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Oberösterreich mit hoher Bedarfsdeckung, aber Druck auf System Zivildienst steigt

Tips LogoKarin Seyringer, 10.04.2026 14:23

OÖ/Ö. Weniger junge Männer, mehr Bedarf an Hilfe: Der Spielraum beim Zivildienst in Österreich wird enger. Oberösterreich steht aktuell noch vergleichsweise gut da.

Bundesministerin Claudia Bauer (Foto: BKA/Valentin Brauneis)
Bundesministerin Claudia Bauer (Foto: BKA/Valentin Brauneis)

Wenn der Rettungswagen ausrückt, im Pflegeheim Unterstützung gebraucht wird oder im Kindergarten zusätzliche Hände fehlen, sind oft Zivildiener im Einsatz. 

Zwar ist das Interesse weiterhin hoch, gleichzeitig steigt durch die demografischen Entwicklungen der Druck auf das System. Das zeigen aktuelle Zahlen für das erste Quartal 2026, die Zivildienstministerin Claudia Bauer (ÖVP) präsentiert hat.

„Deutlich weniger junge Männer“

„Wir haben im Zivildienst noch kein System, das kippt, aber der Druck nimmt zu – und dieser Druck kommt nicht von ungefähr“, so Bauer. „Wir haben heute deutlich weniger junge Männer als noch vor einigen Jahren, gleichzeitig wird unsere Gesellschaft älter – und der Bedarf an Hilfe steigt. Wir sehen ganz klar: Der Spielraum wird kleiner.“

Österreichweit ist der gemeldete Bedarf der Einrichtungen um 6,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025 auf 3.144 gesunken – für das zweite Quartal 2026 ist aber bereits mehr Bedarf gemeldet.

2.792 Zuweisungen gab es (um 8,2 Prozent weniger). 4.986 Zivildiensterklärungen wurden abgegeben, um 500 oder 11,2 Prozent mehr als im ersten Quartal 2025. Die Bedarfsdeckung liegt im Österreich-Schnitt bei 88,8 Prozent, um 1,8 Prozent weniger als im Vorjahresvergleich.

Mit Stand 1. April sind 11.962 Zivildiener im Dienst.

Oberösterreich mit höchster Bedarfsdeckung

2.435 davon sind aktuell in Oberösterreich im Dienst.

Mit einer Bedarfsdeckung von 92,8 Prozent liegt das Bundesland an der Spitze im Österreich-Vergleich.

Im ersten Quartal wurden in OÖ 554 junge Männer zugewiesen – etwas weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig liegt die Zahl der Zivildiensterklärungen mit 1.016 leicht über dem Vergleichszeitraum 2025. Der gemeldete Bedarf der Einrichtungen ist zuletzt leicht gesunken, für das zweite Quartal wird auch in Oberösterreich bereits wieder ein Anstieg erwartet.

Langfristig droht ein Engpass

Besonders deutlich wird die Herausforderung beim Blick in die Zukunft. „Der Zivildienst ist eine tragende Säule unseres Sozialsystems. Es geht nun um die zentrale Frage, wie wir diese tragende Säule Zivildienst aufrechterhalten“, betont Bauer. „2040 werden die zuletzt geborenen Jahrgänge wehrpflichtig sein. Bei ähnlichem Verhältnis zwischen Wehr- und Zivildienst werden uns ab 2040 jährlich 4.000 Zivildiener fehlen. Es geht darum, ob wir in Zukunft genügend helfende Hände für die Profis im Pflege- und Sozialbereich haben, wer die fehlenden Kameraden beim Rettungsdienst und bei der Feuerwehr sein sollen, wer in Kindergarten, Altenbetreuung und Behindertenhilfe Spielkamerad, Zuhörer oder Geschichtenerzähler sein wird“.

Vor diesem Hintergrund plädiert Bauer für eine Verlängerung des Zivildienstes auf 12 Monate, wenn die Wehrpflicht verlängert wird.


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