Bewerber schätzen eine positive Unternehmenskultur
OÖ. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich derzeit sehr dynamisch. War es bis vor ein paar Jahren noch so, dass sich Unternehmen die geeignete Person aus einer Vielzahl von Bewerbungen aussuchen konnte, so gibt es mittlerweile mehr Jobangebote als Kandidaten. Im ersten Teil einer dreiteiligen Serie hat Tips mit Iris Schmidt, Landesgeschäftsführerin des AMS Oberösterreich, über ihre Sicht auf diese Entwicklungen gesprochen.

Tips: Was zeichnet attraktive Arbeitgeber besonders aus?
Iris Schmidt: Entscheidend für ein Unternehmen ist seine Reputation – also das Image in der Öffentlichkeit. Verfügt man über Markenqualität und ein klar definiertes Wertesystem, das von Führung und Arbeitskräften gelebt und unterstützt wird, ist man im Recruting-Prozess klar im Vorteil. Stimmt das Arbeitsumfeld und werden Leistung und Eigenverantwortung gefördert und anerkannt, führt dies zu einer nachhaltigen Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen. Bloß ein bisschen Employer Branding zu betreiben, reicht definitiv nicht, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.
Tips: Was muss sich in den Köpfen der Personalverantwortlichen beim Thema Personalsuche ändern?
Iris Schmidt: Ich denke, dass sich die meisten Personalverantwortlichen der aktuellen Herausforderungen bewusst sind. Die Zeiten, in denen es Arbeitskräfte im Überfluss am Markt gab, sind wohl endgültig vorbei. Personalistinnen und Personalisten müssen daher flexibel und schnell auf Veränderungen am Arbeitsmarkt reagieren und viele Faktoren berücksichtigen. Dabei ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen essenziell: Denn nur so können relevante und realistische Anforderungen an neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter identifiziert und kommuniziert werden.
Tips: Suchen jüngere Personen anders nach Jobs, als es bisher üblich war?
Iris Schmidt: Wir bemerken generell einen Trend zu Online-Bewerbungen. Dabei erwarten sich die jungen Bewerberinnen und Bewerber eine rasche Reaktion des Unternehmens. Zu lange Entscheidungswege sind Gift im Recruiting. Generalisierend lässt sich sagen, dass für die junge Generation Werte, Flexibilität, Entwicklungsmöglichkeiten und eine positive Unternehmenskultur zählen – und auch die Entlohnung muss stimmen. Unternehmen, die diese Aspekte berücksichtigen und sich entsprechend positionieren, haben gute Chancen, junge Talente für sich zu gewinnen.
Tips: Welche neuen, innovativen Methoden gibt es im Bereich der Personalsuche?
Iris Schmidt: Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie haben sich neue Formate der Personalsuche entwickelt – zum Beispiel das Video-Recruiting. Für Unternehmen entwickelte und organisiert das AMS OÖ beispielsweise virtuelle Jobmessen und Karrieretage: Unternehmen nehmen dabei an virtuellen Veranstaltungen teil, um mit potenziellen Kandidaten in Kontakt zu treten und sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Daneben bieten wir auch Präsenz- und Hybrid-Veranstaltungen an.
Große Erwartungen setzen wir in das Kompetenzmatching. Dabei verändert sich die Sichtweise sowohl auf die Arbeitskräfte als auch die Arbeitsplätze: Eine Person wird nun nicht mehr anhand seines Lebenslaufs oder formaler Abschlüsse kategorisiert, sondern wird als Mensch mit einem Bündel an unterschiedlichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Fertigkeiten gesehen. Zugleich werden die Arbeitsplätze 'de-konstruiert' und die tatsächlich notwendigen Tätigkeiten und Arbeitsschritte analysiert. Unser Berufsinformationssystem listet 25.000 Kompetenzen für rund 17.500 Berufsbezeichnungen auf. Dabei verfolgen wir eine Open-Source-Strategie, sodass dieses System auch von Unternehmen genutzt werden kann. Ergebnis des Kompetenzmatchings sind konkrete (nach Übereinstimmung in Prozent gereihte) Stellenvorschläge. Darauf aufbauend erfolgt eine direkte Vermittlung oder es werden betriebsnahe Weiterbildungen empfohlen.
Tips: Inwieweit kann die Künstliche Intelligenz dafür genutzt bzw. eingesetzt werden? Nutzt das AMS diese Methoden bereits?
Iris Schmidt: KI bietet bereits zahlreiche Möglichkeiten zur Unterstützung der Personalsuche. Das kann von einer automatisierten Vorauswahl von Bewerbungen bis zur Terminplanung oder zu KI-gestützten Chatbots reichen, die Teile der Kommunikation mit den Bewerberinnen und Bewerbern übernehmen. Das AMS selbst hat zu Jahresbeginn den sogenannten Berufsinfomaten gelauncht. Es handelt sich dabei um einen Chatbot, der Fragen zu Berufen sowie Aus- und Weiterbildung beantwortet und Kompetenzen auflistet. Das Tool ist auf der Website des AMS verfügbar und richtet sich neben Arbeitsuchenden, insbesondere an Eltern, sowie Schülerinnen und Schüler. Der Berufsinfomat ist ein niederschwelliges Informationsangebot, das langfristig auch unsere Beraterinnen und Berater von Routinefragen entlasten soll.


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