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OÖ. Rund 200.000 Schüler in OÖ starten am kommenden Montag, 11. September, wieder in den Unterricht. Gerade bei den Taferlklasslern wird die Aufregung besonders groß sein, oberösterreichweit 15.741. Beim Thema Lehrkräftemangel zeigt sich Bildungsdirektor Alfred Klampfer zuversichtlich. Im Heimunterricht finden sich nur mehr 303 Schüler. Allerdings gibt es zusätzlich 150 Kinder, deren Eltern generell verweigern.

  1 / 2   Landesschulsprecher Xaver Eicher, LH-Stellvertreterin, Bildungs-Landesrätin Christine Haberlander und Bildungsdirektor Alfred Klampfer präsentierten am Mittwoch Neuerungen udn Zahlen zum Schulstart. (Foto: Land OÖ / Margot Haag)

Fast durch die Bank sind es in allen Schulformen mehr Schüler, in den Pflichtschulen gibt es ein Plus von 1,07 Prozent im Vergleich zu 2022/23, erfreulich sei auch die Entwicklung in den Berufsschulen und Landwirtschaftlichen Fachschulen, so LH-Stellvertreterin, Bildungs-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) am Mittwoch in Linz. Besonders positiv sieht sie den Anteil von Mädchen in technischen Ausbildungen, der nun schon im dritten Jahr stabil bei über 20 Prozent liege.

Häuslicher Unterricht fast Vor-Corona-Niveau

Stark zurückgegangen ist die Zahl der Kinder im häuslichen Unterricht in OÖ, auf 303 Schüler, die für das kommende Schuljahr zum Heimunterricht abgemeldet wurden. Ein spürbarer Rückgang zu Corona-Hochzeiten, wo es in Oberösterreich im Schuljahr 2021/22 rund 1.400 waren, zum Schuljahresbeginn 2022/23 625. „Damit liegen wir quasi wieder auf Vor-Corona-Niveau“, freut sich Haberlander. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Kinder Schulen brauchen, für die Vermittlung, aber auch für die soziale Interaktion. Sie brauchen andere Kinder und Teilhabe.“

„Überbleibsel von Corona“: Fast 100 Familien verweigern

Zu den 303 Schülern im bewilligten häuslichen Unterricht gibt es allerdings noch 100 Familien mit 150 Kindern, die die nötigen Externistenprüfungen nicht abgelegt haben, aber auch nicht in der Schule sind, die die Schulpflicht ignorieren und verletzen würden, „und dies auch mit teils skurrilen Schreiben kundtun“, so Klampfer. „Das ist ein Überbleibsel von Corona, das kannten wir in dieser Dimension früher nicht, das ist neu.“ Das Vorgehen bei solchen Fällen: Von Schulseite werde bei den Bezirksverwaltungsbehörden angezeigt, „das freut niemanden, die Eltern legen es aber darauf an.“

Lehrkräftemangel: Klampfer zuversichtlich

Beim Thema Lehrkräftemangel verweist Bildungsdirektor Klampfer darauf, dass mit Stand 5. September 919 Neuanstellungen erfolgt seien, davon an Pflichtschulen 547, 338 an den AHS und BMHS sowie 34 an den Berufsschulen. „Alleine gestern waren es 34 Lehrkräfte nur im Pflichtschulbereich.“ Somit sind 21.181 Lehrkräfte an den OÖ Schulen. Quereinsteiger wurden 139 zertifiziert.

„Die Gewinnung neuer Lehrkräfte ist ein Dauerthema, auch das ganze Jahr über, im Pflichtschulbereich wird alle 14 Tage neu ausgeschrieben und aufgenommen, das ist ein rollierendes System.“ Angesichts der Anzahl ausgeschriebener Stellen will er relativieren: „Wenn 300 Stellen ausgeschrieben sind, sind viele davon nur zwei oder mal vier Stunden.“ Zudem seien 300 offene Stellen nur 1,5 Prozent aller Lehrstellen. „Wenn wir Löcher haben, schauen wir uns jeden Standort genau an. Ich bin zuversichtlich, dass ab nächster Woche alle Stunden gehalten werden.“

LH-Stellvertreterin Haberlander verweist zudem darauf, dass in Oberösterreich zusätzlich zur bundesweiten Strategie „Klasse Job“ Maßnahmen laufen würden, um dem Mangel entgegenzuwirken.

Schüler freuen sich auf „ganz normales, spannendes Schuljahr“

Landesschulsprecher Xaver Eicher freut sich nach turbulenten Zeiten auf ein „ganz normales, aber spannendes und erfüllendes Schuljahr.“ An Verbesserungsmöglichkeiten aus Sicht der Schüler sieht er, die individuellen Stärken besser zu fördern, die Integration von Künstlicher Intelligenz sei die größte Herausforderung, aber auch die größte Chance, „das muss auf kontrollierte Weise passieren, wir unterstützen daher die Initiative von Land OÖ und Bildungsdirektion“, Tips hat berichtet.

Aber auch das Thema psychische Gesundheit bei Jugendlichen dürfe nicht verschwinden, „wir brauchen weiterhin den Ausbau der Schulpsychologie und von Präventions-Workshops. Vom Land wird einiges angeboten, das müssen wir flächendeckend an alle Schulen bekommen“, so Eicher.

Neue Lehrpläne in Kraft

Das neue Schuljahr bringt auch neue Lehrpläne, die nun rollierend eingeführt werden: zu Beginn in den ersten Klassen der Volks- und Mittelschulen sowie der AHS-Unterstufe. Der Fokus liege auf kompetenzorientierten Unterricht, erläutert Klampfer. Fachliche wie überfachliche Kompetenzen, wie Wirtschafts- und Finanzbildung und die Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit stünden im Fokus. Mehr Infos dazu hier.

Digitalisierung

Beim Thema Digitalisierung gebe es eine „aktive Vorwärtsstrategie“, so Haberlander. Im Schuljahr 2023/24 kommt es zur Vollausrollung bei den Endgeräten, knapp 15.000 Geräte würden bis Oktober ausgeliefert, „dann stehen 55.000 Geräte an der Sekundarstufe 1 zur Verfügung“, so Klampfer. Neu eingeführt wird mit dem beginnenden Schuljahr auch das Pflichtfach „Digitale Grundbildung“ auch für die 4. Klasse.

Schwerpunkt Englisch

Ausgebaut werden die englischsprachigen Bildungsangebote am BG Ried, an der HTL Leonding mit der Einführung von Englisch als Unterrichtssprache in den „Computer Science International“-Jahrgängen ab dem aktuellen Schuljahr sowie dem Ausbau der Anton Bruckner International School in Linz.

Weitere Neuerungen

Die beiden bislang als Schulversuch geführten Pflegeschulen (fünfjährige HLPS) in Bad Ischl und der Schwestern Oblatinnen in Linz werden mit dem neuen Schuljahr normaler Teil des Schulsystems.

Auch die psychosoziale Unterstützung an Schulen werde massiv ausgebaut, 40 Prozent zusätzliche Förderung gibt es vom Bund sowie vom Land OÖ. Die Angebote im ländlichen Raum werden erweitert, 18 zusätzliche Schulstandorte unterstützt.

SPÖ und NEOS verweisen auf Pensionierungswelle

Die SPÖ kritisiert, dass Haberlander Antworten auf den Lehrermangel schuldig bleibe und verweist darauf, dass für 2024 380 Pensionierungen absehbar seien. Einmal mehr wird gefordert, „den unsäglichen Wanderzirkus von hunderten Linzer Lehramtsstudierenden in Richtung Salzburg zu beenden und den Standort Oberösterreich mit eigenen Lehrveranstaltungen aufzuwerten“, so SP-Bildungssprecherin Doris Margreiter.

Die NEOS haben angesichts von 1.800 Lehrkräften, die bis 2027 in Pension gehen würden, eine „Petition gegen Bürokratiemonster“ gestartet. Denn „75 Prozent der Lehrkräfte sagen, dass Listen, Formulare und Protokolle sie von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten“, so Klubobmann Felix Eypeltauer. Gefordert werden eine schnellere digitale Wende und mehr administrative Hilfskräfte.


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