Raiffeisenbank will Bankstelle schließen: Allerheiligen wehrt sich
ALLERHEILIGEN. Am Donnerstagabend lud Bürgermeister Berthold Baumgartner zu einem Infoabend im ehemaligen Gasthaus „Zum Mühlviertelblick“, um mit der Bevölkerung über die Schließungspläne der Raiffeisenbank Perg zu diskutieren. Erst seit wenigen Wochen ist das Vorhaben der Regionalbank bekannt. Rund 100 besorgte Allerheiligener sind der Einladung gefolgt und viele davon machten dort ihrem Unmut über den gefühlten „Kahlschlag“ im Ort Luft.

Ende März machte das Gerücht wieder die Runde, die Raiffeisenbank Perg wolle in Allerheiligen und auch in den Gemeinden Rechberg und Windhaag die örtlichen Bankstellen schließen. Im April wurden die Pläne auch von den Vertretern der Raiffeisenbank Perg bei einem Jahresgespräch mit der Gemeinde bestätigt. Fix ist aber noch nichts. Das Vorhaben muss auch erst vom Aufsichtsrat abgesegnet werden. Grund genug für Bürgermeister Berthold Baumgartner noch vor der nächsten Aufsichtsratssitzung eine Bürgerversammlung einzuberufen, das Motto: „Wir wehren uns“.
Der Ortschef brachte es gleich in seinem Eingangsstatement auf den Punkt: „Wir sehen es als Kahlschlag, während das in anderen Regionen anders ist. Auf der Mühlviertler Alm haben sie Öffnungszeiten, von denen wir nur träumen können.“ Dass man jetzt auch noch plane, die letzte Öffnungszeit von drei Stunden am Montagnachmittag zu streichen, kann er nicht nachvollziehen. „Da geht es ja auch um Kundenbindung, die immer das Alleinstellungsmerkmal der Bank war. Und es kommen im Durchschnitt an diesem Tag auch rund 26 Personen, wir brauchen den Schalter.“
Verhalten der Kunden habe sich verändert
Zum Infoabend kamen auch Raiffeisenbank Perg-Chef Klaus Drabek und seine Kollegen Daniel Ebenhofer und Stefan Klausberger. „Ich bin gerne gekommen, weil ich den Dialog wichtig finde“, so Drabek. Als Hauptargument für die geplante Schließung nannte Drabek nicht wirtschaftliche Gründe, sondern die Tatsache, dass sich das Verhalten der Kunden in den vergangenen Jahren dynamischer als vielleicht vorhergesehen verändert habe. Das Alltagsgeschäft würde der größte Teil der Kunden online oder am Automaten abwickeln, vielmehr sei aber das Expertenwissen von Spezialisten oft gefragt und die intensive Beratung bei Finanzierungen, Übergaben, uvm. „Es geht uns um die beste Unterstützung unserer Kunden bei Finanzdienstleistungen. Das kann man da am Schalter nicht anbieten und dafür fahren die Kunden auch gerne ein paar Kilometer.“
Drabek zeigte großes Verständnis für die sichtlich enttäuschten Bürger. „Ich muss aber auch klarstellen, dass wir als Regionalbank deswegen so erfolgreich sind, weil wir immer in die Zukunft blicken. Ich bin für 47.000 Kunden verantwortlich und für fast 2 Milliarden Euro Kundengelder, da muss man vorausschauend handeln und das tun wir auch. Wir wollen aber auch in dieser Situation mit allen das Gespräch suchen, die bisher zum Schalter gingen, um nach Lösungen für ihre Bedürfnisse zu suchen.“
„Ältere Generation wird vergessen“
Wie diese Lösungen aussehen werden und wie der Zeitplan für die geplante Schließungswelle aussehe, konnte Drabek nicht beantworten, das sei jetzt ein Vorschlag, der aber auch erst vom Aufsichtsrat beschlossen werden müsse. Erst dann könne man von einem Zeitplan reden und wie die Räumlichkeiten nachgenutzt werden können. Auch hier möchte man die Bevölkerung einbinden und schauen, dass man wieder Frequenz ins Zentrum bringen kann. „Wir wollen hier keine Ruine hinterlassen, sondern berücksichtigen, was es bei euch sonst braucht.“
Sichtlich bewegt meldete sich Annemarie Voggenberger zu Wort: „Ihr denkt nicht an die Älteren, auch ihr werdet einmal alt, wie kommt man dann zur Bank? Ihr müsst auch an eure Zukunft denken, wir brauchen auch den persönlichen Kontakt und wollen nicht zu einem Blechtrottel gehen.“ Mit dem Blechtrottel meinte die erregte ältere Damen den Bankomaten, der wie Drabek versichert, in Allerheiligen bleiben wird. Weitere Wortmeldungen der Diskussionsteilnehmer machten sichtbar, dass man sich mit den Plänen nicht anfreunden kann und auch die Gründe nicht nachvollziehbar sind. Da gab auch der eine oder andere zu Bedenken: „Wenn wir dann keine Bankstelle vor Ort haben, wird der eine oder andere vielleicht seine Entscheidung für die Raiba überdenken. Die Nachhaltigkeit ist da nicht mehr zu erkennen und den Genossenschaftsgedanken erkennt man da auch nicht mehr.“
Ein Hoffnungsschimmer bleibt
Roland Hinterberger, der den Abend im Namen der Gemeinde moderierte, hat zum Schluss der durchaus emotionsbetonten Veranstaltung dann doch auch noch ein bisschen Hoffnung in die Runde gestreut. Unterstützt wurde er dabei von Bürgermeister Berthold Baumgartner, der nochmal an die Vertreter der Raiffeisenbank Perg appellierte, die Entscheidung nochmal zu überdenken bzw. vielleicht zeitlich zu verschieben. „Vielleicht kann man uns noch ein paar Jahre Zeit geben. Uns ist bewusst, dass sich mit der Digitalisierung vieles ändert und auch noch weiter ändern wird, aber der Zeitpunkt für die Schließung ist einfach zu früh.“
Raiba-Chef Klaus Drabek bedankte sich für die Offenheit bei den Leuten. „Ich bitte aber auch um Verständnis, wir müssen auch die Strategie für eine erfolgreiche Zukunft der Bank im Auge behalten.“ Man werde aber sicher nochmal drüber nachdenken und beraten, wie es weitergeht. Mit den Sorgen der Kunden konfrontiert könnte das auch heißen, dass man die Strategie nochmal anpassen wird, zumindest erhofft sich das die Bevölkerung in Allerheiligen, damit nicht eine der letzten wenigen wichtigen Institutionen im Ort auch noch wegbricht.


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13.05.2023 14:35
Aalglatte Profitgier
Wieso erstaunt es mich nicht, wenn ich die nichtssagenden Worthülsen dieses Bankers lese? Der Dialog wäre ihm wichtig...genau! Am liebsten hätte er ja selbst so einen Infoabend initiíert, wie ihn dankenswerter Weise der Herr Bürgermeister organisiert hat. Man könne intensive Beratungen wie zB für Finanzierung nicht am Schalter anbieten...wie bitte? Soll das heißen, dass man Jahre und Jahrzehnte zuvor vor Ort nur recht und schlecht beraten hat? Und jetzt erst entdeckt die Bank ihr Defizit in der Qualität des Kundendienstes? Er wollen mit ALLEN das Gespräch suchen...stell ich mir etwas aufwändig vor. Allerdings meint Drabek diese Floskel eh nicht ernst. Sonst hätte er das "Gespräch" schon im Vorfeld gesucht. Die "Verantwortung" über die 2 Milliarden Kundengelder ist ihm da doch wichtiger, als die kleine Minderheit der Allerheiligener Kunden unter den insgesamt 47.000. Im Prinzip könnte man sich derartige Veranstaltungen ersparen (obwohl ich sie wichtig und bürgernah empfinde), da die Entscheidung wohl schon im Vorfeld gefallen ist, die verklausulierten und picksüß geschwafelten Worte ohnedies mehr eine Verhöhnung der Betroffenen sind. Was im Jahre 1900 fürs Allgemeinwohl gegründet wurde, pervertiert jetzt ein knallhartes System, dem der Genossenschaftsgedanke schon lange abhanden gekommen ist.