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"Wird uns ein Vorbild bleiben": Oberösterreich verneigte sich vor Landesvater Josef Ratzenböck

Tips Logo Karin Seyringer, 10.01.2026 14:38

OÖ/LINZ/NEUKIRCHEN AM WALDE. (Update)Am Samstag wurde im Linzer Landhaus ein großer Oberösterreicher verabschiedet. Mit einer Gedenkveranstaltung im Steinernen Saal verneigte sich Oberösterreich vor dem im 97. Lebensjahr verstorbenen Altlandeshauptmann und Landesvater Josef Ratzenböck. Um 12 Uhr wurde im Mariendom mit einem öffentlichen Requiem Abschied genommen.

  1 / 12   Landeshauptmann a.D. Josef Ratzenböck wurde am Samstag verabschiedet. (Foto: Land OÖ/fotokerschi/Werner Kerschaummayr)

Er war ein „Landesvater im besten Sinne, ein Landeshauptmann, der großes für unser Oberösterreich geleistet hat“, so Landtagspräsident Max Hiegelsberger in Anwesenheit von Gattin Anneliese Ratzenböck, seiner Kinder und seiner Angehörigen bei der Gedenkveranstaltung.

„Er war einer der prägendsten Persönlichkeiten unserer Zeitgeschichte. Was bleibt, ist ein großes Vermächtnis eines politischen Gestalters und eines faszinierenden Menschen“, würdigte ihn Landeshauptmann Thomas Stelzer.

Viele Persönlichkeiten aus dem öffentlichen und politischen Leben, darunter Vertreter der Bundesregierung, Abgeordnete zum Nationalrat und Bundesrat, die oö. Landesregierung, Landtag und viele Weggefährten, Bischof Manfred Scheuer und Vertreter der evangelischen Kirche und Israelischer Kultusgemeinde erwiesen ihm bei der Trauerfeier die letzte Ehre.

Gemeinsames vor das Trennende

Das Amt des Landeshauptmanns war für ihn ein „Traumberuf“, sagte Ratzenböck selbst einmal. Er stellte stets das Gemeinsame vor das Trennende, hat den EU-Beitritt Österreichs als überzeugter Europäer vorangetrieben. „Er wird als maßgeblicher Gestalter in Erinnerung bleiben“, so Hiegelsberger.

Musikalisch umrahmt wurde die Sitzung vom Bläserensemble des Landesmusikschulwerks, Ratzenböck war Gründervater des Landesmusikschulwerks. „Damit festigte er ein zentrales Stück der oberösterreichischen Identität und hat entscheidende Fundamente für das oö. Kulturland gelegt.“

Viele weitere Meilensteine gehen auf Josef Ratzenböck zurück, darunter die Ansiedelung von BMW in Steyr.

Selbst als „Wunder“ und prägendsten Moment bezeichnete Josef Ratzenböck die Öffnung des Eisernen Vorhangs. Am 11. Dezember 1989 durfte er gemeinsam mit dem Kreisvorsitzenden Miroslav Šenkyr am Grenzübergang Wullowitz einen Teil des Eisernen Vorhangs durchschneiden.

„Zutiefst sozialer Mensch“

Ratzenböck war auch ein zutiefst sozialer Mensch – er initiierte gemeinsam mit Vorarlberg damals die Einführung des Pflegegeldes in Österreich, gründete 1994 das Hilfswerk. „Ein starkes Gemeinwesen kann nur dort entstehen, wo Verantwortung füreinander gelebt wird“, so ein Zitat Ratzenböcks.

„Josef Ratzenböck ist heute noch überall spürbar“, so der Landtagspräsident. „Er wird uns ein Vorbild dafür bleiben, dass persönliches Engagement einen Unterschied macht, dass es in der Demokratie um ein aufeinander Zugehen und Respekt vor Mitmenschen geht. Er wird in den Herzen und der Geschichte unseres Landes immer einen festen Platz behalten.“

„Du gehst uns ab“

„Du gehst uns ab, lieber Josef Ratzenböck“ – mit diesen Worten eröffnete Landeshauptmann Thomas Stelzer seine Würdigung. Auch er erinnerte an den Fall des Eisernen Vorhangs, „eine echte Zeitenwende war eingeläutet, Ratzenböck hat sie mitgestaltet. Gerade heute bleibt diese Erinnerung ein Auftrag dazu, dass ein Zusammenleben über Grenzen und Gräben hinweg immer möglich sein muss.“ Ein zentraler Leitsatz Ratzenböcks: „Streit zehrt, Frieden nährt“.

„Ihm war es auch immer wichtig, zuzuhören und ernst zu nehmen. Er war der Mann für die großen Probleme und kleinen Sorgen. Dadurch hatte er großes Vertrauen in der breiten Bevölkerung.“

„Visionäre und gestalterische Kraft“

Die Einführung des Pflegegeldes sei ein herausragendes Beispiel gewesen, „ein Beleg für die visionäre, aber auch gestaltende Kraft von Josef Ratzenböck. Der Ratzenböck-Plan brachte den sozialen Wohnbau nachhaltig voran“, erinnert Stelzer.

„Sozialer Zusammenhalt, gelingendes Zusammenleben, das berühmte OÖ-Klima, dafür steht Ratzenböck mit seinem Wirken. Er hat klug und weitsichtig die Hand ausgestreckt, Partner gefunden, die klug genug waren, diese Hand zu ergreifen.“

Bis heute wegweisend ist die Gründung des Landesmusikschulwerks 1977, „der Aufschwung Oberösterreichs als Musik- und Kulturland liegt mit Sicherheit darin begründet.“

Die Basis für sein umfassendes Wirken: „Er war immer Josef Ratzenböck. Er war die Persönlichkeit und dabei immer authentisch: Landesvater, Manager, Zuhörer, Denker. Mit Sicherheit das wichtigste aber: Er wirkte und gestaltete gemeinsam mit seiner Frau Anneliese. Sie war immer Mitgestalterin, im Power Couple-Team Ratzenböck.“

Sichtbares Vermächtnis in jedem Landesteil

„Was bleibt, ist die lebendige Erinnerung an ein umfassendes politisches und gesellschaftliches Lebenswerk. In jeder Region und in jedem Landesteil stoßt man auf ein sichtbares Vermächtnis von Josef Ratzenböck. Das Vermächtnis geht aber weit über Bauten und Investitionen hinaus. Es ist ein Geist der oberösterreichischen Entwicklung und des Zusammenlebens. Mit großer Betroffenheit und vor allem großer Dankbarkeit: Oberösterreich verneigt sich vor Josef Ratzenböck und seinem Lebenswerk“, würdigte Stelzer.

Den Abschluss der Gedenkveranstaltung bildete die Bundeshymne und die oberösterreichische Landeshymne.

Update: Requiem im Mariendom

Um 12 Uhr begann im Mariendom das Requiem für den Altlandeshauptmann. Die Lesung hielt Landeshauptmann a.D. Josef Pühringer, die Fürbitten brachten ehemalige Mitarbeiter – Erich Watzl, Eduard Pesendofer, Gertrude Simader und Gerhard Baumgartner – dar. Die Trauerrede hielt Landeshauptmann Stelzer. 

Bischof Manfred Scheuer würdigte LH a.D. Josef Ratzenböck als verantwortungsbewussten Politiker mit Liebe zur Welt und den Menschen. Bezugnehmend auf das Zitat von Hannah Arendt „Politik ist angewandte Liebe zur Welt“ betonte Scheuer: „Ich glaube, dass im Leben und im Wirken von Josef Ratzenböck diese politische Dimension von Liebe durchscheint. Politik als angewandte Liebe zur Welt, das hat für Landeshauptmann Ratzenböck geheißen, nicht auszuweichen vor der Verantwortung. Josef Ratzenböck hat Verantwortung übernommen und er hat die Leute gemocht.“ Er sei als Politiker ein „Kümmerer für das gute Leben“ gewesen, gerade auch im Sozialbereich, unterstrich Scheuer. 

Scheuer überbrachte auch Gruß- und Dankesworte von Bischof em. Maximilian Aichern, der von 1982 bis 1995 als Diözesanbischof von Linz „positivst“ mit Landeshauptmann Josef Ratzenböck zusammengearbeitet hat. 

Musikalisch wurde die Messe gestaltet vom Domchor und dem Domorganisten. Am Domplatz spielte die Militärmusik einen Trauermarsch.

Langjähriger Landeshauptmann

Josef Ratzenböck wurde am 15. April 1929 in Neukirchen am Walde geboren. Er war von 1973 bis 1995 Mitglied der Landesregierung, zudem von 1973 bis 1979 Abgeordneter zum Landtag. Von 1977 bis 1995 war Josef Ratzenböck Landeshauptmann. Nach seinem Ausscheiden aus diesem Amt war er als Landesobmann des OÖ. Seniorenbundes tätig. In den letzten Jahren hat er zurückgezogen in Linz und Neukirchen am Walde gelebt. Am 23. Dezember 2025 ist Landeshauptmann a.D. Josef Ratzenböck im 97. Lebensjahr verstorben.

Das Land OÖ hat unter www.kondolenz.ooe.gv.at ein online Kondolenzbuch für den verstorbenen Landeshauptmann eingerichtet.


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