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Arbeitskräftmangel: WKOÖ präsentiert Maßnahmenpaket

Tips LogoAnna Fessler, 07.08.2023 19:00

OÖ. Der akute Arbeits- und Fachkräftemangel bleibt weiterhin ein Thema. Laut Berechnungen der Synthesis Forschung und des WIFO werden bis zum Jahr 2040 rund 363.000 Stellen in den heimischen Betrieben nicht besetzt werden können – sofern nicht gegengesteuert wird. WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer sieht Potential in einer „Westbalkan-Regelung“ nach deutschem Vorbild und präsentierte ein Forderungspaket.

v.l.: Direktor-Stv. der WKOÖ Friedrich Dallamaßl, Dynatrace Co-Founderin Sok-Kheng Taing, WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer, Beate Peneder-Weinhäupl (Geschäftsführung Peneder Holding GmbH) (Foto: WKOÖ)

In Deutschland wurde die sogenannte Westbalkan-Regelung bis Ende 2023 verlängert. Mit der Regelung können Arbeitskräfte aus definierten Herkunftsländern jede Beschäftigung in Deutschland annehmen, solange gewisse Bedingungen erfüllt und die Kontingente noch nicht ausgeschöpft sind. Laut Doris Hummer mache das auch in Oberösterreich Sinn, vor allem deshalb, weil die Top 3 Zuwanderungsländer zur Westbalkan-Region gehören: Laut Ausländerfachzentrum des AMS Oberösterreich liegt Bosnien Herzegowina mit Abstand auf dem ersten Platz, gefolgt von Serbien und der Republik Kosovo.

Projekt „Akquise Internationaler Arbeitskräfte (AIA)“

Die Wirtschaftskammer Oberösterreich hat das Projekt AIA ins Leben gerufen, um gemeinsam mit über 50 oberösterreichischen Unternehmen Strategien für die Akquise internationaler Arbeits- und Fachkräfte zu entwickeln. Ziel ist, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Drittländern in Oberösterreich von rund 1000 bewilligten Anträgen im Jahr 2022 um weitere 1000 bewilligte Anträge bis Ende 2023 zu verdoppeln.

„Wir müssen in die Breite kommen und die Anzahl an Arbeits- und Fachkräften aus Drittländern in unseren Betrieben erhöhen! Die Gewinnung von Arbeitskräften aus Drittländern muss für alle oberösterreichischen Unternehmen, die Mitarbeiter benötigen, möglich und schaffbar sein - für Kleinstunternehmer genauso, wie für die Leitbetriebe an unserem Wirtschaftsstandort“, beharrt Doris Hummer.

Paket mit sechs Kernforderungen

Im Rahmen des AIA-Projekts wurde ein interessenspolitisches Forderungspaket geschnürt, das folgende Kernforderungen enthält:

  • Senkung der Zugangserfordernisse zur Mangelberufsliste
  • Forderungen nach besseren Matching-Möglichkeiten: vorstellbar sei eine „Chancenkarte“ nach deutschem Vorbild, zumindest aber das Schaffen eines Aufenthaltstitels für Kennenlern- und Arbeitserprobungszwecke
  • Forderung nach einem Aufenthaltstitel für Lehrlinge über 18 Jahren aus Drittländern
  • Forderungen zur inhaltlichen Verbesserung des Verfahrens, etwa durch eine bedarfsgerechte Verschränkung des Asylrechts mit dem Aufenthaltsrecht während eines laufenden Asylverfahrens
  • Die Erweiterung des Familienzuzuges auch für Partnerinnen und Partner
  • Verbesserungspotenzial beim Service durch Behörden, beispielsweise die Möglichkeit, Anträge online einbringen zu können sowie die Verfügbarkeit von englischen Formularen

Dynatrace Co-Founderin: „Wir bewerben uns bei den potentiellen Mitarbeitern“

Dass es Maßnahmen braucht, bestätigt auch Dynatrace Co-Founderin Sok-Kheng Taing, die klarstellt: „Die Menschen bewerben sich nicht bei uns. Wir – die Unternehmen und der Standort – bewerben uns bei den potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der ganzen Welt.“ Durch das starke Wachstum ist Dynatrace auf internationale Fachkräfte angewiesen, das Unternehmen unterstützt die Internationals beim Zuzug aus dem Ausland bestmöglich, sei es bei der Suche nach einem englischsprachigen Kindergarten oder bei Behördengängen. Wichtig sei es, die Verfahren rascher und einfacher zu gestalten. Auch brauche es eine Willkommenskultur, um zu gewährleisten, dass sich die Internationals in ihrer neuen Heimat wohlfühlen und bleiben.

Peneder Holding-Geschäftsführung fordert Vereinfachung des „Behördendschungels“

Auch Beate Peneder-Weinhäupl,Geschäftsführerin der Peneder Holding GmbH, einem in vierter Generation geführten Familienunternehmen mit rund 450 Mitarbeitern meint: „In Zeiten eines latenten und stetig zunehmenden Arbeitskräftemangels in Österreich ist die Frage nicht mehr, ob wir Personal aus dem Ausland beziehen wollen, sondern wie wir am besten zu den führenden Köpfen kommen. Derzeit existiert ein großer Dschungel an Fristen, Zuständigkeiten, Vorrausetzungen, Verfahrensabläufen, Rechtsgrundlagen etc. – diese stellen besonders für kleinere Unternehmen enorme Hürden dar. Eine Servicestelle, die entlang des gesamten Prozesses Hilfestellung leistet, würde dieser Problematik zu großen Teilen Abhilfe schaffen.“


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