Mietrückstände und Räumungsklagen: Netzwerk Wohnungssicherung hilft in Oberösterreich seit 20 Jahren
OÖ. Das Netzwerk Wohnungssicherung unterstützt in Oberösterreich seit 20 Jahren Menschen, denen der Verlust ihrer Wohnung droht. Seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2007 wurden mehr als 45.000 Haushalte mit über 100.000 Menschen betreut, darunter fast 38.000 Kinder. Dabei sei das Netzwerk nicht nur „Krisenfeuerwehr“ sondern unterstützt bei der nachhaltigen Hilfe zur Selbsthilfe.

Oberösterreich war im Jahr 2006 das erste Bundesland, dass die Delogierungsprävention gesetzlich verankerte. Im Jahr 2025 betreute das Netzwerk 2.785 Haushalte mit insgesamt 6.510 Personen. Dazu zählten 2.404 minderjährige Kinder. In über 70 Prozent der Fälle konnte laut Land OÖ Wohnraum gesichert werden – entweder durch den Erhalt der bisherigen Wohnung oder durch einen Umzug. Im Mühlviertel waren es sogar knapp 90 Prozent der Fälle.
In nur 60 der betreuten Haushalte (knapp über zwei Prozent) kam es tatsächlich zur Delogierung, zeigt die Bilanz 2025.
„Eine Delogierung ist der aller letzte Schritt“, so Sozial-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP). Er wie auch die beiden Vertreter der Trägerorganisationen des Netzwerks, Oliver Jungwirth (Geschäftsführer Verein Wohnplattform) und Stefan Hindinger (Leiter Mosaik Vöcklabruck), appellieren daher, sich möglichst frühzeitig Hilfe zu holen bzw. sich das Problem auch einzugestehen. Dabei gehe es auch darum, die Hilfe dann auch anzunehmen und Maßnahmen umzusetzen. Rund fünf Prozent der betreuten Fälle endeten in einem Abbruch der Zusammenarbeit.
Das Land OÖ stellte 2025 für den Leistungsbereich Delogierungsprävention der Wohnungslosenhilfe rund 1,71 Millionen Euro bereit, ein Plus von 19 Prozent gegenüber 2023. „Jeder Euro ist ein gut investierter Euro, um Menschen in Extremsituationen wirksam zu helfen“, so Dörfel.
Betrifft nicht nur Ballungsräume, sondern auch ländliche Regionen
Rund zwei Drittel der 2.785 betreuten Haushalte im Jahr 2025 betrafen die Ballungsregion Linz, Linz-Land und Wels. Aber auch ländliche Regionen sind betroffen, 391 waren es etwa in der Region Salzkammergut.
Im Netzwerk arbeiten Gemeinden, Sozialberatungsstellen und regionale Träger der Wohnungslosenhilfe zusammen. Menschen mit Mietrückständen oder einer Räumungsklage können sich an jede dieser Stellen wenden.
Oberösterreich ist dafür in sechs Planungsregionen eingeteilt. In jeder Region gibt es eine Koordinationsstelle bei einem Träger der Wohnungslosenhilfe.
Zuständig sind
- der Verein ARGE für Obdachlose im Mühlviertel
- die Caritas OÖ im Innviertel
- das Sozialzentrum Mosaik Vöcklabruck im Traunviertel-Salzkammergut
- der Verein Wohnen Steyr B29 in der Region Pyhrn-Eisenwurzen
- und der Verein Wohnplattform für die Zentralräume Linz und Wels.
Daneben stehen landesweit 69 Sozialberatungsstellen zur Verfügung. Sie verzeichneten 2025 insgesamt 90.941 Beratungen. Davon betrafen 2.465 die Delogierungsprävention.
Beratung beginnt oft bei Mietrückständen
Wie Oliver Jungwirth, Geschäftsführer des Vereins Wohnplattform, erläutert, wird bei einem Erstgespräch unter anderem geklärt, wie hoch Mietrückstände sind und ob bereits ein Räumungsverfahren läuft. Gemeinsam mit den Betroffenen erstellen die Berater eine Übersicht über Einnahmen und Ausgaben. Anschließend wird geprüft, ob die bisherige Wohnung erhalten werden kann oder ein Umzug notwendig ist.
„Wichtigster Punkt ist, zu schauen, ob die aktuelle Wohnung überhaupt leistbar ist“, so Jungwirth.
Auch mögliche finanzielle Hilfen wie die Wohnbeihilfe oder Mittel aus dem Wohnschirm werden berücksichtigt. Bei Bedarf nehmen die Berater Kontakt mit dem Vermieter auf. In der Nachbetreuung geht es darum, die Zahlungsfähigkeit längerfristig zu sichern. Falls weitere Unterstützung nötig ist, werden die Betroffenen an passende Stellen vermittelt.
Hilfe zur Selbsthilfe
Stefan Hindinger, Leiter des Mosaik in Vöcklabruck und Oberösterreich-Vertreter der BAWO Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, verweist anhand des Beispiels Mosaik darauf, dass die Zahl der Beratungen vor 20 Jahren bei rund einem Drittel der jetzigen Zahlen gelegen sei.
Er unterstreiche die Hilfe zur Selbsthilfe: „Es geht nicht nur darum, im Akutfall Krisenfeuerwehr zu spielen, sondern eine nachhaltige Lösung zu finden.“
Unterstützung auch für Vermieter
Jungwirth betont zudem, dass das Angebot des Netzwerk Wohnungssicherung auch Vermietern offen steht. Neben Wohnbauträgern würden auch immer mehr private Vermieter dieses nutzen und sich melden, wenn etwa Mietrückstände oder andere Probleme auftreten. Die Einrichtung nimmt dann Kontakt mit der betroffenen Person auf.
Oft komme der Erstkontakt aber auch über die Gemeinde - sobald ein Räumungsverfahren eingeleitet wird, verständigt das Gericht die Wohngemeinde. Diese informiert die Betroffenen in der Regel schriftlich über die verfügbaren Angebote.
Wohnschirm ergänzt das Netzwerk
Eine Ergänzung zur regionalen Wohnungssicherung in Oberösterreich ist der vom Bund finanzierte Wohnschirm. Das 2022 eingeführte Programm wurde bis Ende 2029 verlängert. Bundesweit stehen dafür 28 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Die Wohnschirm-Beratungsstellen sind in Oberösterreich größtenteils bei Trägern der Wohnungslosenhilfe angesiedelt.
Von Jänner 2022 bis Ende September 2026 wurden in Oberösterreich 2.745 Ansuchen für den Wohnschirm-Miete bewilligt und rund 6,37 Millionen Euro ausbezahlt. Die meisten Bewilligungen entfielen auf die Stadt Linz mit 530, gefolgt vom Bezirk Vöcklabruck mit 348 und der Stadt Wels mit 259.
Einmal mehr wird appelliert: Bei drohendem Wohnungsverlust oder Mietrückständen frühzeitig Kontakt mit der Wohngemeinde, einer Sozialberatungsstelle oder einer Einrichtung der Wohnungslosenhilfe aufnehmen. Je höher die Rückstände und je komplexer die Probleme seien, desto schwieriger werde es, den Wohnraum zu sichern.
Infos und Kontakt zu den Anlaufstellen
- Verein ARGE für Obdachlose (Mühlviertel): www.arge-obdachlose.at/arge-rewo/
- Caritas OÖ (Innviertel): www.caritas-ooe.at/hilfe-angebote/menschen-in-not/wohnungslosigkeit/netzwerk-wohnungssicherung/
- Verein Sozialzentrum Mosaik (Traunviertel-Salzkammergut): www.sozialzentrum.org/mosaik/wohnungssicherung
- Verein Wohnen Steyr B29 (Pyhrn-Eisenwurzen): www.b29.at/netzwerk-wohnungssicherung/
- Verein Wohnplattform (Zentralraum Linz-Wels): verein-wohnplattform.at/








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