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Wie das (Körper)Selbstbild an Oberösterreichs Schulen gestärkt werden soll

Tips Logo Marlis Schlatte, 24.05.2024 16:45

OÖ/MARCHTRENK. In der Pubertät neigen Jugendliche vermehrt dazu, ihren Körper und ihr Aussehen mit Gleichaltrigen zu vergleichen. Soziale Netzwerke verstärken den Druck, einen „attraktiven“ Körper zu erlangen und einem konstruiertem Körperideal zu entsprechen. Daraufhin folgen oftmals Essstörungen und Depressionen, schon im jungen Alter. Mit dem Projekt „Miteinander Schule gestalten“ soll diese Problematik thematisiert und das Selbstbild der Jugendlichen gestärkt werden.

V.l.:  Rainer Schmidbauer, Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander und Ines Brunhuber (Foto: Land OÖ/Daniel Kauder)
V.l.: Rainer Schmidbauer, Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander und Ines Brunhuber (Foto: Land OÖ/Daniel Kauder)

Die HBSC-Studie von 2023 zeigt, dass bei den 11- bis 17-jährigen Schülern etwa 17 Prozent der Mädchen und 25 Prozent der Burschen als übergewichtig (Basis BMI) einzustufen sind. Etwa 15 Prozent (Mädchen) bzw. 10Prozent (Burschen) gelten als untergewichtig.

Diese Zahlen würden jedoch mit der Selbsteinschätzung der Kinder und Jugendlichen, also dem jeweiligen Körperselbstbild, ganz und gar nicht übereinstimmen. Etwa die Hälfte der Schüler ist mit ihrem Körpergewicht unzufrieden. Besonders zwischen der 5. und 7. Schulstufe nimmt das Gefühl, zu dick zu sein, stark zu. Die negativen Auswirkungen davon sind etwa ein gestörtes Essverhalten und ein Anstieg von Magersucht in der jüngeren Altersgruppe.Soziale Netzwerke spielen eine große Rolle bei Wahrnehmung von Körperbildern. Vor allem Mädchen orientieren sich stark an durch Social Media vermittelten „idealen“ Körperbildern, selbst wenn diese digital bearbeitet sind. Es gibt nachgewiesene Zusammenhänge zwischen vermehrter Instagram-Nutzung und depressiven Symptomen.

Thema „Körperselbstbild“ ansprechen und normalisieren

Das Projekt „Miteinander Schule gestalten“ wurde als Reaktion auf die besorgniserregenden Trends im Bereich der Körperwahrnehmung und Essstörungen ins Leben gerufen. Es basiert auf langjährig bewährten Methoden der Suchtprävention.Eine Situationsanalyse und die Einrichtung eines Expertenboards bildeten dabei den Anfang. Für die praktische Umsetzung wurden anschließend mehrere Unterrichtseinheiten konzipiert, die sich in unterschiedlichen Fächern umsetzen lassen. Ziel der Einheiten ist die Stärkung des positiven Selbstbildes und damit um die präventive Vermeidung von Essstörungen bei den Schülern.Lehrkräfte von teilnehmenden Schulen werden nun mit Workshops, Schulungen und Materialien bei der Umsetzung unterstützt.

„Das Projekt ‚Miteinander Schule gestalten‘ ist ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung, um das Selbstbild unserer Jugendlichen zu stärken. In einer Zeit, in der soziale Netzwerke und gesellschaftliche Normen einen enormen Druck auf junge Menschen ausüben, ist es umso wichtiger, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern das notwendige Rüstzeug dagegen bereits in der Schule mitgeben. Durch die Kombination von Bewegung, gesunder Ernährung und kritischer Auseinandersetzung mit Körperidealen schaffen wir ein Umfeld, in dem sich Schülerinnen und Schüler wohlfühlen und sich positiv entwickeln können“, so Bildungs- und Gesundheitsreferentin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (VP).

Kommentarfreie Zonen

Im Rahmen des Pilotprojekts an der MS 2 in Marchtrenk wurden erste praktische Erfahrungen mit den Unterrichtseinheiten gesammelt. Diese umfassten die Erstellung von Werbevideos für gesunde Lebensmittel im Fach Digitale Grundbildung, die Veränderung von Barbiepuppen zu einer realistischeren Figur im Fach Technik und Design sowie Diskussionen über Schönheitsoperationen ab 16 Jahren im Deutschunterricht.

Das Institut Suchtprävention bietet Schulen in Oberösterreich zusätzlich Workshops und Materialien zur Umsetzung einer kommentarfreien Zone, innerhalb derer es keine Körperkommentare gibt. Jede Schule, jede Klasse aber auch Freizeiträume können eine kommentarfreie Zone werden. Alle Körper dürfen sich dort aufhalten und wohl fühlen. Eltern werden ebenfalls in das Projekt einbezogen, indem spezielle Vorträge das Thema Körperselbstbild näher beleuchten. Durch die Kombination dieser Maßnahmen soll ein Schulsystem geschaffen werden, das frei von körperfeindlichen Kommentaren ist und in dem sich alle wohl fühlen können.

„Die Schülerinnen und Schüler hatten viel Spaß und Freude bei den Bewegungs- und Kocheinheiten und es war schön zu sehen, wie sich gute Gespräche zu den jeweiligen Themenschwerpunkten ergeben haben. Dabei geht es nicht darum, den Schülerinnen und Schülern zu erklären, welche Lebensmittel gesund, welche ungesund sind und wie viele Minuten sie sich pro Tag bewegen müssen, sondern darum, dass sie Freude an der Bewegung und am Kochen entwickeln und beides gerne in ihren Alltag integrieren“, so Ines Brunhuber, Klassenvorständin an der MS 2 in Marchtrenk.

So geht es weiter

„Bei diesem Projekt geht es nicht nur um die Prävention von Essstörungen im engeren Sinnen, sondern um viel mehr. Es geht um das eigene Selbstbild, es geht darum, Phänomene zu erkennen, die sich negativ auswirken können auf den eigenen Körper und auf die eigene Psyche. Es geht um Medienkompetenz und im weiteren Sinne auch um die Prävention von Mobbing und Gewalt, die auch stark mit Körperbildern in Verbindung steht“, so Rainer Schmidbauer, Leiter Institut Suchtprävention, pro mente OÖ und verantwortlich für die Koordination des Projekts „Miteinander Schule gestalten“ in OÖ.

Im Laufe des Schuljahres werden nun drei weitere Workshops in verschiedenen Schulen in Oberösterreich im Rahmen der Pilotphase durchgeführt. Im Herbst wird ein zusätzlicher Online-Workshop namens „respect-everybody“ zur Einrichtung kommentarfreier Zonen stattfinden. Die Pilotphase für das Projekt wird im Schuljahr 2024/25 fortgesetzt.

Schulen aus ganz Oberösterreich können sich beim Institut Suchtprävention für einzelne Module oder ein Schulprojekt anmelden, das mehrere Module kombiniert. Diese Module umfassen Coaching für Lehrkräfte und Schulen, Unterrichtsmaterialien zu positivem Körperselbstbild und sozialen Netzwerken, Workshops für Schüler zu verschiedenen Themen wie Light Contact Boxing und Ernährung, Elternvorträge zum positiven Körperselbstbild und die Einrichtung von „respect-everybody“-Zonen.


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