„Potenzial und Zukunftsperspektive“: So wollen Sozialpartner Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung bringen

Karin Seyringer Tips Redaktion Karin Seyringer, 28.11.2022 19:18 Uhr

OÖ/LINZ. Die Wirtschaftskammer OÖ und die Arbeiterkammer OÖ arbeiten gemeinsam daran, Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen. Mögliche Instrumente haben WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer und AK OÖ-Präsident Andreas Stangl am Montag in Linz präsentiert.

Zuletzt ist auch in OÖ die Zahl der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen gesunken. Für Hummer und Stangl noch zu wenig. Nach wie vor gibt es in OÖ rund 3.600 Menschen, die seit mindestens einem Jahr durchgehend arbeitslos sind, dazu rund 6.700 Personen, die seit mehr als einem Jahr kein Beschäftigungsverhältnis haben. „Über 10.000 Personen, die gerne wieder zurückmöchten, es aber nicht schaffen, etwa wegen gesundheitlichen Problemen“, so Hummer.

Durch geeignete Maßnahmen wollen WKOÖ und AK OÖ eine „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten schaffen.

Modell der Wiedereingliederungsteilzeit verwenden

Ein solches Instrument sei das von der WKOÖ entwickelte Modell der Wiedereingliederungsteilzeit nach langem Krankenstand, mit individuell abgestimmten Arbeitszeitmodellen. Diese stufenweise Wiedereingliederung solle auch für Langzeitarbeitslose verwendet werden. Vorgesehen ist, dass die arbeitslose Person grundsätzlich „teilzeitarbeitsfähig“ ist, eine verpflichtende Arbeitserprobung (mindestens eine Woche) geht voraus, inklusive arbeitsmedizinischer Evaluierung. Mindestens zwölf Stunden müssen im Monatsschnitt gearbeitet werden, dies kann bis zu dreimal einvernehmlich geändert werden. Der Dienstgeber zahlt das aliquote Entgelt, das AMS leistet ein Wiedereingliederungs-Arbeitslosengeld. „Die Unternehmen würden da mitmachen“, ist Hummer überzeugt.

Arbeitserprobung

Verwiesen wird auch auf das erfolgreich beim AMS eingeführte Instrument der Arbeitserprobung (bis zu vier Wochen). Vor Ort könne am besten entschieden werden, ob eine bestimmte Tätigkeit bewältigbar und längerfristig produktiv leistbar sei.

Restart-Programm adaptieren und verlängern

Hummer und Stangl schlagen zudem vor, das bestehende Restart-Programm zu adaptieren und zu erweitern. Finanziert wird dieses in Zeiten der Pandemie geschaffene Instrument von Land OÖ und AMS.

Einige der Vorschläge: Das Programm zumindest bis Ende 2024 verlängern, die Absenkung der Mindest-Arbeitslosigkeitsdauer bei gemeinnützigen Einrichtungen von zwei Jahren auf ein Jahr, die Verlängerung der Förderdauer auf mindestens zwölf Monate – bei Betrieben, Kommunen und NGOs, gezielte Angebote für spezifische Aufgaben im Sozial- und Bildungsbereich wie etwa die Förderung von Unterstützungspersonal in Altenheimen, Schulen oder Kindergärten. Interessierten solle dabei in Vorbereitungskursen relevante Kompetenzen vermittelt werden.

Potenzial und Zukunftsperspektive

Gerade in Zeiten des akuten Fach- und Arbeitskräftemangels sieht Hummer auch (Langzeit)arbeitslose als zentrale Potenzial-Gruppe. Unternehmen wie die Betroffenen selbst würden profitieren, mit neuer Chance und Zukunftsperspektive. Das Gesamtpotential von Arbeitslosen mit gesundheitlichen Einschränkungen liege in OÖ bei rund 9.000 Personen.

Der aktuelle Arbeitskräftemangel würde hier durchaus auch helfen, meint Stangl. „Jetzt wird genauer hingeschaut, wird Leuten eine Chance gegeben, die man vorher vielleicht nicht genommen hätte.“

„Geht um individuelle Förderung“

Besonders unterstreichen die WKOÖ-Präsidentin und der AK OÖ-Präsident die Notwendigkeit der individuellen Förderung, da auch die Gründe für die Langzeitarbeitslosigkeit sehr vielfältig seien. Es gehe daher um das „Matching“, eine große Herausforderung für das AMS. Die Einzelnen müssten in der aktuellen Lebensphase abgeholt, auf individuelle Defizite und Chancen eingegangen und jene Arbeitsplätze herausgefiltert werden, die für beide Seiten zufriedenstellend seien. „Es gibt nicht den einen klassischen Langzeitarbeitslosen. Dem AMS kommt daher eine bedeutende Rolle der individuellen Betreuung zu“, so Stangl. Ein wichtiger Faktor sei daher auch, dass das AMS-Personal mehr Zeit für die individuelle Betreuung Langzeitarbeitsloser bekomme. Und Hummer betont: „Jeder Einzelne ist uns wichtig und es braucht Rundum-Begleitung.“

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