Homeoffice bei Uli Böker
OTTENSHEIM. Wie sieht eigentlich der Alltag von Politikern aus, wenn sie vom Homeoffice aus arbeiten müssen? Tips hat bei der Grünen Landtagsabgeordneten Uli Böker nachgefragt.

Tips: Seit wann arbeiten Sie von zuhause aus? Wie kam es dazu?
Uli Böker: Seit fast zwei Wochen habe ich meinen Arbeitsplatz auf meinem Küchentisch eingerichtet, den ich zum Fenster gerückt habe. Also diese außergewöhnliche Situation hat auch eine Veränderung in meinem Wohnraum mit sich gebracht. Alles ist anders in diesen eigenartigen Zeiten.Wir haben gemeinsam beschlossen, alle Arbeiten nach dem Aufruf der Bundesregierung soweit wie möglich von zuhause aus zu erledigen, was in unserem Fall auch ganz gut möglich ist.
Tips: Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Homeoffice bei Ihnen aus?
Böker: Ich bin eine Frühaufsteherin. Mein erster Weg nach dem Badezimmer ist der Weg zum Wasserkocher um mir meinen Schwarztee mit Milch zuzubereiten. Der ruhige Einstieg in den Tag mit meiner täglichen Teestunde gehört ganz alleine mir und dem Nachhängen meiner Gedanken, nicht nur in Homeoffice-Zeiten. Dann beantworte ich Mails und bearbeite Aufgaben, wie derzeit zum Beispiel die Novelle zum Raumordnungsgesetz. Ein Spaziergang am Vormittag bringt ein wenig Struktur und Bewegung in den Tag. Bewegung ist für mich Lebenselexier.Normalerweise fahre ich mit dem Rad zur Arbeit, da dies jetzt ausfällt, gehe ich relativ zügig spazieren. Meistens koche ich mir dann mittags eine Kleinigkeit oder hole mir von der Greisslerei in Ottensheim gutes Eingekochtes. Es wurden auch schon Klubsitzungen in Form von Video-Konferenzen abgehalten. Und da das für mich doch noch ziemlich neu ist, musste ich feststellen, dass das wunderbar geklappt hat und die dafür erforderliche Disziplin dem Verlauf einer Sitzung gut tut.
Tips: Gab es bisher schon Herausforderungen, die das Homeoffice mit sich gebracht hat, die für Sie überraschend gekommen sind?
Böker: Wie gesagt, die ersten Videokonferenzen und vor allem das Einrichten dieser Tools waren schon eine Herausforderung, aber da gab es wunderbare Unterstützung von unserem Administrator.
Tips: Wie erleben Sie die aktuelle Situation? Gibt es etwas, was Ihnen Sorgen bereitet? Gibt es auch Vorteile, die Ihnen vielleicht erst durch diese Zeit aufgefallen sind?
Böker: Ich staune über mich selbst, wie ruhig ich diese Zeit erlebe, da ich grundsätzlich eine sehr aktive, ständig herumwirbelnde Person bin. Ich komme mir vor wie ein heruntergefahrener Rechner, der die notwendigen Arbeiten zwar erledigt, aber ansonsten irgendwie automatisch auf „Slowdown“-Modus geschaltet ist. Das Glück des Sonnenscheins, der Blick von meinem Arbeitsplatz in den Schlosspark, der ruhige, derzeit meist blaue Himmel, wenig motorisierter Verkehr, die Solidarität der Nachbarschaft, die Konzentration auf die Arbeit und vor allem ein Terminkalender der „weiß“ ist, all das entschleunigt sogar mich. Ich wundere mich über mich selbst.
Sorge bereitet mir, dass viele Menschen in dieser Situation einerseits wirtschaftliche, nein existenzielle Sorgen haben, die hoffentlich durch die Unterstützungspakete der Regierung gemildert werden. Ich erlebe dies in meinem unmittelbaren Umfeld, da ich mit sehr vielen EPU´s und Kleinstunternehmer befreundet bin, einige sich auch im familiären Umfeld befinden. Große Probleme gibt es mit der 24-Stunden-Pflege. Auch hier erlebe ich hautnah eine Familie, denen die 24-Stunden-Pflege abhanden gekommen ist, und damit auch psychisch an die Grenze der Belastbarkeit kommen. Aber ich möchte die Gelegenheit auch nützen um all jenen zu danken, die unsere Infrastruktur aufrechterhalten, aber auch den PolitikerInnen, die jetzt auch an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen, auch jene, die in den Krisenstäben arbeiten. Hut ab und ein goßes Danke dafür.
Tips: Wie bleiben Sie mit Ihren Kollegen in Kontakt?
Böker: Mit unserem Referenten telefoniere ich zumindest einmal täglich, um anstehende Aufgaben zu erledigen und Fragen zu beantworten. Mittels Videokonferenzen halten wir die notwendigen Sitzungen und Besprechungen ab. Das Internet ist in einer solchen Situation schon eine gute Unterstützung!
Tips: Was würden Sie sich in der momentanen Situation von den Mitmenschen wünschen?
Böker: Wünschen täte ich mir, dass viele Menschen sich Gedanken darüber machen, ob wir unser Leben nach Corona einfach so fortsetzen können/wollen als sei nichts gewesen, oder ob wir doch das eine oder andere verändern, damit unser Planet, unsere Mutter Erde für uns und unsere Nächsten ein gutes Leben ermöglicht. Die Klimakrise ist im Moment in den Hintergrund gerückt, sie holt uns aber schneller ein, als wir denken. Wir haben jetzt ein Übungsfeld um uns die Frage zu stellen „Was brauche ich wirklich um ein gutes Leben zu führen?“.


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