Baupreise explodieren: Branchenvertreter fordern Politik zum Handeln auf
OÖ. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich die Lage der Bauwirtschaft noch einmal zugespitzt. Die Preise steigen in unbekannte Höhen, die Materialien sind knapp, die Kosten für Energie für Unternehmen belastend. Die Landesinnung Bau OÖ fordert unbürokratische Maßnahmen, damit die Bautätigkeit im Land gesichert wird.

Täglich geben Firmen neue Preissteigerungen bekannt. Beton, Ziegel, Fliesen, Bitumen, Steinwolle und dazu die horrenden Energiepreise: „Seit Dezember sind Preise für das Bauen um 20 bis 25 Prozent gestiegen“, sagt Norbert Hartl, Landesinnungsmeister der Landesinnung Bau OÖ und geschäftsführender Gesellschafter der Schmid Baugruppe in Frankenburg, ein Generalunternehmer. „Die Festpreise waren 25 bis 30 Jahre lang kein Problem, doch jetzt fallen sie den Unternehmen auf den Kopf.“ Die Mehrkosten müssten die Unternehmen derzeit meist schlucken, wenn man sich mit dem Kunden nicht auf eine Lösung einigt.
Die Materialknappheit ist neben den Preisen ein massives Problem. Der Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine hat unmittelbare Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Stahl, Dämmstoffen und Flachdachfolien. Teilweise seien Vormaterialien nicht mehr verfügbar, die hohen Energiekosten würden den Herstellungsprozess unwirtschaftlich machen.
Hohe Energiepreise
Die hohen Energiepreise belasten Bauunternehmen stark, da sie auf einen Bagger oder LKW nicht verzichten Können. „Ein Bagger braucht eben 30 bis 40 Liter Diesel pro Stunde“, erklärt Hartl in einem Pressegespräch. In der Produktion sei der Ziegel ein Energiefresser, ebenso wie Dämmstoffe, bei denen die Energie 60 Prozent der Kosten ausmache. „Die Preissteigerungen werden auf den Kunden abgewälzt“, sagt Hartl.
Als Resultat werden erste Bauprojekte auf Eis gelegt, gleichzeitig sind die Auftragsbücher voll. Im Einfamilienhausbereich gehe der Trend eher in die Richtung, dass Bauherren ihre Projekte rasch umsetzen wollen, um nicht noch höhere Preise zu riskieren.
Auswirkungen auf sozialen Wohnbau
Gerade im sozialen Wohnbau könne daraus aber ein größeres Problem entstehen. „Fünf große Firmen werden die Preisobergrenze nicht mehr halten können“, erklärt Hartl. Wird von der Politik nicht gegengesteuert, werde es weniger öffentliche Bauten geben. „Die Mieten werden davongaloppieren“, sagt Markus Hofer, Innungsgeschäftsführer. Zudem sei die Baubranche ein bedeutender Arbeitgeber mit rund 101.000 Mitarbeitern in der oö. Bauwirtschaft, wie Hofer betont.
Maßnahmen gefordert
Die Landesinnung Bau fordert, dass die Politik handelt. Einmalzuschüsse - wie sie bereits beschlossen worden sind - würden nicht ausreichen. Eine Forderung ist das Aussetzen der CO2-Bepreisung. Hartl hinterfragt auch die NOVA auf Nutzfahrzeuge wie Transporter. Eine Aussetzung der Steuerlast für gewerblichen Diesel wird ebenso gefordert wie eine Unterstützung der Baubranche bei den explodierenden Energiepreisen.
Um auf die Preisschwankungen besser reagieren zu können, will die Innung weg von Festpreisregelungen bei Angebotslegung. Durch Gleit- und variable Preise soll das Preisrisiko abgefedert werden. Eine Angebotsbindung soll auf zwei Wochen reduziert werden.
Außerdem betonen die Innungsvertreter, wie wichtig es sei, sich von der Abhängigkeit von wenigen Energieanbietern, etwa bei Gas, zu befreien. „Wir brauchen dirngend eine nationale Rohstoffstrategie“, sagt Norbert Hartl.


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