählt die Landwirtin. Zudem komme es immer häufiger dazu, dass Wildfütterungszonen betreten werden, Müll hinterlassen oder Zufahrtswege zugeparkt werden. „Ich ersuche die Besucher unserer Region darum, sich vorher über Wege und Routen gut zu informieren und den Naturraum so zu nutzen, als sei es ihr eigener Besitz“, sagt Antensteiner.
Konkret solle der Jungwald geschützt, Wildruhezonen und Fütterungen umgangen und Hunde an der Leine geführt werden. „Ich ersuche dringend auch darum, nach der Jause den eigenen Müll wieder mitzunehmen. Alu-Dosen und Plastikverpackungen gefährden unsere Weidetiere. Wenn das Gras für die Heugewinnung durch die Erntemaschinen geschnitten wird, werden nicht nur die Halme, sondern auch der Abfall zerkleinert. Dieser landet in der Folge im Verdauungstrakt unserer Tiere. Es kostet uns im Frühling oft viel Zeit, wenn wir den Müll sammeln und entsorgen müssen“, so die Vorderstoderin.
Parkplätze
Das Parken von Autos abseits gekennzeichneter Parkflächen ist auf Wald- und Wiesenflächen ohne Zustimmung der Grundeigentümer nicht erlaubt und kann eine kostspielige Besitzstörungsklage nach sich ziehen, informiert die Landwirtschaftskammer OÖ.
Rechtliche Lage: Abfahren mit Skiern
Im Wald ist das Abfahren mit Skiern im Bereich von Aufstiegshilfen wie Skiliften oder Seilbahnen nur auf markierten Pisten oder auf Skirouten zur Aufstiegshilfe gestattet. Tourengeher hingegen können durch den Wald auch abseits von Aufstiegshilfen abfahren, dies allerdings nur insoweit, als diese Waldbereiche nicht von der Benützung zu Erholungszwecken ausgenommen sind, wie dies beispielsweise bei einer Sperre aufgrund von Waldarbeiten oder Holzlagerplätze der Fall ist.
Schneeschuhwandern, Langlaufen, Rodeln
Schneeschuhwandern ist ebenso wie das Skilanglaufen im Wald ohne gespurte Loipen und unter Anwendung der gebotenen Vorsicht grundsätzlich erlaubt, doch bedarf das Anlegen oder die Benutzung von Loipen der Zustimmung des Waldeigentümers. Bäumchen dürfen dabei nicht geknickt oder beschädigt werden. Ebenso muss auch hier auf Forsteinrichtungen oder gelagertes Material geachtet werden. Das Rodeln und Bobfahren im Wald gelte auch auf Forststraßen und sonstigen Waldwegen als Befahren und sei ohne Zustimmung des Waldeigentümers beziehungsweise Forststraßen-Erhalters nicht erlaubt, informiert die Landwirtschaftskammer OÖ.
Grenzen, Regeln und offen in Gespräche gehen
„Die Landwirtschaft akzeptiert, dass Menschen unsere Naturräume als Erholungsraum und zum Ausgleich brauchen. Die Besucher, die unsere gepflegte Naturlandschaft nutzen, sollten akzeptieren, dass es sich bei den Flächen um bäuerliches Eigentum handelt. Wir müssen mit den Flächen wirtschaften und diese sind unsere Erwerbsgrundlagen. Es hat Jahrhunderte gebraucht, um die Flächen so zu schaffen und zu pflegen wie sie jetzt sind. Beide Seiten können voneinander profitieren, wenn wir Grenzen und Regeln einhalten und offen in Gespräche gehen“, betont Regina Reiter, Milchbäuerin aus Spital am Pyhrn.
„Die meisten Besucher halten sich an die Regeln. Jene, die 'befristete forstliche Sperrgebiete' missachten oder Mist zurücklassen, sind in der Minderheit, aber ein Ärgernis für alle. Wenn alle Seiten vernünftig handeln, dann stehen der gemeinsamen Naturraumnutzung keine Hindernisse im Weg“, gibt sich Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, überzeugt.
Leitfaden „Winterliches Fair Play in der Natur“
Der vom OÖ Almverein, dem OÖ Tourismus und Vertretern der Tourismusverbände entwickelte Leitfaden „Winterliches Fair Play in der Natur“ fasst Regeln zusammen, „die für ein gutes Auskommen zwischen Freizeitnutzern und der winterlichen Natur beim Outdoor-Sport einzuhaltenden sind. Der Leitfaden wird in dieser Form auch von der Landwirtschaftskammer OÖ unterstützt“, so Waldenberger.


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