Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

„Künstliche Intelligenz ist keine Frage des Alters“

Tips LogoKarin Seyringer, 17.01.2025 09:24

OÖ/LINZ. Neue Technologien und Künstliche Intelligenz (KI) beeinflussen auch den Alltag der älteren Generation. Neben möglichen Herausforderungen sind es vor allem die Möglichkeiten dadurch, die die Gesellschaft für Zukunftsforschung „Academia Superior“ und der OÖ Seniorenbund herausstreichen. Die größten Potenziale werden auch von der älteren Generation im Bereich Gesundheit und Pflege gesehen.

  1 / 2   Digitale Medien sind auch im Alltag der älteren Generation angekommen (Symbolbild). (Foto: Laflor/peopleimages.com/stock.adobe.com)

Neue Technologien und KI sind keine Zukunftsvision mehr. „Sie greifen tiefgreifender in das Alltagsleben ein, als man annehmen würde“, nennt Landeshauptmann a.D., Landesobmann des OÖ Seniorenbundes Josef Pühringer, Beispiele von Anwendungen wie Sprachassistenten, Apps, die an die Medikamenteneinnahme erinnern oder den Puls überwachen, Sturzsensoren oder smarte Haushaltsgeräte. „Wir sehen in erster Linie die Chance, den Alltag zu erleichtern, länger selbstständig und in den eigenen vier Wänden zu bleiben, auch die Angehörigen zu entlasten.“

„Wie nützlich ist die Technologie für mich?“

„Neue Technologien und Künstliche Intelligenz sind keine Frage des Alters, sondern der Eigenschaften der Personen“, ist auch Matthias Fink, Innovationsexperte an der JKU, überzeugt. Die wichtigsten Fragen seien: „Wie nützlich ist die Technologie für mich?“, „Wie einfach ist es, diese Technologie zu nutzen?“ Gerade bei Künstlicher Intelligenz sei die Nützlichkeit im Alter besonders hoch, ist Fink überzeugt.

„Besonders spannend finde ich es, wenn Familien internationaler werden.“ Da sitze die oberösterreichische Großmutter möglicherweise der Freundin des Enkels aus Südamerika gegenüber. „Früher war die Kommunikation ein großes Problem, mittlerweile gibt es Synchronübersetzungs-Software. Die sprachlichen Barrieren fallen dadurch weg.“ Großes Potenzial sieht er auch bei intelligenten Technologien im Bereich Smart Living, zum Beispiel der Steuerung von Haustechnik durch Sprachassistenten. Beim Thema Mobilität könnten autonome Fahrzeuge und autonome Mobilitätslösungen unabhängiger machen. „Und ich glaube, was in der Pflege sehr schnell kommen wird, ist die Verbindung zwischen KI und Robotik – sich zum Beispiel etwas sprachgesteuert reichen zu lassen.“

Gerade im Gesundheitswesen ist der Einsatz von KI schon fortgeschritten. Internationale Best Practice-Beispiele sind eine Plattform zur Prostatakrebsdiagnose durch KI-gestützte Analyse von Bildaufnahmen. Die Stanford University entwickelte Algorithmen, die Hautkrebs mit einer Genauigkeit auf Dermatologen-Niveau diagnostizieren kann.

Umfrage unter der Generation 60+

Auch die ältere Generation sieht, neben Bildung und Informationsbeschaffung, das wichtigste Einsatzgebiet von KI im Bereich Gesundheit und Pflege, ergibt auch eine Umfrage von Academia Superior. Der Think-Tank hat im Auftrag des OÖ Seniorenbundes unter Mitgliedern eine (nicht repräsentative) Umfrage zu KI durchgeführt, um Einblicke in die Sichtweise der Generation 60+ zu gewinnen.

„Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass digitale Technologien mittlerweile fest im Alltag der älteren Generation verankert sind“, so Academia Superior-Obfrau, LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP).

71 Prozent der Befragten nutzen ihren Computer oder Laptop täglich, 97 Prozent ihr Smartphone. Trotz der regelmäßigen Nutzung digitaler Geräte haben bislang nur 42 Prozent der Teilnehmer aktive Erfahrungen mit KI gemacht.

45 Prozent der Befragten blicken mit Zuversicht, 30 Prozent aber tendenziell Sorgen auf Künstliche Intelligenz. Hindernisse für die Nutzung seien Themen wie mangelnde Kenntnis, so Haberlander. „Informationsvermittlung und Wissensvermittlung verändert aber den Zugang.“

Sie verweist zudem auf das zentrale Anliegen der Befragten nach einer klaren gesetzlichen Regulierung von KI. Im Vordergrund stehen vor allem Fragen des Datenschutzes, der Transparenz und der ethischen Grundsätze.

„Neugierig sein!“

Trotz allen Fortschritts erinnert OÖ Seniorenbund Obmann Josef Pühringer daran, dass neue Technologien kein Ersatz, lediglich Ergänzung und Hilfestellung sein könnten. „Sie können nie menschliche Nähe ersetzen!“

Aber: „Wir sind keine Zukunftsverweigerer. Wir Senioren stellen uns nicht gegen Neues, ganz im Gegenteil. Wer alt werden will, muss neugierig sein. Und wir müssen neugierig darauf machen, was in den nächsten Jahren auf einen zukommt“, sieht er die Aufgabe des OÖ Seniorenbundes, auch „Angst vor dem Neuen zu nehmen“.

Dazu bietet der OÖ Seniorenbund niederschwellige und stark nachgefragtes Angebot, darunter EDV-Stammtische und EDV-Treffs, Smartphone-Kurse, Digital Fit-Workshops, „auch um auf Gefahren im Internet aufmerksam zu machen“, so Siegfried Ehrenmüller, Landesbildungsreferent OÖ Seniorenbund. So werden etwa auch Workshops zur digitalen Abwicklung der Bankgeschäfte angeboten. Im jährlichen Bildungsprogramm des OÖ Seniorenbundes „ISA – Institut Sei Aktiv“ liegt zudem ein Schwerpunkt auf dem Bereich EDV/digitale Kompetenz.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden