Schritt für Schritt sich selbst näher kommen
SCHWERTBERG. Ohne Erwartungen, aber mit viel guter Laune und offenem Herzen ließ sich eine Gruppe von Schwertbergern auf das Abenteuer Pilgern ein. Schritt für Schritt begab man sich dabei auf die Spuren von Franz Jägerstätter. Zurück kehrte die Gruppe reich beschenkt an Eindrücken, inneren Einsichten und Erlebnissen.

„Pilgern und Wallfahrten – das habe ich früher ehrlich gesagt immer mit körperlichen Mühen und stundenlangen Rosenkranzgebeten verbunden“, erzählt Erika Harringer, eine der Teilnehmerinnen, die sich zum ersten Mal auf eine Pilgerwanderung eingelassen hatten.
Gut, dass sie ihre vorgefasste Meinung geändert hat – der Schritt hinein ins Unbekannte ist wohl immer auch mit dem Verlassen der Komfortzone verbunden. Heute sagt sie: „So eine Pilgerwanderung kann man mit nichts vergleichen. Man wird mit tiefgreifenden seelischen Eindrücken beschenkt und fühlt sich gleichzeitig von der Gruppe getragen. Das gibt Kraft und Energie, die noch lange nach der Rückkehr anhält.“ Doch der Reihe nach. Organisiert worden war die dreitägige Wanderung von Obertrum nach St. Radegund, dem Heimatort des Märtyrers Franz Jägerstätter, von der Katholischen Männerbewegung. Es ergab sich jedoch schließlich, dass nicht nur Männer, sondern auch deren Ehefrauen mit von der Partie waren. Und das war gut so, denn die Gruppe passte in ihrer Zusammensetzung perfekt, wie sich später herausstellen sollte.
20 Kilometer pro Tag
Obwohl Tagesstrecken von rund 20 Kilometern zu bewältigen waren und nicht alle gleich gut geübt im Gehen von derart langen Etappen waren, erreichte man stets das Ziel. „Dieses Aufeinander-Rücksicht-Nehmen ist eines der vielen Geschenke, die man beim Pilgern erhält“, erzählt Reinhard Ronacher. Er hat langjährige Erfahrung im Pilgern und weiß um die Kraft, die darin liegt. Reinhard Kaspar und Wolfgang Bögl bereiteten – gleichsam als „geistige Nahrung und spirituelle Wegzehrung“ – Impulse und Denkanstöße für die Gruppe vor.
Doch natürlich kam auch das Reden zwischen den Teilnehmern nicht zu kurz. „Während so einer langen Wanderung spricht man über ganz andere Dinge als bei einem Treffen im Alltag. Die Gespräche bekommen eine Tiefe, von der man noch lange danach zehrt“, so Ronacher.
Offenbar strahlte die Schwertberger Wandergruppe derart Positives und Harmonisches aus, dass sich auch Fremde der Gruppe anschlossen und mitgingen – bewegend und berührend für alle gleichermaßen. „Das sind genau die Dinge und Begebenheiten, die man im Vorhinein nicht planen kann und die einfach nur wunderschön sind“, sagt Dorothea Kaiser – eine „Wiederholungstäterin“ beim Pilgern.
Jägerstätter-Töchter dabei
Gänsehautstimmung herrschte bei einer Abschlussmesse in der Pfarrkirche St. Radegund, an der auch die Töchter von Franz Jägerstätter teilnahmen. „Wir waren alle so bewegt – dieses gemeinsame Erlebnis ging richtig unter die Haut“, erinnert sich Harringer.
Ob sie wieder einmal einen derart langen Fußmarsch im Zuge einer Pilgerwanderung auf sich nehmen wolle? „Auf jeden Fall. Besonders in der letzten Etappe überkam uns eine Energie und eine Gruppendynamik, die man nicht mit Worten beschreiben kann.“
Die braucht es im Übrigen auch nicht, wenn man den Glanz in ihren Augen gesehen hat.


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