Arbeitsmarkt erholt sich weiter, Herausforderung Langzeitarbeitslosigkeit
OÖ. Um 3.467 Personen waren in OÖ im Mai weniger arbeitslos als im Vormonat April. Weiter positiven Trend zeigt auch die Nachfrage nach Arbeitskräften. „Die Erholung am heimischen Arbeitsmarkt setzt sich weiter fort, mittlerweile liegt die Beschäftigung sogar höher als im Mai 2019“, so AMS OÖ-Landesgeschäftsführer Gerhard Straßer. Herausforderung bleibe aber weiter die Langzeitarbeitslosigkeit und der Fachkräftemangel. Gemischt sind die Reaktionen aus der Politik, angesichts der neuen Zahlen.

„Die Öffnung der Hotellerie und Gastronomie hat sich positiv ausgewirkt und bewirkt einen Rückgang der Vorgemerktenzahlen. Für die kommenden Monate gibt es zwei größere Herausforderungen: die Integration von langzeitbeschäftigungslosen Personen in den Arbeitsmarkt und die Suche nach gut ausgebildeten Arbeitskräften“, so AMS-Landesgeschäftsführer Straßer.
OÖ weiter niedrigste Quote
Bei 4,5 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in OÖ im Mai 2021, sie ist damit im Vergleich zu Mai 2020 um 2,8 Prozentpunkte gesunken (7,3 Prozent). Zum Vergleich: der Österreich-Schnitt liegt bei 7,7 Prozent Arbeitslosenquote, OÖ hat im Bundesländervergleich weiter die niedrigste Quote. Die höchste weist Wien mit 12,8 Prozent auf.
Dennoch liegt die Arbeitslosigkeit im Bundesland OÖ noch um 0,4 Prozentpunkte über dem Mai 2019.
Bei der Beschäftigung in absoluten Zahlen ist diese im Jahresvergleich gestiegen - waren im Mai 2020 658.000 in Beschäftigung, sind es im Mai 2021 689.000, ein Plus von 4,8 Prozent oder 31.000 Personen.
In Schulungen befinden sich 9.733 Personen, ein Plus von 26,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Überall Rückgang außer bei Langzeitarbeitslosen
Einen Rückgang der Arbeitslosigkeit gab es sowohl bei Männern als auch bei Frauen sowie bei allen Altersgruppen. Den mit Abstand größten Rückgang bei den Vorgemerktenzahlen gab es bei den Jugendlichen unter 25 Jahren mit einem Minus von 52,5 Prozent oder 3.653 Personen. Bei Personen über 55 Jahre hat sich die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr mit -16,0 Prozent deutlich weniger reduziert.
Ein Plus von 27,8 Prozent im Vergleich zum Mai 2020 gibt es allerdings bei den Langzeitarbeitslosen. Zwar um 4,1 Prozent weniger als im April 2021, sind dennoch 12.934 Personen in OÖ mit Mai 2021 langzeitbeschäftigungslos.
Stellenmarkt
Ende Mai standen beim AMS OÖ 26.929 offene Stellen zur Verfügung, um 10.557 bzw. 64,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem waren 1.375 sofort verfügbare Lehrstellen (+238 bzw. +20.9 Prozent) und 458 sofort verfügbare Lehrstellensuchende (-198; -30,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr) gemeldet.
Vergleich 2019 - dramatische Situation bei Langzeitarbeitslosen, mehr offene Stellen
Um auch einen Vergleich vor Corona zu ziehen, sind auch Vergleiche zum Jahr 2019 zu ziehen:
Zwar sind verglichen mit 2019 im Mai 2021 rund 9.000 Personen (+1,3%) in OÖ mehr in Beschäftigung, die Arbeitslosenquote hat sich aber dennoch um 0,4 Prozent erhöht, 3.762 Personen mehr sind arbeitslos als im Mai 2019.
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt bei den Männern mit +11,6 Prozent (+1.755) etwas geringer aus als bei den Frauen (+14,4 Prozent; +2.007). Bei Personen unter 25 Jahren liegt die Arbeitslosigkeit unter dem Niveau von 2019 (-7,5 Prozent; -266), während sie bei den über 55-Jährigen anstieg (+23,0 Prozent; +1.445).
Auch Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind vom Anstieg der Arbeitslosigkeit stärker betroffen (+15,6 Prozent; +1.462).
Besonders dramatisch stellt sich die Situation im Vergleich zu 2019 für langzeitbeschäftigungslose Personen dar, in dieser Gruppe stiegen die Vorgemerktenzahlen um 58,4 Prozent (+4.768).
Erfreut zeigt sich das AMS OÖ über den Stellenmarkt: Beim AMS gemeldete offene Stellen sind um 17,7 Prozent (plus 4.054) gestiegen, sie liegen damit bereits wesentlich über dem Niveau von Mai 2019.
ÖVP: „Kampf um jeden Arbeitsplatz oberste Priorität“
„Die weitere Öffnungsschritte im Mai, insbesondere im Tourismus, und die wirtschaftliche Erholung werden erfreulicherweise auch auf dem Arbeitsmarkt in Oberösterreich sichtbar: Im Vergleich zum Jänner dieses Jahres mit rund 53.500 Arbeitslosen konnten damit fast 21.000 Menschen wieder in Arbeit gebracht werden. Auch wenn sich die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt in Oberösterreich weiter fortsetzt, hat der Kampf um jeden Arbeitsplatz für uns nach wie vor oberste Priorität. Wir geben uns nicht mit der niedrigsten Arbeitslosenrate im Bundesländervergleich zufrieden, wir unternehmen weiterhin alles, damit möglichst viele Menschen in Beschäftigung bleiben oder rasch wieder in Beschäftigung kommen“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner (beide ÖVP) zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten für den Mai. Die Entscheidung, den „Ost-Lockdown“ nicht mitzumachen, sei richtig gewesen, denn dies habe auch zur Steigerung der Beschäftigung beigetragen, betont Stelzer.
Außerdem werde konsequent auf Qualifizierung gesetzt, „damit die Menschen für jene Jobs ausgebildet werden, für die Beschäftigte gesucht werden und zugleich unsere Unternehmen jene Fachkräfte bekommen, die sie benötigen.“
FPÖ: „Das schlimme Erwachen steht noch aus“
Pessimistischer sieht die Daten die FPÖ. „Schön, gut und erfreulich ist, dass die Arbeitslosenzahlen in Oberösterreich weiter sinken. Aber angesichts der Tatsache, dass Stundungen auslaufen und wir mit künstlich verzögerten Betriebs-Insolvenzen rechnen müssen, ist beim besten Willen keine Entspannung zu sehen. Im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass das arbeitsmarktpolitische schlimme Erwachen erst kommen wird. Denn in Wahrheit stehen wir vor dem Dilemma, dass die staatlich organisierte Verschleppung der Insolvenzen sich vehement auch auf den Arbeitsmarkt auswirken wird“, so Landesparteiobmann LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner. Er fordert einmal mehr eine „Gründungs- und Entbürokratisierungs-Offensive“, um die Wirtschaft wiederzubeleben. Es gehe darum, nicht nur Arbeitsplätze zu erhalten, sondern auch neue zu schaffen, fordert er ein Paket von der Bundesregierung, dass auf Steuererhöhungen verzichte und mittels steuerlicher Entlastung und zielgerichteter Förderung von Unternehmen der Wirtschaft eine spürbare Entlastung gebe.
SPÖ: „Zwei Fliegen mit einer Klappe: Unterstützung für Gemeinden und geringere Arbeitslosigkeit“
SPOÖ-Chefin, Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer unterstreicht die hohe Anzahl der Langzeitbeschäftigungslosen und fordert auch anlässlich einer Studie von AK, Städtebund und Gemeindebund die Notwendigkeit von Zukunftsinvestitionen. „Wenn der Landeshauptmann will, kann er Gemeinden unterstützen und Arbeitslosigkeit abschaffen. Die Konzepte dazu sind bekannt und liegen auf dem Tisch“, so Gerstorfer. Für sie brauche es eine umfassende Jobgarantie. „Das ist ein sinnvolles Instrument, um Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen zu schaffen, die ansonsten keine Chance mehr bekommen. Um das umzusetzen, finanziert der Staat Arbeitsplätze, die uns allen dienen – anstatt nur Arbeitslosengeld auszuzahlen. Das vereint zwei Ziele einer klugen Arbeitsmarktpolitik: neue Jobs und keine Armut.“ Finanziert durch den Bund und organisiert durch die Gemeinden können so viele sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten zum Ausbau von dringend benötigter öffentlicher Infrastruktur und sozialen Dienstleistungen geschaffen werden.
Grüne: Jobchancen in den Gemeinden und Gemeinnützigen Organisationen forcieren
Ähnlich sehen das die Grünen OÖ. „Die Corona-Fesseln fallen zusehends ab und dies spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt wider. Die Gesamtlage hellt sich deutlich auf, nur ein Bereich bleibt drastisch trüb. Die Langzeitarbeitslosigkeit hält sich hartnäckig. Sie bleibt eine enorme Belastung für viele Betroffene und die zentrale Aufgabe für die Arbeitsmarktpolitik. Die Jobchancen in den Gemeinden müssen forciert und jene bei Gemeinnützigen Organisationen endlich genutzt werden. Vor allem muss das angekündigte 'Job-Restart'-Programm endlich anlaufen, in den Gemeinden ankommen und diese bei der Umsetzung auch unterstützt werden. Es wird höchste Zeit, die vielen Langzeitarbeitslosen beim Aufschwung mitzunehmen und ihnen eine echte Perspektive zu geben“, so die Grüne Arbeitsmarktsprecherin LAbg. Ulrike Schwarz.
Herausforderungen sieht sie auch am Lehrstellenmarkt: „Die Zahl der Lehrstellensuchen hat sich deutlich verringert, aber die Zahl der offenen Lehrstellen ebenso deutlich erhöht. Obwohl viele junge Menschen nun eine Lehrstelle gefunden haben, bleiben viele Lehrstellen unbesetzt. Das ist eine ganz offensichtliche Diskrepanz, die viele Firmen hemmt und den Kampf gegen den Fachkräftemangel erschwert. Diese gravierende Lücke gilt es zu füllen - durch Information, Beachtung regionaler wirtschaftlicher Erfordernisse und durch qualitätsvolle Lehrstellenangebote“, betont Schwarz.


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