Neue Plattform widmet sich Lehrlingsausbildung
LINZ/OÖ. Mario Derntl und Fabian Dopler haben sich die Frage gestellt, wie Betriebe die Qualität ihrer Lehrlingsausbildung messbar machen können. Ihr Start-Up „Talents+Company“ bietet gezielte Analysen und Beratung für Unternehmen bei der Lehrlingsausbildung an.

Dass es mehr Menschen in Lehrberufen braucht, ist unbestreitbar: alleine in Linz stehen einem Lehrling vier Ausbildungsplätze gegenüber. Die kommenden Jahrgänge sind nicht nur geburtenschwächer, auch das Interesse an der Lehre nimmt durch die steigende Akademisierung ab. Somit ist die Lehre gleich durch zwei sozialdemografische Entwicklungen gefährdet.
„Talents+Company“: Lehrlingsausbildung erneuern
„In einer Zeit des Wandels ist es entscheidend, die Art und Weise, wie wir junge Talente ausbilden neu zu überdenken.“ Der gebürtige Naarner Mario Derntl war selbst Lehrling bei der voestalpine und ist seit 2019 Generalsekretär der Initiative „Zukunft Lehre Österreich“. Fabian Dopler aus Linz ist Mitgründer der Werbeagentur „Generative III“ und Christoph Shawa vervollständigt das Team als Jurist.
Mit ihrem Start-Up „Talents+Company“https://www.talentsandcompany.at/ wenden sie sich gezielt an die Ausbildungsabteilungen von Unternehmen. Die Start-Up-Gründer erklären in einer Pressekonferenz, die Lehrlingsausbildung sei Schlusslicht bei digitaler Datenverarbeitung.
Analyse erfasst Potentiale und Schwachstellen
Derntl und Dopler haben ein dreistufiges Konzept entwickelt, das eine 360-Grad-Analyse des Unternehmens vorsieht, in welcher die Schritte in einzelnen Qualitätsfeldern wie dem Recruiting der Ausbildenden, dem Einarbeiten oder das Zusammenarbeiten verschiedener Generationen erfasst werden.
Die Arbeit der Ausbildenden im Betrieb, das Feedback der Lehrlinge und das Lehrlingsrecruiting, beispielsweise Kontakte auf Berufsmessen oder an Schulen, werden im zweiten Schritt digital verarbeitet, also in Zahlen verwandelt. Zuletzt finden schließlich Einzelgespräche statt, um Verbesserungspotentiale zu diskutieren.
Neue Plattform seit Ende August online
Aus den Daten entsteht eine Online-Plattform, auf die die Ausbildungsleitenden zugreifen können, um ihre Bewertungen zu evaluieren. Eine Plattform, die alle Daten zu Lehrlingsausbildung vereint, habe es vorher nicht gegeben. Diese ermöglicht den Unternehmen nun auch, genauere Infos über ihre Zielgruppe zu erlangen und zukünftige Lehrlinge genauer zu targetieren. Die Plattform soll in Zukunft auch als Auskunft für zukünftige Lehrlinge und deren Eltern fungieren, einen Überblick bieten und bestimmte Betriebe nach Qualifikation zertifizieren.
Vergleichbarkeit schaffen
In Zusammenarbeit mit dem digitalen Stimmungsbarometer Teamecho haben Derntl und Dopler ein anonymes Feedback-Tool für Lehrlinge erstellt. „Es geht darum, Vergleichbarkeit zu schaffen in den Peergroups“, die Kunden sehen in anonymisierten Datendarstellungen, wo ihr Unternehmen in seiner Branche positioniert ist.
Weiters haben die Gründer einen Fachhochschul-Lehrgang für Lehrlingsausbilder initiiert. Ab dem Wintersemester 2023 kann der Master erlangt werden. Bisher durfte sich jeder an die Lehrlingsausbildung wagen, der einen 40-stündigen Kurs absolviert hatte. Das Team von Talents+Company pocht jedoch darauf, den Stand der Ausbildenden regelmäßig zu evaluieren.
Runtastic-Gründer Gschwandtner als Investor
Der Business Angel Florian Gschwandtner unterstützte das Start-Up als Investor mit einem mittleren fünfstelligen Betrag. „Gute Handwerker zu bekommen, ist eine Herausforderung geworden. Ich freue mich, dieses innovative Projekt zu unterstützen und die Lehrlingsausbildung mitzugestalten Es muss nicht morgen den großen Milliardenbetrag bringen, aber garantiert nachhaltigen Erfolg“, betont Gschwandtner, Mitgründer und ehemaliger CEO von Runtastic.
30 Kunden bis Jahresende
Ist dieser Erfolg eingetreten, erhoffen sich die Gründer, in den gesamten DACH-Raum zu expandieren. Bis Jahresende wollen sie 30 Ausbildungsanalysen abgeschlossen haben. Die ersten Pilotkunden von „Talents+Company“ sind Starlim Spritzguss GmbH, FILL GmbH und die Energie AG. „Ziel ist es, mehr Lehrlinge zu finden, sie zu halten und gut ausbilden zu können“, formuliert Dopler abschließend.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden