Wo das Pferd noch pflügt – Das außergewöhnliche Hofleben von Jacqueline und Benjamin Allmer
„ST. GEORGEN/WALDE. Idyllisch an der Grenze zwischen Mühl- und Waldviertel liegt der Allmerhof in Kronberg in St. Georgen am Walde. Das Leben, das Jacqueline und Benjamin Allmer hier führen, mag für viele altmodisch oder ungewöhnlich erscheinen – für sie ist es jedoch „das einzig Richtige“.

Um einmal von ganz vorne anzufangen: Wie fanden der Steirer Benjamin Allmer und seine sympathische Jacqueline überhaupt zusammen? Es mag wie aus einem Märchenbuch klingen: Benjamin Allmer absolvierte in einer Haubenküche in Vorarlberg seine Lehre zum Koch. Sein damaliger Chef war seiner Zeit voraus und legte bereits besonders großen Wert auf hochwertige und natürliche Lebensmittel. So begann auch Benjamin Allmer sich intensiv mit Lebensmitteln und ihrer Herkunft auseinanderzusetzen. Schnell erkannte er, dass er sich um gesunde Lebensmittel am besten selbst kümmern sollte – daraus entstand sein Berufswunsch, Bauer zu werden. Zunächst führte ihn sein Weg als Stallknecht auf einen Hof im Weinviertel – genau dort arbeitete Jacqueline als Stallmädchen.
Kleinbäuerliche Selbstversorgung – Das Herzstück des Allmerhofs
Neben Jacquelines und Benjamins Liebe wuchs auch der Wunsch, ihren Traum einer eigenen Landwirtschaft zu verwirklichen. Nach einem Wanderritt durch das Mühlviertel wurden sie mithilfe einiger Kontakte schließlich auf den kleinen Hof in Kronberg aufmerksam. Etwa fünf Hektar bewirtschaften Jacqueline und Benjamin Allmer hier. „Wir betreiben Landwirtschaft auf unsere ganz eigene Weise – anders als konventionelle Betriebe“, betont Benjamin Allmer. Ihr Fokus liegt auf kleinbäuerlicher Selbstversorgung. Die Lebensmittel der Allmers stammen vorwiegend von den Hofziegen, den eigenen Hühnern und Laufenten sowie aus dem Selbstversorgergarten. Auch die vier Pferde auf dem Allmerhof spielen eine zentrale Rolle: Wo anders Traktoren und Maschinen zum Einsatz kommen, übernehmen hier die majestätischen Vierbeiner Aufgaben wie Pflügen, Eggen, Mähen oder Aufzetteln.
Pferd statt Maschine
Warum das Pferd als Arbeitskraft auf dem Allmerhof so gut funktioniert? „Pferde können ihre Arbeit richtig genießen und nehmen sie auch dankbar an“, erklärt Hofherr Benjamin, der nebenbei auch als Hufschmied tätig ist. „Pferde wollen nicht den ganzen Tag stehen. Man merkt deutlich, wie sehr sie sich jetzt auf das Frühjahr freuen. Sie sind stolz auf ihre Arbeit und möchten uns auch zufriedenstellen.“ Eine Schattenseite dieser traditionellen Bewirtschaftung, wie sie die Allmers ähnlich den Bauern vor 100 Jahren praktizieren: „Natürlich brauchen wir viel länger für unsere Arbeiten“, erzählt Jacqueline. „An einem Tag mähen wir etwa einen halben Hektar – andere Bauern schaffen in derselben Zeit fünf Hektar.“ Diese Zeit nehmen sich die Allmers jedoch bewusst und gerne.
Nachhaltigkeit auf jedem Meter
Ein Besuch am Allmerhof gleicht einer Reise in die Vergangenheit: Nicht nur, dass hier noch wie vor 100 Jahren landwirtschaftlich gearbeitet wird, Jacqueline und Benjamin lehnen auch in vielen anderen Bereichen die moderne Schnelllebigkeit ab und setzten auf ein bewusstes Handeln für Natur und Boden. „Waschmittel, Körperpflegeprodukte und Spülmittel sind bei uns naturbasiert und innerhalb von 24 Stunden nicht mehr im Boden nachweisbar“, erklärt Jacqueline. Die gebürtige Weinviertlerin erzählt zudem, dass sie seit Jahren ausschließlich Second-Hand-Kleidung trägt: „Wir wollen Müll reduzieren und damit die Umweltverschmutzung verringern. Viele Menschen sortieren Kleidung aus, die sie nie getragen haben.“
Wissen weitergeben – Kleine Schritte, große Wirkung
Auch wenn sich die meisten Menschen ein Leben wie das von Jacqueline und Benjamin Allmer nicht vorstellen können, legen sie großen Wert darauf, ihr Wissen weiterzugeben. Auf ihrem Hof finden unter anderem Workshops zur Hufbearbeitung, zum Schmieden, zum Sensenmähen und Dengeln sowie zur Kräuterkunde oder zum Korbwickeln statt. Am Samstag, 16. und Sonntag, 17. Mai, laden die Allmers außerdem zu einem Jungpflanzen-Markt ein, dessen Programmhöhepunkt ein Schaupflügen jeweils um 10 und 14 Uhr sein wird. „Ich beziehe die Pflanzensorten für den Markt von einem Biobauern – alles was übrigbleibt, setze ich selbst an“, erklärt Jacqueline Allmer.
„Es ist unser großes Ziel und zugleich unsere Leidenschaft Menschen zu inspirieren. Wenn sie nur eine kleine Veränderung in ihrem Alltag vornehmen – zum Beispiel beim Konsum von Kleidung – macht uns das bereits glücklich“, erklärt Jacqueline Allmer. „Es bestärkt uns zudem, wenn jemand sagt: ‚Das ist toll, was ihr da macht.‘“


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