„Gott liebt seine Geschöpfe und zwar alle, er macht keine Unterschiede“
OÖ. Der Valentinstag am 14. Februar ist für viele Menschen ein besonderes Datum. Tips hat vor dem Gedenktag für den Schutzpatron der Liebenden Franz Harant zum Gespräch gebeten. Der 70-Jährige ist Priester, Ehe-, Familien- und Lebensberater und setzt sich als Leiter der Regenbogenpastoral Österreich besonders für die Inklusion queerer Paare in der Kirche ein.

Tips: Gerade in einer Zeit, die von verschiedensten Krisen geprägt ist: Was bedeutet dieser Tag für die Menschen?
Harant: Der Valentinstag bedeutet auch in bedrängter Zeit, dass es unter den Menschen Freundschaft, Zärtlichkeit und Liebe gibt. Trotz aller Bedrohungen im Großen und Kleinen braucht es den Blick auf das, was im Leben gut tut und das Miteinander gestalten hilft.
Tips: Sie waren 25 Jahre Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger der Diözese Linz und haben auch Vorträge und Seminare zum Thema Beziehung gehalten. Was sollten sich die Paare am Valentinstag vornehmen
Harant: Am Valentinstag könnten Paare vielleicht bewusster als sonst einander in den Blick nehmen, auch durch alle Lebenstrübungen hindurch. Es tut der Beziehung gut, belebt und stärkt sie, wenn Partner einander ihr Wohlwollen ausdrücken. Das kann in kleinen Geschenken und Wohltaten sinnlich wahrnehmbar werden. Wohltuend können auch Worte sein, mit denen die Partner einander sagen, was sie aneinander besonders schätzen.
Tips: Die Ehe ist noch immer eine beliebte Institution, allerdings heiraten viele Paare nicht mehr kirchlich. Woran liegt das und was kann die Kirche beitragen, damit der kirchliche Segen wieder mehr Bedeutung erlangt?
Harant: Ja, die Ehe als Lebensform auf Dauer ist besser als ihr Ruf. Die Sehnsucht der Menschen geht in Richtung Verlässlichkeit. Ob jedoch ein Paar sein Miteinander auch in einer religiösen Feier vor Gott verbindlich macht, ist dessen Entscheidung. Die Sehnsucht nach Segen ist bei vielen hetero- und homosexuellen Paaren trotzdem gegeben. Die Kirche kann Gottes begleitendes Wohlwollen, seinen allzeit und für alle vorhandenen Segen zusprechen. Sie tut es auch, in den vergangenen 20 Jahren sogar deutlicher und auf neue Weise rund um den Valentinstag.
Tips: Liebesbeziehungen zwischen Menschen gleichen Geschlechtes waren lange in der Katholischen Kirche ein Tabu. Als Leiter der Regenbogenpastoral treten Sie für die Inklusion und Gleichberechtigung der LGBTIQ-Community in der Kirche ein. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Harant: Weil es mir und vielen in der Kirche um den Menschen geht. Jeder Mensch findet sich so vor, wie auch immer er ist. Gott liebt seine Geschöpfe – und zwar alle. Gott macht keine Fehler, er macht Unterschiede und er liebt diese Unterschiede. Bis alle Menschen, die das wollen, sich in der Kirche beheimatet fühlen, braucht es Initiativen wie sie in der Regenbogenpastoral Österreich (www.regenbogenpastoral.at) vernetzt sind.
Tips: Sollten diese Paare neben einer staatlich anerkannten Ehe auch in der Kirche gesegnet werden?
Harant: Dass gleichgeschlechtliche Paare vor dem Staat durch eine eingetragene Partnerschaft oder durch eine zivile Ehe eine öffentliche Willenserklärung abgeben und damit eine verbindliche Partnerschaft begründen, ist mit Respekt zur Kenntnis zu nehmen. Es ist anzunehmen, dass im gemeinsamen Leben der Partner sittlich Gutes da ist, wie zum Beispiel Liebe, Treue, Fürsorge, Verantwortung, Verpflichtung. Dieses Gute verdient Gutheißung und ist, wo Glauben ins Spiel kommt, segenswürdig. In einer Segensfeier wird um Gottes Segen gebeten für eine gelingende Zukunft von etwas, das es bereits gibt.
Tips:Mit dieser Sichtweise ernten Sie sicher nicht immer nur Beifall? Oder erfindet sich die Kirche gerade neu?
Harant: Die Kirche befindet sich tatsächlich in einer neuen Suchbewegung. Sie schreitet bereits vorwärts, wenn auch immer noch in sehr kleinen Schritten. Doch der begonnene Weg geht in die richtige Richtung. Alle sind eingeladen, diesen mitzugehen. Ich behaupte, so viel Anfang war noch nie.
Tips:Abschließend würden wir Sie allen Liebenden gegenüber um ein paar Worte bitten, die Sie den Leser-Paaren mitgeben möchten.
Harant: Schauen Sie auf das, was Sie aneinander und miteinander Gutes haben. Sprechen Sie das auch hin und wieder aus. Der Valentinstag ist ein Erinnerungstag an die Liebe, die zwischen Ihnen vorhanden ist, auch wenn sie möglicherweise aktuell mit Beziehungsmüll zugeschüttet ist. Um diesen Müll wegzuräumen, können Sie sich kompetente Hilfe in einer der Beratungsstellen (beziehungsleben.at) holen. Sie könnten sich am oder rund um den Valentinstag einen „Abend für uns!“ gönnen. Vieles kann eine Liebeserklärung sein, die ausdrückt: „Du bist für mich wertvoll!“ Bedenken Sie, Beziehung braucht Blumen – und mehr! Vielleicht auch den Besuch eines Valentins-Gottesdienstes.
Zur Person Franz Harant:
Konsistorialrat Franz Harant ist Kurat im Dekanat Linz-Mitte und er feierte am 8. Februar seinen 70er. Der gebürtige Saalfeldener ist in Frankenmarkt und Timelkam aufgewachsen. Er ist gelernter Einzelhandelskaufmann und machte nach sechsjähriger kaufmännischer Tätigkeit die Ausbildung zum Religionslehrer. Nach drei Berufsjahren als Religionslehrer in Wolfsegg trat Harant im Linzer Priesterseminar ein, absolvierte an der Universität Salzburg die Berufsreifeprüfung und studierte in Linz Theologie. 1986 wurde er zum Priester geweiht. Anschließend war er Kooperator in Lenzing, Ebensee und Wels-Hl. Familie sowie von 1989 bis 2014 Pfarradministrator (bis 1993) und Pfarrer in Pasching. Als Kurat war er als Liturge in den Pfarren Linz-St. Magdalena, Linz-St. Markus, Treffling sowie Hagenberg eingesetzt.
Seit ein paar Jahren leitet er Sonn- und Feiertagsgottesdienste in Puchberg, Bad Kreuzen, Pabneukirchen als auch in St. Thomas am Blasenstein. Pfarrer Franz Harant machte neben seiner priesterlichen Tätigkeit die Ausbildung zum Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberater, als der er seit 1993 im Zentrum BEZIEHUNGLEBEN.AT Beratungen anbietet. Zudem ist er Bildungsreferent im Bereich Beziehung, Ehe und Familie. Von 1995 bis 2020 war er Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger der Diözese Linz und ist noch Geistlicher Assistent des Forums Beziehung, Ehe und Familie der Kath. Aktion Österreich. Einige Jahre war er auch Mitglied der Familienkommission der Österreichischen Bischofskonferenz. Seit 2000 ist er in der REGENBOGENPASTORAL ÖSTERREICH aktiv, die er seit 2015 leitet.


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