Bewegende Filmvorführung mit Zeitzeugengespräch
SCHWERTBERG. Berührende Momente gestern bei der Abschlussveranstaltung des viertägigen 7. Internationalen Menschenrechtesymposiums: Tief bewegt vom Film „Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“, den sie selbst viele Jahre nicht mehr gesehen hatte, fehlten Anna Hackl beim anschließenden Zeitzeugengespräch anfangs fast die Worte.

Viele hundert Male hatte Anna Hackl schon vor Publikum über ihre Erinnerungen an die schreckliche „Mühlviertler Hasenjagd“ gesprochen. Doch als sie am Sonntag nach langer Zeit wieder den Film „Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“ sah, schien alles wieder ganz frisch. Hackl, die im Film als damals 14-jährige Nani zu sehen war, rang nach Filmende sichtlich ergriffen um Worte.
Regisseur berichtete von Entstehungsgeschichte des Films
Gut, dass Regisseur Andreas Gruber beim anschließenden Live-Gespräch als erster von Julia Beyerl, die mit enorm viel Gespür und Feingefühl durch die Veranstaltung führte, interviewt wurde. Gruber berichtete von der Entstehungsgeschichte des Films. Dieser wäre wohl nie entstanden, hätte er nicht zufällig im ORF-Archiv einen Zettel, auf dem die erschütternden Geschehnisse rund um die so genannte „Mühlviertler Hasenjagd“ grob umrissen waren, gesehen. Ab diesem Zeitpunkt sollte es weitere zehn Jahre dauern, bis der Film tatsächlich gedreht wurde. 1994 kam er in die Kinos.
Drei Monate enorme Angst ausgestanden
Anna Hackl berichtete im anschließenden Zeitzeugengespräch vom Gefühl der beklemmenden Angst, mit der die Familie während der drei Monate, in denen man die beiden russischen KZ-Gefangenen versteckt hatte, lebte. All die schrecklichen Eindrücke dieser Zeit, seien in ihr wieder hochgekommen, als sie nun den Film sah, sagte Hackl. „Ein Krieg ist das Furchtbarste, was man sich vorstellen kann.“
Berührend waren auch Hackls Schilderungen von der Reise ihrer Mutter nach Russland, wo sie die Mutter eines der beiden Geretteten kennenlernte. „Des Weibi hätt` mi fast erdrückt“, soll Maria Langthaler immer wieder zuhause erzählt haben – so fest hatte die Russin die zarte Mühlviertler Bäuerin vor Dankbarkeit immer wieder umarmt.
Standing Ovations
Das Interesse des Publikums an der Veranstaltung war sehr groß. Sogar zusätzliche Sessel mussten geholt werden, weil sich der Pfarrsaal rasch gefüllt hatte. Auch im Publikum war die Betroffenheit deutlich spürbar. In manchen Momenten hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Am Ende war das Bedürfnis nach Beifall und lautem Klatschen aber größer als jenes nach Stille: Es gab Standing Ovations für alle Mitwirkenden. Im Besonderen aber wohl für Frau Hackl.


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