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Pensionistenverband OÖ übt Kritik an Pflegestrategie „Betreuungsarchitektur 2040“

Tips LogoBrandstetter Olivia, 22.09.2026 12:08

OÖ. Oberösterreich steht bis zum Jahr 2040 vor einem tiefgreifenden demografischen Wandel. Das Land OÖ hat dazu die Pflegestrategie „Betreuungsarchitektur 2040“ entwickelt – mehr Infos hier. Der Pensionistenverband OÖ (PVOÖ) sieht vor allem den Baustein „Sorgende Gemeinschaften“ kritisch.

Kritik an der „Betreuungsarchitektur 2040“ (v. l.): Petra Mies (Bürgermeisterin Gurten), Norbert Höpoltseder (PVOÖ-Landespräsident), Jutta Kepplinger (PVOÖ-Landesgeschäftsführerin) und David Allerstorfer (Bürgermeister Feldkirchen an der Donau) (Foto: PVOÖ)

Bis zum Jahr 2040 könnte die Zahl der über 80-Jährigen laut PVOÖ auf knapp 140.000 Personen ansteigen – nahezu das Doppelte im Vergleich zu 2026. Bereits heute beziehen in Oberösterreich circa 69.600 Personen Pflegegeld, davon rund 37.800 über 80 Jahre.

„Und die Entwicklung bis 2040 bedeutet ja nicht nur mehr ältere Menschen, sondern auch einen deutlich steigenden Bedarf an Pflegepersonal, Pflegeplätzen, mobiler Betreuung und Unterstützung durch pflegende Angehörige“, betont Norbert Höpoltseder, PVOÖ-Landespräsident.

Eigenverantwortung, Angehörige und Ehrenamt

Zwar sei positiv, dass Pflege und Betreuung angesichts der demografischen Entwicklung stärker in den politischen Fokus gerückt würden. Die vorgelegte Strategie aber vermittle den Eindruck, dass „weniger die bestmögliche Versorgung der Menschen als vielmehr die Suche nach möglichst kostengünstigen Lösungen im Mittelpunkt steht“, kritisiert der PVOÖ.

Der Pensionistenverband steht insbesondere der starken Betonung von Eigenverantwortung, Angehörigen und ehrenamtlichem Engagement kritisch gegenüber. 

Aktuell wird in Oberösterreich am Aufbau von „Sorgenden Gemeinschaften“ in den Regionen gearbeitet.

Mehr dazu hier: 34 „Sorgende Gemeinschaften“ in Oberösterreich im Entstehen

Jutta Kepplinger, PVOÖ-Landesgeschäftsführerin, betont: „Freiwilliges Engagement dort, wo es stattfindet, muss von hauptberuflichen Betreuenden begleitet werden. Der Einsatz der Freiwilligen muss koordiniert werden.“

Höpoltseder: „Pflege darf nicht noch mehr auf Freiwillige abgeschoben werden.“ Und weiter: „Das Land zieht sich mit der Betreuungsarchitektur 2040 nicht offiziell aus der Pflege zurück. Aber es besteht die Gefahr, dass die Herausforderungen der Zukunft zunehmend durch private und freiwillige Verantwortung aufgefangen werden soll.“

PVOÖ laut eigenen Angaben nicht eingebunden

Auch kritisiert der Verband, in der Erstellung der Pläne nicht eingebunden gewesen zu sein. „Das Papier wurde erarbeitet, ohne dass wir um Stellungnahme gebeten worden sind“, erklärt Kepplinger. Vor Kurzem sei ein Arbeitskreis veranstaltet worden, dabei seien einige Kritikpunkte des Pensionistenverbandes angesprochen worden. Die Kritik werden sie laut Höpoltseder auch noch an den Landesrat (Anm. Christian Dörfel, ÖVP) weiterleiten. 

Vermisst werden unter anderem auch konkrete Finanzierungsmodelle.  

Bürgermeister über die Lebensrealitäten 

Bei einer Pressekonferenz des PVOÖ betonte Petra Mies, Bürgermeisterin von Gurten, dass sie dazu stehe, dass der Pflegeregress im Jahr 2017 abgeschafft wurde, sie kritisiert aber die fehlende Gegenfinanzierung. „Die Auswirkungen kennen wir. Die Gemeinden werden dadurch massivst belastet und zwar, weil die Umlagen natürlich permanent steigen. Und uns wurde schon prognostiziert, dass es auf 30 Prozent und mehr steigen wird“, fürchtet sie.  

Schon heute zahle die Gemeinde rund 830.000 Euro SHV-Umlage, bei 30 Prozent würde es circa 960.000 Euro entsprechen. Weiters kritisiert sie: „Wir als Nicht-Härteausgleichs-Gemeinde und finanzkräftige Gemeinde stoßen dabei finanziell immer mehr an unsere Grenzen.“

Auch David Allerstorfer, Bürgermeister von Feldkirchen an der Donau, schildert seine Sicht als Bürgermeister: „Wir können ganz nah von den Lebensrealitäten berichten.“ Er spricht dabei unter anderem von folgenden Themen: Was tut sich wirklich vor Ort, was tut sich bei den älteren Leuten, was tut sich bei den Familien. Man spürt laut ihm, dass die Leute eine gewisse Sicherheit haben möchten.

Der PVOÖ fordert eine klare politische und finanzielle Verantwortung des Landes. Pflege dürfe nicht von Angehörigen oder Ehrenamtlichen abhängen. „Wer ein Leben lang gearbeitet hat, muss sich darauf verlassen können, im Alter jene Betreuung und Pflege zu bekommen, die er braucht“, betonen Höpoltseder und Kepplinger.  

Verwunderung bei Sozial-Landesrat Dörfel

Sozial-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) zeigt sich auf Tips-Nachfrage über die Kritik erstaunt: „Ich bin verwundert, dass der Pensionistenverband eine Strategie kritisiert, an der er selbst mitgearbeitet und der er zugestimmt hat.“ Die Menschen wollten so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld leben. „Deshalb stärken wir die Pflege zu Hause, bauen die mobilen Dienste aus und werden die pflegenden Angehörigen entlasten. Damit sichern wir Betten in den Heimen für jene, die eine intensive Pflege benötigen. Insgesamt bringt die Pflegestrategie 2040 eine zukunftsfitte Pflege und Betreuung – bedarfsgerecht, leistbar für den Einzelnen und finanzierbar für die öffentliche Hand.“

Zu den Kritikpunkten sei folgendes festzuhalten: Die „Sorgenden Gemeinschaften“ würden dabei helfen, die Begleitung und Betreuung älterer Personen sicherzustellen. Die mobilen Dienste auszubauen, sei ein gemeinsames Ziel von Land und Bund. „Die konkreten Ausbauziele werden derzeit im Bedarfs- und Entwicklungsplan erarbeitet und stehen Anfang 2027 fest“, heißt es aus dem Büro des Sozial-Landesrates. 

Gleichzeitig bekräftigt Dörfel: „Alt sein, heißt nicht automatisch pflegebedürftig zu sein. Und pflegebedürftig zu sein, bedeutet nicht automatisch, in ein Alten- und Pflegeheim ziehen zu müssen.“ Derzeit wohnen nur circa 15 Prozent der über 85-Jährigen in einem Alten- und Pflegeheim. Dieser Prozentsatz soll mit geeigneten Angeboten für die häusliche Pflege bis 2040 auf zehn Prozent verringert werden. „Dadurch schaffen wir Plätze für jene Menschen, die intensivere Pflege brauchen.“

Der PVOÖ lädt ein: Am Mittwoch, 23. September findet eine Veranstaltung mit dem Titel „Normal bin ich nicht verwirrt – die Welt der Demenz“ im Volkshaus Ebelsberg, Linz, statt. Mehr Infos unter: https://pvoe.at/oberoesterreich/themen/aktuelles/events/detail/normal-bin-ich-nicht-verwirrt-die-welt-der-demenz/


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