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Ausgebrannt: „Es darf einfach kein Tabu sein, wenn man es mal nicht mehr schafft“

Michaela Primessnig, 24.05.2024 10:38

MAUTHAUSEN. Die Diagnose „Burn-out“ gehört immer mehr zu den Volkskrankheiten in unserer Gesellschaft. Doch nur die wenigsten reden öffentlich über ihren Zusammenbruch. Sabine Winklehner musste vor drei Jahren aussteigen aus ihrem Berufsalltag. Die 41-Jährige will nun anderen Betroffenen Mut machen, sich rechtzeitig Hilfe zu suchen.

  1 / 2   Sabine Winklehner verrät gegenüber den Tips-Lesern, wie sie es wieder zurück ins Leben geschafft hat. (Foto: privat)

Angefangen hat auch bei Sabine Winklehner alles mit einem ständigen Erschöpfungszustand. Wie bei vielen ihrer Leidgenossen. Zu viel Stress. Die Folge war ein dreiwöchiger Krankenstand. „Ich dachte dann, es geht eh wieder und ich wollte die Kollegen nicht hängen lassen. Das war ein großer Fehler. Das ist vor allem schwierig, wenn man nicht egoistisch ist“, weiß Sabine Winklehner heute. Die Symptome sind immer stärker geworden. „Irgendwann konnte ich nicht mehr reden, nicht mehr zuhören, mich nicht mehr konzentrieren, alles war nur mehr anstrengend. Ich hatte an nichts mehr Freude, mir war einfach alles zu viel.“ Die studierte Sozialarbeiterin fasste schließlich einen wichtigen Entschluss und einigte sich mit ihrem Arbeitgeber auf eine einvernehmliche Kündigung. „Ich wollte einfach frei sein. Ich wusste, ich muss mir jetzt die nötige Zeit nehmen, sonst komm ich da nicht mehr raus“, erinnert sich Winklehner.

Der lange Weg zurück

Der nächste Schritt war nicht einfach. „Ich habe dann alle sozialen Kontakte gecancelt. Es ging einfach nicht anders. Selbst ein Spaziergang war für mich anstrengend. Ich musste wieder ganz klein anfangen. Und dazu gehört am Anfang Abstand. Mich hat so vieles ausgesaugt. Gerade wenn man ein feinfühliger Mensch ist, lässt man oft zu vieles zu. Ich musste es erst lernen, mich abzugrenzen“, weiß die überaus selbstreflektierte Mauthausenerin heute.

Hilfe nutzen, Neues wagen

Eine wichtige Unterstützung auf dem Weg zurück war für Sabine Winklehner auf jeden Fall die regelmäßige Psychotherapie. „Wir haben uns darauf verständigt, dass wir es ohne Tabletten probieren. Das war für mich schon wichtig. Und mit der Zeit sind auch die Schlafprobleme besser geworden. Nach und nach hab ich wieder kleiner Hausrunden unternommen.“ Zusätzliche Hilfe brachte ihr die Anwendung des Bochumer Gesundheitstrainings, eine Methode, die vor allem dabei unterstützt , den Alltag wieder besser zu meistern. „Es dauert seine Zeit, bis man wieder ‚normal‘ wird. Dann geht es eines Tages auch wieder darum, in die Gesellschaft zurückzukehren. Dabei geht es dann schon darum, dass man herausfindet: Was will ich eigentlich? Und darauf muss man hören“, betont Sabine ganz klar. Mithilfe der Anwendung des Emotionscodes hat die 41-Jährige alte Lasten beseitigen können.

Schritt in die Selbstständigkeit

Heute wendet sie diese Techniken auch bei anderen an und hat sich selbstständig gemacht. „Diese Methode hat mir geholfen, aus dem Gedankenkarussell rauszukommen und bei der Ausbildung habe ich schnell gemerkt, dass ich andere auch unterstützen kann. Wer hätte das gedacht, dass ich mir das zutraue“, lacht Winklehner. Auf ihrer Webseite www.frei-werden.at kann man sich über ihr Angebot informieren.

„Eigentlich bin ich heute dankbar, dass ich das Burn-out hatte, denn nur so habe ich mich so kennengelernt, wie ich es sonst nicht hätte können. Jetzt will ich auch andere ermutigen, dass sie mehr auf sich horchen, denn nur das zählt letztendlich.“


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