Logopädie-Screening in oö. Kindergärten: Ausmaß der angezeigten Probleme verändert sich
OÖ/LINZ. Seit Mitte der 90er-Jahre werden in Oberösterreich erfolgreich Logopädie-Screenings in Kindergärten durchgeführt. Im Screening-Jahr 2025/26 wurden 15.027 Kindergartenkinder auf ihre Sprach- und Sprechfähigkeiten untersucht. Bei knapp zwei Dritteln der Kinder wurde eine Beratung mit Behandlung oder eine weitere Kontrolle empfohlen. Auffällig: Bei über die Jahre etwa gleichbleibender Zahl zeigt sich das Ausmaß der erfassten Probleme mittlerweile anders.

Das logopädische Screening richtet sich vor allem an vier- bis fünfjährige Kinder in oberösterreichischen Kindergärten. Es wird im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe nahezu flächendeckend von Volkshilfe, Caritas und dem Magistrat Linz durchgeführt. Das Land OÖ sorgt gemeinsam mit der Kinder- und Jugendhilfe für die organisatorische Grundlage und stellt dafür jährlich rund 2,3 Millionen Euro bereit.
„Die sprachliche Entwicklung hat in den ersten Lebensjahren eine hohe Bedeutung, es geht um die Zukunftschancen der Kinder“, so Kinder- und Jugendschutz-Landesrat Martin Winkler (SPÖ). „Wenn ein Kind beim Sprechen oder in der Kommunikationsentwicklung Unterstützung braucht, wollen wir das möglichst früh erkennen, sonst verfestigen sich Probleme.“ Er betont die Bedeutung des Programms, das niederschwellig und nahezu flächendeckend alle Kinder erreiche.
36,2 Prozent ohne Handlungsbedarf
Bei 5.170 Kindern, das sind 34,4 Prozent, wurden eine Beratung und eine logopädische Behandlung empfohlen. Weitere 4.420 Kinder beziehungsweise 29,4 Prozent erhielten eine Empfehlung für Beratung und Kontrollen. Bei 5.437 Kindern oder 36,2 Prozent bestand zum Zeitpunkt des Screenings kein logopädischer Handlungsbedarf.
Das Logopädie-Screening umfasst nicht nur Aussprache, Wortschatz, Grammatik oder Sprachverständnis. Geachtet wird auch etwa auf Zahn- und Kieferstellung oder mögliche Hörbeeinträchtigungen.
Erste fachliche Einschätzung
Winkler betont zudem, dass es nicht darum gehe, normale Unterschiede in der kindlichen Entwicklung zu problematisieren. Kinder entwickelten sich individuell unterschiedlich, weiß Winkler als Vater von Zwillingen. Die Screenings seien vielmehr eine erste fachliche Einschätzung und keine endgültige Diagnose.
Das unterstreicht auch Theresia Schlöglmann, Abteilungsleiterin der Kinder- und Jugendhilfe des Landes OÖ: Ziel sei es nicht, möglichst viele Kinder als auffällig einzustufen, sondern genauer hinzusehen. Die Einschätzung orientiere sich individuell am einzelnen Kind. Auch das mehrsprachige Aufwachsen werde berücksichtigt.
„Der niederschwellige Zugang, die vertraute Umgebung im Kindergarten und die fundierte fachliche Einschätzung können gut verbunden werden.“ Auch der Zugang zu den Eltern sei dadurch gegeben. Die aktive Einbeziehung der Eltern sei bei Problemen wichtig für schnelle und nachhaltige Erfolge.
Aussprache am häufigsten auffällig
Eine Detailauswertung der Volkshilfe umfasst 10.189 untersuchte Kinder. Mehrfachnennungen waren dabei möglich. Am häufigsten wurden Auffälligkeiten bei Phonetik, Phonologie und Artikulation dokumentiert: Das betraf 5.068 Kinder oder 49,7 Prozent.
Hinweise auf Kiefer- oder Zahnfehlstellungen gab es bei 1.390 Kindern, Auffälligkeiten beim Sprachverständnis oder in der Grammatik bei 1.339 Kindern. Bei 1.109 Kindern wurden myofunktionelle Auffälligkeiten festgehalten.
Zusätzlich ergab sich bei 980 Kindern, das sind 6,52 Prozent aller gescreenten Kinder, ein Verdacht auf eine Hörbeeinträchtigung. Dieser müsse medizinisch abgeklärt werden. „Einseitige Hörstörungen fallen oft auch den Eltern nicht auf, weil Kinder sehr gut kompensieren können“, so Martina Bernegger, Leitende Logopädin der Volkshilfe GSD GmbH.
Beratung, Kontrolle oder Behandlung
Je nach Ergebnis des Screenings erhalten Eltern im Anschluss bei Bedarf Hinweise für den Alltag. Es werden Kontrolltermine vereinbart oder weitere Abklärungen und Therapien empfohlen, wie Bernegger erläutert.
Aus Erfahrung weiß sie: Die Mitarbeit der Eltern – etwa das regelmäßige Üben zu Hause nach einer Therapieeinheit – ist entscheidend dafür, wie sich ein Kind weiterentwickelt.
Mehr „Multiprobleme“
Was sie über die Jahre der Screenings aber auch beobachtet: Die Zahlen bleiben im Grunde etwa gleich, „aber das Ausmaß der Störungen ist ganz anders geworden. Es geht nicht mehr nur um Lautprobleme.“
„Als Gesellschaft gegensteuern“: „Medienfrei von 0 bis 3“
„Die Nutzung und der Konsum von Handy und Tablet verursachen große Probleme“, so Landesrat Winkler. „Die Zuwendung der Eltern ist unverzichtbar für die Entwicklung. Die Medienzeit im Kleinkindalter muss auf ein Minimum beschränkt werden. Wir müssen hier als Gesellschaft gegensteuern.“
Oder, wie es Schlöglmann sagt: „Medienfrei von 0 bis 3!“








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