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20 bis 30 Prozent des Arbeitskräftemangels könnten mit Senioren aufgehoben werden

Tips LogoNicole Dirnberger, 17.03.2022 16:18

OÖ. Der Fachkräfte und Arbeitskräftemangel hat die Unternehmen weiter fest im Griff. Allein in Oberösterreich gibt es mit Stand Februar 2022 über 32.000 AMS gemeldete offene Stellen, wobei die Dunkelziffer laut interner WB-Studie bei 62.000 fehlenden Arbeitskräften liegt. Wenn es nach LH a. D. Josef Pühringer geht, könnten 20 bis 30 Prozent der derzeitigen Arbeitslücke mit Senioren gefüllt werden. 

Die entsprechenden Rahmenbedingungen sollen dafür geschaffen werden. Foto: OÖ Seniorenbund
Die entsprechenden Rahmenbedingungen sollen dafür geschaffen werden. Foto: OÖ Seniorenbund

Bei einer Abschätzung würde das Potenzial der Senioren bei rund 20 Prozent liegen. Bedeutet: 20 Prozent der Pensionisten würden, wenn die Rahmenbedingungen gegeben wären, noch weiter arbeiten wollen - natürlich unter der Bedingung, dass sie keine Pensionsabschläge machen müssten. Man darf nicht vergessen, so Pühringer, „mit der Pensionierung geht nicht nur eine Person sondern auch Fachwissen, das sollten wir uns auch vor Augen führen.“

Maßnahmen, um über 55-Jährige länger in Beschäftigung zu halten

Ein weiterer Punkt, um den Arbeitskräftemangel einzudämmen, werde sein, die über 55-Jährigen länger in Beschäftigung zu halten. Von den über 55-Jährigen sind in Oberösterreich 54 Prozent in aktiver Beschäftigung - einer der niedrigsten Werte in Europa. So alternativlos Änderungen im System sind, gilt auch für die Wirtschaft weiterhin der „Vertrauensgrundsatz“ bzw. müssen Reformschritte für alle Beteiligten zumutbar und sozial verträglich sein.

In der Altersgruppe der 55- bis 59-jährigen Frauen erhöhte sich die Erwerbsquote um ein Drittel auf 81 Prozent, jene der Männer auf 87 Prozent. Auch in der Gruppe der 60- bis 64-Jährigen zeigte sich ein Anstieg auf 18 Prozent bzw. 47 Prozent bei den Männern. Allerdings ist in diesen Altersgruppen auch die Arbeitslosigkeit am höchsten: Die Arbeitslosenquote lag 2021 in der Gruppe der 55- bis 59-jährigen Frauen bei 11,5 Prozent, jene der Männer bei 11,7 Prozent. 

Um ältere Arbeitnehmer länger in Beschäftigung zu halten, sollen neue Rahmenbedingungen geschaffen werden - die Maßnahmenvorschläge im Einzelnen:

  • Radikale Lohnnebenkostensenkung durch Streichung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bzw. Unfallversicherung
  • Erhöhung des Zuschlags zur Pension von 4,2 auf 6 Prozent
  • Streichung bzw. Anpassung der Altersteilzeit
  • Schrittweise späterer Pensionsantritt bei vorzeitigen Alterspensionen nach deutschem Vorbild
  • Prüfung eines Modells, bei dem bei fortgesetzter freiwilliger Erwerbstätigkeit zum Beispiel 25 Prozent der Pension zusätzlich zum Gehalt ausgezahlt werden

Gesetzliche Rahmenbedingungen sollen geändert werden

„Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sollen so geändert werden, dass Mitarbeiter länger in Beschäftigung bleiben bzw. Pensionisten dem Unternehmen auf freiwilliger Basis in einem größeren Ausmaß als bisher ihre Dienste zur Verfügung stellen können. Dafür braucht es flexiblere Pensionsmodelle, Anreize für ein längeres Arbeiten und eine Öffnung des Arbeitsmarktes für Pensionisten“, so Präsidentin Doris Hummer.

Daher fordert der OÖ Seniorenbund für Pensionisten: 

  • Streichung des Pensionsversicherungsbeitrags bei freiwilliger Erwerbstätigkeit neben der Alterspension
  • Erhöhung der Zuverdienstmöglichkeiten bei vorzeitiger Alterspension durch Anhebung auf die doppelte Geringfügigkeitsgrenze
  • Etablierung flexibler Arbeits(zeit)modelle für Menschen in Alterspension
  • Schaffung von Möglichkeiten, vom Arbeitsleben in die Pension „einzugleiten“
  • Schaffung altersgerechter Arbeitsplätze, die den physischen Fähigkeiten entsprechen
  • Bewusstseinsbildung, dass Arbeit nicht nur dazu da ist, finanzielle Mittel zu lukrieren, sondern auch die Möglichkeit bietet, einer sinnstiftenden Beschäftigung nachzugehen

„Es muss eine Win-Win-Situation sein für Arbeitgeber und Arbeitnehmer“, sagt LH a.D. Josef Pühringer und setzt fort: „Es muss immer auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhen. Wir möchten, dass Senioren eine Arbeit bekommen, wenn Arbeit vorhanden ist. Es muss immer heißen 'sie dürfen weiter arbeiten, aber sie müssen nicht'“. Dass derartige Fachkräfte gebraucht werden, dafür sei die Pflege ein schlagendes Beispiel, so Pühringer. 


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