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Diözese Linz muss Kosten sparen, das betrifft auch das Personal

Tips Logo Gertrude Paltinger, BSc, 18.06.2024 14:50

OÖ/GASPOLTSHOFEN. Die Diözese Linz ist gezwungen Kosten zu reduzieren, konkret geht es um 17 Millionen bis 2028. Ein Maßnahmenpaket wurde in Gaspoltshofen, wo sich Bischof Manfred Scheuer derzeit auf Visitation befindet, präsentiert. Die Einschnitte betreffen auch die Mitarbeiter der Diözese.

Reinhold Prinz (Leiter des Bereichs Finanzen und Verwaltung), Edeltraud Addy-Papelitzky (Leiterin des Bereichs Personal und Qualitätssicherung), Bischof Manfred Scheuer und Generalvikar Severin Lederhilger (v.l.) haben das Maßnahmenpaket in Gaspoltshofen vorgestellt. (Foto: Diözese Linz / Ursula Waselmayr)
Reinhold Prinz (Leiter des Bereichs Finanzen und Verwaltung), Edeltraud Addy-Papelitzky (Leiterin des Bereichs Personal und Qualitätssicherung), Bischof Manfred Scheuer und Generalvikar Severin Lederhilger (v.l.) haben das Maßnahmenpaket in Gaspoltshofen vorgestellt. (Foto: Diözese Linz / Ursula Waselmayr)

Die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Krisen wirken sich auch auf die Diözese Linz aus, sagt Bischof Manfred Scheuer in Gaspoltshofen, wo man ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Kostenreduktion präsentiert hat. „Die Kirche muss sich diesem Umfeld stellen“, erklärt der oberste Kirchenvertreter Oberösterreichs.

Die Zahl der Katholiken hat sich in den letzten zehn Jahren um 100.000 auf derzeit 882.456 Menschen reduziert (zehn Prozent). Die Kirchenbeiträge, die rund 100 Millionen Euro betragen, würden stagnieren. Gleichzeitig sind die Lohnausgaben nach den jüngsten Kollektivvertragsanpassungen aber stark angestiegen. Um ein ausgeglichenes Budget bis 2028 sicherzustellen, werden nun diese Maßnahmen gesetzt. Die ersten sollen schon 2025 wirksam werden.

Welche Maßnahmen das im Detail sind, hat Generalvikar Severin Lederhilger erklärt: „Wir haben uns die Aufgabe nicht leicht gemacht, es war ein intensives Ringen, Überleben und Abwägen der jeweiligen Konsequenzen unserer Entscheidungen.“

17 Millionen müssen gespart werden

„Konkret geht es um eine Fixkostenreduktion von rund 17 Millionen Euro. Das nun vorliegende Ergebnis zeigt nachhaltige Einsparungen von mindestens 13,4 Millionen. Die ursprünglich angezielten 17 Millionen sind daher noch nicht ganz erreicht“, erklärt Reinhold Prinz, der Leiter des Bereichs Finanzen und Verwaltung, dass man mit Folgeprojekten und laufenden Evaluierungen das Ziel erreichen wird können.

Weiterhin will man in ganz Oberösterreich mit pastoralen und diakonalen Angeboten präsent sein, man bekennt sich klar zur Kirche vor Ort. In der Territorialreform habe man bereits eine Grundlage für die Seelsorge in den Pfarren mit ihren neuen Pfarrteilgemeinden gesetzt. Diese Orte sollen erhalten und gefördert werden.

Einschnitte im Personal

Die aktuellen Einsparungen betreffen auch die Mitarbeiter. Direkt bei der Diözese Linz sind derzeit 1.170 Personen angestellt. Aufgrund einer hohen Teilzeitquote sind das 885 Vollzeitäquivalent. Zwischen 2025 und 2028 muss um 60 Vollzeitäquivalent (das sind rund 80 Personen) reduziert werden. Das bedeutet eine Reduktion um 6,8 Prozent.

Bei rund 30 der 80 Personen handelt es sich um Pensionierungen oder Projektanstellungen die nicht verlängert werden. Bei den anderen 50 Personen will man versuchen sie für andere freie Stellen in der Diözese zu qualifizieren. Bei Kündigungen wird es das Angebot einer diözesanen Arbeitsstiftung geben.

„Da sich Mitarbeiter stark mit ihren konkreten Aufgaben identifizieren, sind Veränderungen oft auch dann schmerzlich, wenn die Übernahme anderer Aufgaben innerhalb der Diözese angeboten werden kann. Dennoch sind aufgrund der nötigen Kürzungen und unter Berücksichtigung der strategischen Schwerpunkte Veränderungen nötig“, erklärt Edeltraud Addy-Papelitzky, die Leiterin des Bereichs Personal und Qualitätssicherung der Diözesanen Dienste. Eine interne Jobbörse werde eingerichtet, fügt Addy-Papelitzky hinzu. Interne Bewerber für offene Stellen haben einen Vorrang.

Bis 2028 gehen 100 Mitarbeiter in Pension. Gleichzeitig sind 30 Vollzeitäquivalent in der Jugendarbeit in den Pfarren offen und es werden 20 Vollzeitstellen für Verwaltungsvorstände in den neuen Pfarren ausgeschrieben.

Zwei Bildungshäuser und Urbi@Orbi werden nicht weitergeführt

Statt bisher fünf diözesan geführten Bildungshäusern wird es künftig ein einziges diözesanes Bildungshaus geben, allerdings mit drei Standorten. Hauptstandort wird das Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels. Die zwei weiteren Standorte sind das „Haus der Frau“ in Linz und das Franziskushaus in Ried. Das Programm wird gemeinsam erstellt und thematisch differenziert.

Somit werden das Maximilianhaus in Attnang-Puchheim und Dominikanerhaus in Steyr nicht mehr weitergeführt. Auch im Bildungshaus Greisinghof in Tragwein wird man sich nicht mehr engagieren. In Wels und in Ried sind Aus- und Umbauarbeiten zur Attraktivierung geplant.

Das Urbi@Orbi in der Linzer Innenstadt wird geschlossen. Die seelsorgerischen Angebote sollen die Innenstadt-Pfarren übernehmen.

Es soll ein neues Jugendbegegnungshaus in Weyregg entstehen. Dort sollen Junge Gemeinschaft erleben und aktiv sein können. Vier der aktuell fünf Jungscharhäuser bleiben erhalten. Das Jungscharhaus in Lichtenberg wird geschlossen.

Stuwe und Zoom werden zusammengelegt

Eine Änderung gibt es auch in der sozialen Jugendarbeit. Das Jugendzentrum Stuwe in Linz und der Jugendtreffpunkt Zoom in Linz werden 2027 an einem neuen Standort zusammengelegt. So will man kostensenkende Synergieeffekte nutzen. Die Führung des Caritas-Wohnheimes „Guter Hirte“ soll ausgelagert und einem Wirtschaftsbetrieb übergeben.

Wichtig ist der Diözese aber die Qualitätssicherung und die fachliche Begleitung für die Pfarrcaritas-Kindergärten, hier soll mehr investiert werden. Beendet ist das Modell der gebündelten Betriebsführung der Kindergärten durch die Caritas Oberösterreich. Die dafür notwendigen Mittel entfallen.

Veränderungen in den Hochschulen

Auch die Katholische Privat-Universität Linz und die Pädagogische Hochschule der Diözese Linz sind von den Kürzungen betroffen. Trotzdem wolle man die Qualität in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Priestern, Seelsorgern und Religionslehrern gewährleisten. Der schon präsentierte „Campus für Bildung, Wissenschaft und Menschlichkeit“ am Linzer Freinberg soll mehrere Bildungseinrichtungen der Katholischen Kirche an einem Standort bringen. Derzeit arbeitet man daran, die Finanzierung aufzustellen. Die Mittel für den Umbau gehören aber zum außerordentlichen Budget und betreffen die „aktuellen Haushaltsüberlegungen“ nicht, wie es heißt.

Mehr zum Campus am Freiberg hat Tips schon berichtet.

Durch die Optimierung von internen Abläufen und Strukturen, kostensparende Verlegungen, Nutzung bestehender kirchlichen Räume und Anpassungen in der Infrastruktur sieht man weiteres Potential für Einsparungen.

Es sollen aber verstärkt neue Wege der Glaubenskommunikation beschritten werden. Hier werden Fernseh- und Radiogottesdienste, das „Grüß Gott!“-Magazin und Projekte wie die „Lange Nacht der Kirchen genannt.

Den Solidaritätspreis der Diözese Linz wird man heuer zum letzten Mal verleihen.


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