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Neuer AK Wohnzufriedenheitsindex: Herausforderungen und Bedürfnisse früh erkennen

Tips LogoKarin Seyringer, 06.02.2023 16:03

OÖ/LINZ. Die Zufriedenheit mit der Wohnsituation hängt eng mit der eigenen finanziellen Lage zusammen, zeigt die erste Auswertung des neuen AK Wohnzufriedenheitsindex. Der Index gibt Auskunft über die Bedürfnisse, Sorgen und Ängste der Arbeiterkammer-Mitglieder rund ums Wohnen. Gemeinsam mit dem Institut für empirische Sozialforschung (IFES) wird der AK Wohnzufriedenheitsindex nun regelmäßig erhoben.

  1 / 2   V. l.: Reinhard Raml, Geschäftsführer IFES, und AK OÖ-Präsident Andreas Stangl präsentierten den neuen AK Wohnzufriedenheitsindex. (Foto: AK OÖ / Wolfgang Spitzbart .)

Die erste Erhebung fand im November 2022 statt, zu einer Zeit, in der viele bereits stärker unter den Effekten der Teuerungen litten. Der AK Wohnzufriedenheitsindex hat eine Spannweite von 0 bis 100, wobei der Wert 100 die maximal positive Ausprägung, der Wert 0 die maximal negative Ausprägung darstellt. Die dabei erhobenen Daten werden - analog zum bestehenden Arbeitsklima Index - kontinuierlich Auskunft zu Ängsten und Sorgen der Menschen hinsichtlich ihrer Wohnsituation sowie ihren Erwartungen an Politik und Gesellschaft geben. Ein besonderes Augenmerk werde auf die Leistbarkeit des Wohnens gelegt.

Indexwert aktuell bei 69

Der Indexwert wird in Zukunft quartalsweise unter 1.000 Arbeiterkammer-Mitgliedern aus Oberösterreich repräsentativ ermittelt. Im Mittelpunkt stehen die Fragenkomplexe „Wohnung und Haus“, „Leistbarkeit“, „Wohnumgebung“, „funktionale Infrastruktur und Lage“ sowie „Wohnpolitik“.

Der Indexwert liegt aktuell bei 69 Punkten. Dabei weisen die Dimensionen „Wohnung und Haus“ und „Wohnumgebung“ mit 78 und 77 Punkten hohe Teil-Indexwerte und somit eine höhere Zufriedenheit, die Dimension „Wohnpolitik“ mit 50 Punkten einen niedrigeren Teil-Indexwert und somit im Vergleich geringere Zufriedenheit auf. Die Dimensionen „Funktionale Infrastruktur / Lage“ und „Leistbarkeit“ weisen Teil-Indexwerte von 66 und 63 Punkten auf. 

Mit höherem Einkommen zufriedener mit Wohnsituation

Schlüsselergebnisse des aktuellen Index: Menschen, die über ein höheres Einkommen verfügen oder mehr finanzielle Ressourcen zur Verfügung haben, sind auch mit ihrer Wohnsituation deutlich zufriedener.

Unzufrieden hingegen sind Menschen, die auf finanzielle Unterstützung zur Deckung der Wohnkosten angewiesen sind, in privater Hauptmiete leben und/oder befristete Mietverhältnisse haben, und/oder ihre Wohnräume mit Erdgas beheizen.

Liegt die Wohnung im ländlichen Raum, so hat das positive Auswirkungen auf die Einschätzung der Wohnumgebung, führt aber zu geringerer Zufriedenheit mit den infrastrukturellen Angeboten.

AK mit einigen Forderungen zum Thema Wohnen

Bestätigt durch das Ergebnis des Wohnzufriedenheitsindex erneuert die Arbeiterkammer OÖ mit Präsident Andreas Stangl mehrere Forderungen, es brauche mehr maßgeschneiderte öffentliche Unterstützung.

Der Zugang zur Wohnbeihilfe müsse für Menschen mit geringem Einkommen erleichtert und durch einen Rechtsanspruch abgesichert werden. Dafür sollen die Einkommensgrenzen und die maximal förderbare Miete von 7 Euro pro Quadratmeter angehoben werden, weil günstigere Wohnungen kaum mehr zu finden seien. Die maximal förderbare Wohnfläche müsse ebenfalls erhöht werden. Zusätzlich sollten die Mittel von derzeit 55 auf 110 Millionen Euro verdoppelt und jährlich inflationsangepasst werden.

Zudem solle ein Mietpreis-Deckel sicherstellen, dass Mieten nur einmal pro Jahr um zwei Prozent angehoben werden können.

Ein Wohnbonus in der Höhe von 800 Euro in Form einer jährlichen Steuergutschrift für alle Arbeitnehmer soll die steigenden Wohnkosten zu einem Teil abgelten.

Eine Erhöhung des Heizkostenzuschusses und ein Wärmepreisdeckel sind weitere Forderungen.

Schwedisches Modell etablieren

Langfristig fordert Stangl, dass in Österreich das schwedische Warmmieten-Modell etabliert werden solle. Diese „Warmmiete“ beinhaltet sowohl Miete, als auch die Betriebskosten für das Heizen. Dabei dürfen die Heizkosten aber nur auf Basis des höchsten thermischen Standards der Gebäudehülle berechnet werden.

Auch solle es Mietabschläge für unzureichend gedämmte oder mit einem fossilen Energieträger beheizte Wohnungen. Eine Leerstands-Abgabe senke die Wahrscheinlichkeit, dass Altbauwohnungen in Folge von Mietabschlägen erst gar nicht mehr vermietet werden. 

Die Gemeinden und Städte sollten ihre Raumordnungs-Spielräume intensiver ausschöpfen, indem sie die Widmungskategorie „Sozialer Wohnbau“ verstärkt anwenden. Zudem brauche es eine bessere Bewirtschaftung ungenutzten Baulandes, gegen steigende Grundstückspreise und Spekulation.


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