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LINZ/OÖ. Von Montag, 17. Mai bis Sonntag, 23. Mai wird zum dritten Mal die „Österreichische Dialogwoche Alkohol“ durchgeführt. Anlässlich dazu präsentierte das Institut Suchtprävention aktuelle Daten und Zahlen zu Alkoholkonsum in Oberösterreich. Festgehalten werden kann, dass der Großteil der Menschen seit April 2020 laut eigener Aussage nicht mehr Alkohol trinkt als zuvor. Im ersten Lockdown ab März kam es jedoch zu einem kurzzeitigen Anstieg.

von links: Kurosch Yazdi (Kepler Universitätsklinikum), Albert Maringer (ÖGK OÖ), Rainer Schmidbauer (pro mente OÖ) und Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander weisen auf die Dialogwoche Alkohol hin. (Foto: Land OÖ/Sabrina Liedl)

Das Alkoholkonsumverhalten ist derzeit relativ stabil. Bei 72 Prozent der Befragten veränderte sich das Konsummuster nicht. Je 14 Prozent machen Personen, die weniger konsumieren, sowie Menschen, die mehr Alkohol trinken, aus. Gründe für weniger Konsum sind in erster Linie fehlende gesellschaftliche Anlässe, während für die Zunahme mehr Freizeit oder Stress angegeben wurden. Im ersten Lockdown kam es kurzzeitig zu einem starken Anstieg des Alkoholkonsums, danach pendelte sich der Wert auf dem Ausgangsniveau ein. Das sind zentrale Ergebnisse der „Österreichischen Repräsentativerhebung zu Konsum- und Verhaltensweisen mit Suchtpotential 2020“, die das Kompetenzzentrum Sucht Gesundheit Österreich GmbH (im Auftrag vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie vom Bundesministerium für Finanzen, Anm.) durchführte. An der ersten Onlinebefragung nahmen 1.132 Personen ab 20 Jahren teil, an der zweiten 794.

Einsame Menschen griffen vermehrt zu Alkohol

„Gerade im Rahmen der Corona-Pandemie ist das Thema Alkohol zeitweise brisant geworden. Auch wenn sich der Konsum nach dem Lockdown wieder weitgehend normalisiert hat, zeigt dies, dass ein Lockdown für viele Menschen eine besondere Belastung darstellt. An unserer Klinik hat sich herauskristallisiert, dass speziell einsame Menschen während Phasen des Lockdowns zu vermehrtem Alkoholkonsum neigen“, führt Kurosch Yazdi aus. Er ist Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin am Kepler Universitätsklinikum. Zu ergänzen ist, dass Alkoholkonsum in Oberösterreich insgesamt verbreitet ist. 90 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr Alkohol konsumiert zu haben. Bei etwa jeder siebten Person davon kann von einem problematischen Konsum gesprochen werden. Dazu zählen Menschen mit Alkoholabhängigkeit sowie mit einem Konsumverhalten, das längerfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit zu körperlichen Problemen führt. Insgesamt sind in Oberösterreich etwa 63.000 Personen alkoholabhängig, größtenteils Männer. Einen problematischen Konsum weisen weitere 125.000 Personen auf. Als risikoärmer gilt ein durchschnittlicher täglicher Konsum von maximal 24 Gramm Alkohol für Männer beziehungsweise 16 Gramm Alkohol für Frauen. Das entspricht höchstens 0,6 Liter beziehungsweise 0,4 Liter Bier pro Tag. An mindestens zwei Tagen pro Woche sollte kein Alkohol getrunken werden.

Dialogwoche: Konsum kritisch reflektieren

„Das Thema Alkohol ist in unserer Gesellschaft allumfassend. Egal ob im Wirtshaus oder zu Hause, eine Flasche Bier oder auch ein Glas Wein sind oftmals ein rascher Begleiter beim Gespräch. Aber ab wann ist der Konsum zu viel und bedenklich? Und wann ist ein Handeln dagegen ‚rechtzeitig‘, denn es geht dabei nicht nur um die einzelnen Betroffenen selbst, sondern um gesamte Familien und ihr Umfeld. Deshalb bietet die Dialogwoche Alkohol einen Denkanstoß, uns mit diesem wichtigen und präsenten Thema auseinanderzusetzen und es sichtbar zu machen“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin und Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP). Initiatorin ist die Österreichische Arge Suchtvorbeugung in Kooperation mit weiteren Einrichtungen. In Oberösterreich koordinieren das Institut Suchtprävention der pro mente OÖ, das Land OÖ und die ÖGK die Veranstaltungen. Von 17. bis 23. Mai steht verantwortungsvoller Alkoholkonsum im Zentrum von mehr als 70 Onlineveranstaltungen. Darüber hinaus bietet die Webseite der Dialogwoche Alkohol Informationen und Tools rund um Alkohol. Es gehe nicht darum, Alkohol pauschal zu problematisieren, sondern riskante Konsummuster aufzuzeigen und Wissenslücken zu schließen. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenlos. „Gerade in herausfordernden Zeiten kann die Prävention darüber hinaus wichtige Beiträge liefern: Die Stärkung von Schutzfaktoren wie kritisches Denken, Einfühlungsvermögen, Selbstbewusstsein, Selbstwahrnehmung und Selbstwert erhöht nicht nur die Chance auf ein suchtfreies Leben, sondern ist auch wichtige Voraussetzung für das Entwickeln sinnvoller Problemlösungsstrategien, mit denen auch Stresssituationen gut gemeistert werden können. Das bestätigen auch die aktuellen Daten zum Thema Alkohol“, hält Rainer Schmidbauer, Leiter des Instituts Suchtprävention von pro mente Oberösterreich fest.

Beratung und Behandlung

Wesentliche Beratungs- und Behandlungsangebote in Oberösterreich bieten die Alkoholberatung des Landes Oberösterreich, pro mente Oberösterreich, das B37 in Linz sowie das Kepler Universitätsklinikum mit Schwerpunkt Suchtmedizin. Die Arten sind unterschiedlich, beispielsweise sowohl suchtbegleitend als auch abstinenzorientiert, im Einzelsetting oder als Unterstützung für die ganze Familie. Psychosoziale Beratung von pro mente Oberösterreich ist unter 0732/69 96-0 zu erreichen, die Krisenhilfe Oberösterreich rund um die Uhr unter 0732/2177.


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