Kinderbetreuungsatlas: Arbeiterkammer sieht Verbesserungen, "aber noch viel Luft nach oben"
OÖ. Die aktuelle IFES-Erhebung im Auftrag der AK Oberösterreich zum Angebot der Kinderbildung und -betreuung in Oberösterreich zeigt, dass sich die Zahl jener Gemeinden, die über alle Altersgruppen hinweg eine Top-Kinderbetreuung anbieten, im Vergleich zum Vorjahr von 75 auf 82 erhöht hat. Trotz mancher Vorzeige-Gemeinde, gebe es aber noch viel Luft nach oben.

Im Auftrag der Arbeiterkammer OÖ hat das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) die Daten erhoben und ausgewertet. Vier Kriterien sind für die Gesamt-Kategorienbildung besonders wichtig, um Eltern eine Vollzeitarbeit zu ermöglichen: der Umfang der täglichen Öffnungszeiten, das Angebot eines Mittagessens, die Sommerbetreuung und die Summe der Schließzeiten im Laufe eines Arbeitsjahres in Krabbelstuben, Kindergärten und in der Nachmittagsbetreuung für Volksschulkinder. Zudem wurde das Angebot nach drei Altersgruppen (Unter-Dreijährige, Drei- bis Sechsjährige, Volksschulkinder) aufgeschlüsselt.
Mehr Gemeinden mit umfassendem Angebot, aber noch viel Luft nach oben
Die Zahl jener Gemeinden, die über alle Altersgruppen hinweg eine Top-Kinderbetreuung anbieten, hat sich erhöht. Diese sogenannten 1A-Gemeinden sind seit dem Vorjahr von 75 auf 82 angewachsen. Das entspricht 18,7 Prozent der oberösterreichischen Gemeinden. Mehr geworden sind auch die A-Gemeinden. Ihre Zahl stieg von 76 auf 94 an. In Summe verfügen somit rund 40,2 Prozent der oberösterreichischen Gemeinden über ein sehr gut ausgebautes Angebot an institutioneller Kinderbildung und -betreuung.
Gute Bezirke und weniger gute
Der Bezirk mit den anteilsmäßig meisten 1-A Gemeinden bleibt Linz-Land (inklusive Linz-Stadt). 78,3 Prozent der Bezirksgemeinden bieten eine sehr gute institutionelle Kinderbetreuung. Hohe Anteile an 1A-Gemeinden gibt es auch in den Bezirken Steyr-Land (38,1 Prozent inkl. Steyr-Stadt), Urfahr-Umgebung (37,0 Prozent), Gmunden (35,0 Prozent) und Eferding (33,3 Prozent). Schärding und Ried sind mit 3,3 bzw. 2,8 Prozent die Bezirke mit dem niedrigsten Anteil an 1A-Gemeinden.
Die Bezirke Wels-Land (inklusive Wels-Stadt) und Grieskirchen haben mit 36,0 Prozent bzw. 33,3 Prozent die höchsten Anteile an A-Gemeinden. Die wenigsten A-Gemeinden gibt es in den Bezirken Ried (13,9 Prozent), Linz-Land (13,0 Prozent) und Rohrbach (10,8 Prozent).
Unter-Dreijährige: Nur 6,4 Prozent mit vollzeittauglichem Angebot
Bei den Unter-Dreijährigen gebe es allerdings nur in jeder 16. Gemeinde ein Top-Betreuungsangebot, also ein vollzeittaugliches Kinderbetreuungsangebot. Das sei gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg von nur 0,5 Prozentpunkten.
Der Bezirk mit dem höchsten Anteil an 1A-Gemeinden ist mit weitem Abstand der Bezirk Linz-Land (inklusive Linz-Stadt) mit 26,1 Prozent. Am nächsten kommen noch Steyr-Land (inklusive Steyr-Stadt) mit 14,3 Prozent und Grieskirchen (12,1 Prozent). In den Bezirken Ried und Rohrbach gibt es in dieser Altersgruppe keine einzige 1A-Gemeinde.
Verschlechtert habe sich das Angebot bei Drei- bis Sechsjährigen: Über ein Top-Angebot verfügen hier demnach nur mehr 97 Gemeinden, im Vorjahr waren es noch 106.
Fehlenden Daten in den Bezirken Ried und Schärding
Die Zahl der Gemeinden, die die Datenweitergabe für den Kinderbetreuungsatlas verweigerten, hat sich von 33 auf 61 erhöht. Die Mehrheit kommt dabei aus den Bezirken Ried und Schärding. „Dass manche Gemeinden keine Daten zur Kinderbildung und -betreuung vor Ort zur Verfügung stellen, ist bedenklich und ein Zeugnis für den mangelnden Willen zur Transparenz. Die Datenerhebung ist eine große Chance, Erfolgsmodelle kennenzulernen und über Gemeindekooperationen nachzudenken. Dadurch wären sehr viele Verbesserungen zugunsten berufstätiger Eltern möglich, vor allem auch in ländlichen Gemeinden“, so AK-Präsident Andreas Stangl.
Forderungen der Arbeiterkammer
Die Arbeiterkammer fordert angesichts der Ergebnisse unter anderem einmal mehr die Rücknahme der Elternbeiträge für die Nachmittagsbetreuung, einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr bis zur achten Schulstufe, nachhaltige, finanzielle Sicherstellung für Kinderbetreuungseinrichtungen, gekoppelt mit einer verpflichtenden und professionellen Bedarfserhebung in Gemeinden und Bezirken und eine Ausbildungsoffensive, um fehlendes Personal langfristig abzudecken, aber etwa auch mehr Gehalt für die Beschäftigten.
„Echte Wahlfreiheit gibt es nur, wenn Eltern auch zwischen Angeboten wählen können. Der Ankündigung der Landesregierung, Oberösterreich solle 'das Kinderland Nummer 1' werden, müssen endlich Taten folgen. Daran werden wir das Land Oberösterreich messen“, so Präsident Stangl.
ÖVP: Bedeutende Veränderungen, benötigen aber Zeit
OÖVP-Klubobmann Christian Dörfel verweist darauf, dass im Jahr 2023 fast 100 zusätzliche Gruppen und 24 Betriebe mit ihren Kinderbildungs- und -betreuungsangeboten hinzugekommen seien. Dazu kämen laufenden Bauprojekte mit Investitionsvolumen von rund 154 Millionen Euro und zahlreiche vorgemerkte Projekte. „Wir möchten betonen, dass es wichtig ist, den Weg zum Kinderland Nr. 1 gemeinsam zu gehen und nicht alles immer schlechtzureden. Die Veränderungen, die wir in der Kinderbetreuung vornehmen, sind bedeutend, aber sie benötigen Zeit, um sich voll zu entfalten. Wir sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und werden unser Bestes geben“, so Dörfel.
Zur Forderung nach höheren Gehältern meint Dörfel: „Bereits im März wurde dank Landeshauptmann-Stellvertreterin Haberlander eine starke Gehaltserhöhung für die engagierten Mitarbeiterinnen in den Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen umgesetzt. Oberösterreich zählt zu jenen Bundesländern, wo die Entlohnung am höchsten ist. Daher verstehe ich die erneuten Zurufe der Arbeiterkammer nicht.“


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