Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner: „Jagd ist kein Hobby, sondern Lebenseinstellung“
OÖ/ST. FLORIAN/MOLLN. Die Wälder verändern sich. Trockenheit, Hitze und Klimawandel setzen ihnen zu. Damit ändern sich auch die Aufgaben der Jägerschaft. „Wir sind von den Auswirkungen des Klimawandels durchaus betroffen und beteiligen uns an Lösungen“, so Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner im Tips-Gespräch.

Während trockenheitsresistente Baumarten künftig stärker gefördert werden sollen, muss gleichzeitig darauf geachtet werden, dass junge Bäume durch Wildverbiss nicht geschädigt werden. Für Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner ist deshalb klar: Die Jagd ist heute ein wichtiger Partner beim Waldumbau. „Der Klimawandel ist ein Dauerthema, das uns auch in Zukunft beschäftigen wird. Da braucht es Flexibilität, Fachwissen, aber in erster Linie eine Bereitschaft zur Unterstützung und Zusammenarbeit“, so der Mollner, der fast täglich im Wald unterwegs ist.
Jäger arbeiten dabei eng mit Waldbesitzern, Behörden und der Politik zusammen. Ziel sei es, Wildbestände so zu steuern, dass sich klimafitte Wälder entwickeln können, ohne dabei die Bedürfnisse der Wildtiere aus den Augen zu verlieren. „Denn der Wald ist das Schlafzimmer, Wohnzimmer und Esszimmer der Wildtiere.“
Besonders betroffen vom Klimawandel ist laut dem Landesjägermeister das Gamswild. Die steigenden Temperaturen setzen den Tieren ebenso zu wie die Veränderungen ihrer Lebensräume in den Schutzwäldern. Deshalb werden derzeit gesetzliche Regelungen weiterentwickelt und an die Praxis angepasst.
„Wolf wird immer Thema bleiben“
Auch beim Wolf sieht Sieghartsleitner vor allem die Notwendigkeit eines funktionierenden Wildtiermanagements. „Der Wolf wird immer Thema bleiben, weil er wahrscheinlich nicht mehr verschwinden wird. Immer wenn ein Wolf zu nahe an menschliche Aktionsräume kommt – ob das in Weidegebieten ist, ob das auf Almengebieten ist – wird es natürlich Betroffenheit geben.“
Ziel sei nicht, den Wolf zu verdrängen, sondern Konflikte rasch und rechtssicher lösen zu können.
Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung
Die Jagd insgesamt verändert sich. In der Ausbildung stehen heute vertieft Ökologie, Wildtiermanagement sowie Grundlagen der Land- und Forstwirtschaft im Mittelpunkt. „Die Jagd ist ja immer Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung, daher muss auch die Jagd immer in Bewegung bleiben und sich anpassen. Es wird uns oft untergejubelt, dass wir nur trophäengeil sind. Das ist Blödsinn. Jagd hat heute völlig andere Aufgabenbereiche und auch Wirkungsbereiche. Sie ist in einem ökologischen Konglomerat zu sehen, wo wir eine wichtige Rolle spielen.“
So sorge die Jägerschaft etwa in den Bereichen Wildtiermanagement und Lebensraum gerade jetzt, wo es trocken ist, für Tränken für das Wild, mit Wildfütterung würden Wildtierbestände gelenkt und Fütterungsengpässe begleitet.
Jünger, weiblicher, urbaner
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Jungjägerschaft wider. Immer mehr Frauen, junge Menschen und Interessierte aus Städten entscheiden sich für die Jagdausbildung. „Die Jagd wird bunter, vielfältiger, aber durchaus auch in vielen Bereichen, behaupte ich, kompetenter“, so der Mollner. Viele möchten die Zusammenhänge in der Natur besser verstehen, in die Lebensweisen der Wildtiere eintauchen. „Die Wechselwirkungen von Lebensraum und Wildtieren zu verstehen, die Rolle des Menschen auch als Störfaktor zu sehen, das sind oft die Hauptgründe, die mir immer wieder begegnen“, so Sieghartsleitner: „Jagd ist kein Hobby, sondern eine Haltung, eine Lebenseinstellung. Wir beschäftigen uns sehr viel mehr mit dem Leben und der Unterstützung und Förderung des Lebens als mit dem Tod, den wir als Jäger auch herbeiführen.“ Letzteres mache aber nur einen sehr kleinen Anteil der Arbeit in der Jagd aus.
Sein wichtigster Rat an angehende Jäger lautet deshalb: „Jagd kann niemals etwas Oberflächliches sein.“ Sie bedeute Verantwortung: „jeder, der sie leichtfertig betreibt, soll es bleiben lassen.“
Kulinarik am Teller
Auch kulinarisch wird Wild immer beliebter. „Wild hat den Einzug in die Küche wirklich geschafft. Wir haben aus freier Wildbahn gar nicht genug Wild.“ Wildbret sei gesund, köstlich und habe einen sehr guten ökologischen Fußabdruck, so Sieghartsleitner. „Und es hat dann für mich – sage ich auch immer ganz ehrlich – einen tiefen Sinn gemacht, warum ich ein Tier töte.“
Sein Lieblingswildgericht? Ein Steak vom Rotwild – „ganz wenig würzen, ein bisschen Salz und eine kleine Prise Gewürz oder Pfeffer“.








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