"Nackt im Netz" - Workshops sollen Jugendliche vor Gefahren im Internet schützen
OÖ/LINZ. Sex im digitalen Raum wird schon für junge Jugendliche immer mehr zur Realität. Oft aber auch nicht freiwillig und nicht selten wird auch zu offenherzig mit eigenen Nacktbildern umgegangen.
Mit der Kampagne „Nackt im Netz“ will das Land Oberösterreich in Verbindung mit dem Jugendservice Präventionsarbeit leisten.
Denn die digitale Welt ist für Jugendliche selbstverständlicher Lebensraum. Doch mit Social Media, Messenger-Diensten und Online-Games gehen auch Risiken einher – besonders wenn es um intime Inhalte geht. Mit dem neuen Workshop „Nackt im Netz – Safe durch digitale Welten“ setzt man seit dem Vorjahr nun gezielt auf Prävention und Aufklärung.
Sensibler Umgang
Themen wie Sexting, unerwünschte Nacktbilder, Cyber-Grooming oder Sextortion gehören mittlerweile zur Lebensrealität vieler junger Menschen. Studien zeigen: Mehr als die Hälfte der Minderjährigen hat bereits pornografische Inhalte gesehen – oft erstmals zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr. Rund ein Viertel wurde unfreiwillig damit konfrontiert. Zudem berichten 36 Prozent der Mädchen und 24 Prozent der Buben von sexueller Belästigung im Netz.
„Sexualität ist ein sensibles Thema, das oft mit Scham und Unsicherheit verbunden ist. Genau hier braucht es professionelle Begleitung – sachlich, respektvoll und ohne Tabu“, erklärt Christa Pacher-Gratzer, Leiterin des JugendService OÖ.
Schutz von Kindern und Jugendlichen
Jugendschutz-Landesrat Martin Winkler (SPÖ) betont: „Der Schutz von Kindern und Jugendlichen endet nicht an der digitalen Türschwelle.“ Gerade im Internet brauche es Orientierung, Wissen über Rechte und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Ziel des Workshops sei es daher, Jugendliche rechtlich, medial und persönlich zu stärken.
Pilotphase sehr gut angenommen
Vor der offiziellen Einführung wurde „Nackt im Netz“ umfassend getestet. In den Jahren 2024 und 2025 fanden insgesamt 62 Workshops an verschiedenen Schulformen statt. An elf Schulen in Linz wurden Schüler für das digitale Leben sensibilisiert. Die Rückmeldungen von Schülern sowie Lehrkräften fielen durchwegs positiv aus. Besonders hervorgehoben wurden die sensible Herangehensweise und die hohe Praxisnähe.
Aufgrund der großen Nachfrage ist das Angebot nun fixer Bestandteil des pädagogischen Jugendschutzes des Landes Oberösterreich. Für 2026 sind rund 60 weitere Workshops geplant.
Jugendliche ab 13 Jahren
Der Workshop richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren und dauert zwei Unterrichtseinheiten. Geleitet wird er in einem Zweier-Team aus Sexualpädagogik und Medienpädagogik. Anhand realistischer Szenarien – etwa dem Versenden von Nacktbildern oder Kontaktaufnahmen durch Fremde – werden typische Situationen besprochen.
Wichtig ist den Verantwortlichen dabei ein geschützter Rahmen: Niemand muss persönliche Erfahrungen preisgeben. Gleichzeitig werden rechtliche Grundlagen verständlich erklärt. So erfahren Jugendliche etwa, dass intime Bilder nicht ohne Zustimmung gespeichert oder weiterverbreitet werden dürfen.
Rechtliche Konsequenzen
Auch strafrechtliche Aspekte wie Cyber-Grooming (§208a StGB) werden altersgerecht thematisiert. Erst letztes Jahr stand ein 14-Jähriger am Landesgericht Linz vor dem Richter. Er hatte ein intimes Foto einer 16-Jährigen in Snapchat-Gruppen verbreitet. Er kam mit einer Diversion davon, allerdings zeigt es auch die rechtlichen Auswirkungen solcher Taten.
Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden