Corinna Gerard: „Als Mädchen musst du eine starke Persönlichkeit besitzen"
OTTENSHEIM. Corinna Gerard ist seit der Volksschule vom Fußball fasziniert. Nun möchte sie dem Frauenfußball neuen Schwung verleihen.

Tips: Wie sieht es mit dem Frauenfußball in Oberösterreich aus?
Gerard:: Der Frauenfußball in OÖ ist allgemein rückläufig. Die Anzahl der am Meisterschaftsbetrieb teilnehmenden Vereine nimmt entgegen der Prognosen nach der für Österreich erfolgreichen EM 2017 nicht zu, sondern ab. Mit dem SV Garsten musste eine seit 15 Jahren sehr erfolgreiche oberösterreichische Damenmannschaft den Spielbetrieb einstellen, mit der Union Nebelberg und dem LSC Linz ebenso erfolgreiche Teams den Gang in die unteren Ligen antreten. Die noch bis vor ein paar Jahren bestehende Mädchenliga des Verbandes musste wieder eingestellt werden. Kurz gesagt: Die Spitze hat sich im österreichischen Frauenfußball mit Nationalteam und diversen Nachwuchszentren zwar verbessert. Dem Breitensport allerdings mangelt es an Nachwuchs und auch an öffentlicher Unterstützung vom Verband.
Tips: Was ist zu tun?
Gerard: In dieser Situation besteht akuter Handlungsbedarf. Mädchen dürfen aktuell bis 18 Jahre bei den Burschen im Meisterschaftsbetrieb mitspielen. Als generelles Problem sehe ich, dass Mädchen im Volksschulalter häufig Probleme damit haben, sich alleine in Burschenteams zu integrieren. Als Mädchen musst du eine starke Persönlichkeit besitzen, um dich durchzusetzen. Sowohl körperlich als auch kognitiv bestehen zwischen Mädchen und Burschen oft große Unterschiede. Ab zehn Jahren kommt das Problem hinzu, dass sich gemeinsame Interessen und damit die Gesprächsbasis oft sehr stark unterscheiden.
Training beginnt im März
Tips: Wie kann eine Lösung aussehen?
Gerard: Der TSV Ottensheim hat etwa beschlossen, für Mädchen im Volksschulalter zwischen sieben und zwölf Jahren ein regelmäßiges zusätzliches Trainingsangebot zu schaffen. Dieses Angebot wird ausdrücklich für Spielerinnen nicht nur aus Ottensheim, sondern aus den Regionen Linz, Urfahr und dem erweiterten Mühlviertel interessant sein.
Tips: Wie sieht dieses Angebot konkret aus?
Gerard: Spielerinnen der Kampfmannschaft haben sich dazu bereit erklärt, wöchentlich ein reines Mädchentraining abzuhalten, in dem Anfängerinnen, aber auch bereits in die Burschenmannschaften integrierte Mädchen die Möglichkeit haben, im geschützten Bereich Gleichgesinnte zu treffen und vielleicht gemeinsam den Sprung in die männlichen Nachwuchsteams zu schaffen. Die Teilnahme an den Burschenteams soll dadurch nicht ersetzt, aber gefördert werden. Ziel dieser Initiative ist es einerseits, langfristig eine Quote von mindestens fünf Spielerinnen in jedem Nachwuchsteam zu erreichen. Andererseits besteht die langfristige Perspektive, mit einem Mädchenteam an der regulären Nachwuchsmeisterschaft teilzunehmen.
Gerard: Wann beginnt das Programm?
Wenzel: Das wöchentliche Training startet ab März im Stadion Ottensheim. Im Herbst lief bereits ein Probebetrieb in zweiwöchigen Abständen. Bei den Trainings waren immer ungefähr 15 Mädchen dabei. Diese Trainings wurden bislang aber nur im Vereinsumfeld und in der Volksschule Ottensheim bekannt gemacht. Man sieht also, dass starkes Interesse da ist und im Hinblick auf ein Sommercamp eine hohe Teilnehmeranzahl zu erwarten ist.


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