Rechtzeitiges Üben des Schulwegs kann Leben retten
OÖ. Am 13. September startet das neue Schuljahr in Oberösterreich. Auch wenn derzeit noch die Sonne vom Himmel lacht und der Schulbeginn in weiter Ferne erscheint, so sollten Kinder und Eltern schon jetzt mit den Vorbereitungen auf den Schulalltag beginnen. Dazu zählt auch, dass gemeinsam der Schulweg geübt wird.

Für Schulanfänger beginnt nicht nur ein aufregender, neuer Lebensabschnitt, sondern mit dem täglichen Beschreiten des Schulweges auch die selbstständige Teilnahme am Straßenverkehr – und damit auch unweigerlich das Risiko von Verkehrsunfällen. Aber nicht nur Schulanfänger sollten den Schulweg üben, sondern auch ältere Kinder, denn gerade in den Sommermonaten werden oftmals Bauarbeiten durchgeführt, die den bekannten Schulweg verändern oder eine neue Strecke noch sicherer machen.
105 Kinder im Vorjahr am Schulweg verletzt, eines davon tödlich
Im Jahr 2019 wurden in Oberösterreich 105 Kinder im Alter zwischen 6 und 15 Jahren am Schulweg verletzt, eines davon tödlich. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Schulwegunfälle in Oberösterreich um elf Prozent (2018: 118 Schulwegunfälle). Im Bundesländervergleich ist Oberösterreich nach der Steiermark (106 Schulwegunfälle) und gleichauf mit Wien (105 Schulwegunfälle) der traurige Spitzenreiter.
„Der Hauptgrund, warum es Jahr für Jahr zu Schulwegunfällen kommt, ist dass Kinder im Straßenverkehr hinsichtlich ihrer Erfahrung und ihrem Verhalten oft überschätzt werden. Aber Kinder sind vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen. Sie sehen, hören, empfinden und bewegen sich anders als Erwachsene. Sie sind impulsiv und lassen sich leicht ablenken“, so Thomas Harruk, Landesgeschäftsführer des ARBÖ Oberösterreich.
ARBÖ empfiehlt: noch vor Schulbeginn den Schulweg erlernen
Der ARBÖ Oberösterreich empfiehlt Eltern noch vor Schulbeginn gemeinsam mit den Kindern den Schulweg zu erlernen und zu üben. Damit die jungen Verkehrsteilnehmer fit für den Schulweg werden, ist es wichtig, dass sich die Eltern ausreichend Zeit nehmen, und folgende Punkte beachten:
- Gemeinsam mit den Kindern den sichersten Weg (mit den wenigsten Straßenüberquerungen) verbindlich festlegen. Der sicherste Weg muss nicht der kürzeste sein!
- Gefahrenquellen wie zum Beispiel Abbieger bei Ampeln gemeinsam aufspüren. Auch wenn die Ampel „grün“ zeigt, muss sich das Kind vergewissern, dass es die Straße gefahrenlos überqueren kann. Dabei auch stets die Perspektive der Kinder berücksichtigen, insbesondere deren tiefer liegendes Blickfeld.
- Den Kindern vorzeigen und auch im Alltag vorleben, wie man sich richtig auf der Straße, insbesondere beim Überqueren, bei Ampeln, auf dem Zebrastreifen oder bei Ein- und Ausfahrten, verhält. Auch auf einem Zebrastreifen darf sich ein Kind nicht darauf verlassen, dass die herannahenden Autos anhalten. Daher sollten die jungen Verkehrsteilnehmer immer erst dann die Straße überqueren, wenn die Straße frei ist oder die Autolenker aus beiden Richtungen angehalten haben.
- Kindern muss vermittelt werden, wie wichtig es ist, aufmerksam zu bleiben. Musik hören oder am Handy spielen lenken vom Verkehrsgeschehen ab. „What’s Appen“ hat beispielsweise auf dem Schulweg nichts zu suchen!
- Eltern müssen auch das richtige Verhalten am Gehsteig vorzeigen. So ist es sicherer, auf der Innenseite des Gehsteigs zu gehen.
- Auf gute Sichtbarkeit achten. Kinderwarnwesten, reflektierende Schnappbänder oder Anhänger gibt es in den ARBÖ-Prüfzentren.
- Eltern sollen den Kindern genau erklären, warum gewisse Verkehrssituationen gefährlich sind. Beobachtetes Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer thematisieren und die Kinder auf die möglichen Folgen aufmerksam machen.
- Tägliches Taxiservice ist zwar von den Eltern gut gemeint, aber in Sachen Sicherheit am Schulweg oft kontraproduktiv: dieses führt zu teils dramatischem Verkehrschaos vor der Schule. Somit schaffen Eltern oft selbst das Risiko für ihre Kinder.
- Kinder lernen am effektivsten durch Verstärkung und Lob des richtigen Verhaltens. Drohungen oder schimpfen verunsichern nur.
„Es liegt am Engagement der Eltern, wie gut ihre Sprößlinge auf die neue Situation vorbereitet werden“, hält ARBÖ OÖ Geschäftsführer Harruk fest und fügt hinzu: „für die Sicherheit der Kinder sind aber alle Verkehrsteilnehmer verantwortlich.“
Deshalb der Appell an Autofahrer: im Umfeld von Schulen und Kindergärten ist grundsätzlich mit angepasster Geschwindigkeit und erhöhter Aufmerksamkeit zu fahren!


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden