Gewalt gegen Lehrkräfte: Neos fordern faktenbasiertes Bild
OÖ. Vor allem bei der Schulpsychologie und Schulsozialarbeit müsse die Politik nachbessern, bekräftigen die NEOS OÖ anlässlich einer Anfragebeantwortung zum Thema Gewalt gegen Lehrkräfte. Zudem brauche es ein faktenbasiertes Bild zur Situation.

Die NEOS sehen einen Anstieg von Gewalt gegen Lehrkräfte und beziehen sich auf eine Anfragebeantwortung von LH-Stellvertreterin Bildungs-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP).
Gab es demnach im Schuljahr
- 2019/20: 55 Fälle von körperlicher Gewalt und zwei Fälle von Drohungen mit körperlicher Gewalt (gesamt 57)
- 2020/21: 45 Fälle von körperlicher Gewalt und fünf Drohungen (gesamt 50)
- 2021/22: 50 Fälle körperlicher Gewalt und 15 Drohungen (gesamt 65)
- 2022/23: 58 Fälle körperlicher Gewalt und 11 Drohungen (gesamt 69).
„Keine konkreten Zahlen“
Das sei ein Anstieg um 21 Prozent seit dem Schuljahr 2019/20, so von den NEOS. Erhoben werden die Zahlen im Zuge der Beantragung durch die Schule auf Suspendierung. Fälle, die zu keiner Suspendierung führen, werden laut Anfragebeantwortung nicht zentral erfasst. Generell gebe es keine statistische Erfassung von Gewalt gegen Lehrpersonal in OÖ, kritisieren die NEOS.
In der Anfragebeantwortung heißt es: „Ein Anstieg der Gewalt gegen Lehrkräfte, vor allem verbaler Natur, ist subjektiv spürbar, wobei keine konkreten Zahlen vorliegen“, so in der Anfragebeantwortung. Es könne aber festgehalten werden, dass es keine Schulen oder Regionen gebe, die „offensichtlich besonders von Gewalt gegen Lehrkräfte betroffen sind“.
Maßnahmen
Weiters heißt es in der Anfragebeantwortung: Komme es zu Gewalt gegen Lehrkräfte, würden die Maßnahmen je nach Art und Schwere sowie Hintergrund der Vorfälle von Interventionen durch die Schulleitungen über Einbindung der Schulpsychologie und der Kinder- und Jugendhilfe des Landes bis zum Einsatz der Kinder- und Jugendanwaltschaft und er Polizei reichen.
Es könne auch suspendiert werden, in schwerwiegenden Fällen kann es zum Schulausschluss kommen, Schulausschlüsse aufgrund von Gewalt liegen laut Bildungsressort keine vor. „Die Suspendierung stellt aber nur eine Sicherungsmaßnahme dar. In weiterer Folge sind unter Einbeziehung der notwendigen Personen und Institutionen (Helferkonferenz, Betreuungslehrpersonen, Erziehungsberechtigte, Schulaufsicht, betroffene Lehrperson, Schulpsychologie, Kinder- und Jugendhilfe, Rechtsabteilung, Pädagogische Hochschulen, ...) Maßnahmen zu treffen, die eine geordnete Wiedereingliederung in den Schulbetrieb ermöglichen.“
Für betroffene Lehrkräfte gebe es Unterstützung und Beratung, die NEOS kritisieren, dass diese bestehenden Opferschutzmöglichkeiten aber nicht beworben würden.
Finanzielle Mittel für Gewaltprävention
Zur generellen Gewaltprävention und Opferberatung verweist Haberlander in der Anfragebeantwortung auf vielfältige Maßnahmen. Finanziell unterstütze das Frauenreferat unter anderem das Autonome Frauenzentrum. Finanzielle Mittel wurden folgende eingesetzt: 57.000 Euro für Autonome Frauenzentrum im Jahr 2022, 11.456 Euro für die Awareness Kampagne „NO GO“ 2022, 81.000 Euro für die Vernetzte Online Frauenberatung im Jahr 2022. Für das Gewaltschutzzentrum ist im Budget des Frauenreferates für das Jahr 2023 ein Förderbetrag in Höhe von 291.526 Euro eingeplant.
NEOS: „Land hat keine Übersicht“
NEOS-Bildungssprecherin Julia Bammer zur Anfragebeantwortung: „Jede einzelne Lehrkraft, die wir durch Gewalt an Schulen verlieren und jede Person, die diesen tollen Job deshalb erst gar nicht in Betracht zieht, verschlimmert die Personalnot in unseren Schulen. Jede Maßnahme gegen Gewalt an Schulen und gegen Lehrkräfte ist damit auch eine Maßnahme gegen den Mangel an Lehrerkräfte. Egal ob Drohungen, körperliche, verbale und psychische Übergriffe - Gewalt hat in unseren Schulen nichts zu suchen. Die Antwort von LH Stv. Christine Haberlander zeigt, dass das Land absolut keine Übersicht über Gewalt gegen Lehrpersonal hat. Es reicht nicht zu sagen, dass ein Anstieg der Gewalt subjektiv spürbar ist. Es braucht ein faktenbasiertes Bild, anhand dessen die Landesregierung dann Lösungen und Maßnahmen entwickelt“, so Bammer.
Die Landesregierung solle neben der Prävention im ersten Schritt bei der Schulpsychologie und Schulsozialarbeit nachbessern. „Mit Suspendierungen werden Probleme einerseits in den privaten Raum verdrängt und andererseits ins weitere Bildungs- und Arbeitsleben der Kinder mitgeschleppt“, ist Bammer überzeugt.


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