„Gestiegene Kosten bleiben am Ende beim Bauherren hängen“

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Karin Seyringer Tips Redaktion Karin Seyringer, 29.01.2022 11:52 Uhr

OÖ. Problematisch sind die steigenden Bau- und Energiekosten auch für den Wohnbau. Innungsmeister Norbert Hartl geht davon aus, dass es auch 2022 keine Entspannung geben wird, im Gegenteil – zulasten der Häuslbauer, an die die Preissteigerungen weitergegeben würden. Der zuständige Wohnbau-Landesrat LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) weist zudem auf die Herausforderungen für den sozialen Wohnbau hin.

109 Prozent Preissteigerung etwa bei Leimbinder, 22 Prozent bei Dämmstoffen, signifikante Preissteigerungen bei Metall und Ziegel aufgrund von Lieferketten-Problemen, Rohstoffmangel und stark gestiegenen Energiepreisen: Um die Leistbarkeit im sozialen Wohnbau zu gewährleisten, hat die Oö. Wohnbaupolitik 2021 die Baukostenobergrenzen im mehrgeschossigen Wohnbau angehoben und einen Sonderzuschuss von 2.500 Euro für jede gefördert errichtete Mietwohnung und 2.000 Euro für jede gefördert errichtete Eigentumswohnung und jedes gefördert errichtete Eigenheim beschlossen.

„Es ist aber unmöglich, die Kostensteigerung zur Gänze abzufangen“, so LH-Stellvertreter Haimbuchner. „Es wird immer schwieriger, dass zu diesen Preisen, die seitens der Wohnbauförderung vorgegeben werden, gebaut werden kann.“ Die Bauprogramme könnten, wenn die Preissteigerung so weiter gehe, nicht mehr erfüllt werden, „wir befinden uns in einer Marktwirtschaft, in einem Wettbewerb, alleine in unserer Region werden wir das nicht lösen können.“

Hartl: Kosten bleiben beim Bauherren hängen

Unterm Strich bleibe die Preissteigerung beim Bauherren, also dem Endkunden hängen, so der Landes-Innungsmeister Bau bei der WKO Norbert Hartl. „Die Preisverhandlungen im Dezember sind im Jänner schon wieder null und nichtig, die Industrie hat massive Steigerungen auf den Tisch gelegt“, so Hartl. Weitere 22 Prozent seien es etwa bei den Dämmstoffen. Manche Baustoffe seien gar nicht verfügbar, darunter Flachdachfolien. „Das hat natürlich Auswirkungen – weniger auf die Unternehmen, die das in die Kalkulationen einfließen lassen, all diese Mehrkosten wird man am Ende beim Häuslbauer unterbringen müssen. Das ist aus meiner Sicher nicht mehr tragbar.“  

Keine Entspannung in Sicht

Hartl sieht auch in naher Zukunft keine Entspannung. „Es deutet kein einziger Indikator darauf hin, im Gegenteil: Großes Thema ist die Vormaterial-Besorgung, es gibt bei Teilen der Chemischen Industrie eine starke Verknappung.“ Betroffen zum Beispiel Silikon enthaltende Teile. Beim Holz seien die Lager voll, „aber die Sägeindustrie hat gesteigerte Kosten wegen dem höheren Strompreis. Es gibt derzeit keinen Baustoff wo ich glaube, dass heuer noch Entspannung kommt, im Gegenteil, dort und da wird es zusätzliche Preissteigerungen geben.“

Auch wenn die Baubranche derzeit gut ausgelastet ist – das werde sich schnell ändern, weil die Preise nicht mehr zu bezahlen sind, Bauprojekte dadurch abgesagt oder zurückgestellt werden.

Kritischer Blick auf Klimaschutz-Maßnahmen und Green Deal

Nicht nur die Steigerungen bei Energie, Gas und Strompreisen, auch die CO₂-Bepreisung trage ihren Teil zur Preissteigerung bei. „Das wird dem Material aufgeschlagen und kommt beim Haus an.“

Als zusätzliche Belastung für die Baubranche und damit den Endkunden nennt Hartl die Einführung der Nova auf Nutzfahrzeuge N1, also Pritschenwagen oder Transportfahrzeuge für Mitarbeiter. „In meinem Fall entstehen rund 100.000 Euro Mehrkosten im Jahr nur mit der Nova“, rechnet der Geschäftsführer der Schmid Baugruppe vor.

Landesrat Haimbuchner unterstreicht, dass Klimaschutz-Maßnahmen wie der Ausbau von erneuerbarer Energie natürlich sinnvoll sei, große Kritik übt er aber am Green Deal der EU. „Diese Überschriften wirken sich in Mehrkosten aus. Der ganze EU Green Deal droht, zu einem der größten sozialen Experimente zu werden, wir werden auf den Kosten sitzen bleiben.“ Er sieht eine Umverteilung von unten nach oben. Klar sei: Ein „verfehlter Green Deal“ werde nicht zur Gänze in OÖ ausgemerzt werden können.

Wohnbau in OÖ 2022

In Oberösterreich stehen 2022 finanzielle Mittel von 76,6 Millionen Euro für Sanierung von Wohnhäusern zur Verfügung – „wir wollen unterstützen, damit die Energiekosten geringer werden“, so Haimbuchner. Sanieren zahle sich auch mit den steigenden Preisen aus, glaubt der Landesrat. „Rund 75 Prozent der Heizwärmekosten können eingespart werden. Aber das wird jeder selber entscheiden müssen.“

Neben den 76,6 Millionen Euro für die Sanierung gibt es noch 50 Millionen für besonders nachhaltige Projekte im Zeitraum zwischen 2021 und 2023. Hier werden etwa die innerstädtische Nachverdichtung oder besonders herausragende Projekte bezuschusst.

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