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PEUERBACH/BRUCK-WAASEN/STEEGEN. Nach monatelangen Diskussionen haben sie „Ja“ zueinander gesagt. Bruck-Waasen und Peuerbach feierten am Sonntag „Hochzeit“ und werden in Zukunft den Weg als große Gemeinde Peuerbach gemeinsam bestreiten. Aber das Liebesglück scheint getrübt: Die Mehrheit der Bürger in der Gemeinde Steegen sprach sich gegen eine Fusion aus und macht aus der Region nun eine große „Patchworkfamilie“.

Die Gemeinden der Bürgermeister Peter Sattlberger und Wolfgang Oberlehner werden eins - Herbert Lehner und sein Steegen bleiben eigenständig.

Enttäuschte Gesichter neben freudestrahlenden, rege Diskussionen zwischen Gegnern und Befürwortern - das Bild scheint nach der Verkündung des offiziellen Wahlergebnisses am 6. November im Schlosshof Peuerbach dasselbe wie die Monate zuvor zu sein: die Gemeinden sind meinungsmäßig gespalten. Applaus kam kurz nach 15 Uhr, als alle Blicke gespannt auf die Leinwand mit dem Wahlergebnis gerichtet waren, aus Steegen, ein Raunen war von einigen Bürgern aus Bruck-Waasen zu vernehmen. Ein klare Angelegenheit war die Wahl in Peuerbach. Hier stimmten mehr als 92 Prozent für eine Fusion. Eindeutig knapper entschieden die Gemeindebürger in Bruck-Waasen: 53 Personen mehr machten hier ihr Kreuzerl bei „Ja“ als bei „Nein“. Die frisch vermählten Orte Bruck-Waasen und Peuerbach haben nun ein Stiefkind namens Steegen, wo sich 56 Prozent der Wähler gegen einen Zusammenschluss aussprachen. „Das denkbar schlechteste Ergebnis“, wie Gerlinde Stöbich, Beraterin der Gemeinden in Sachen Fusion, bereits im Vorfeld der Wahl zum möglichen Zusammenschluss von nur zwei Gemeinden meinte. „Zum einen bin ich glücklich, dass Peuerbach und Bruck-Waasen zusammengehen, da hier die meisten Potenziale sind. Beide sind gut aufgestellte und gut entwickelte Gemeinden. Es wird enorm viel Aufschwung bringen. Mein weinendes Auge blickt auf Steegen, denn die schöne Gemeinschaft könnte nun etwas leiden und die Entwicklung Steegens nun etwas gebremst werden. Aber die Bereitschaft aus Steegen ist da, weiterhin zusammenzuarbeiten. Das ist gut“, meint Stöbich. Von einem Rückschritt in der Entwicklung seiner Gemeinde will Bürgermeister Herbert Lehner nichts wissen, der zugibt, froh über das Ergebnis zu sein. Auch wenn Steegen eigenständig bleibt, solle das „Familienglück“ mit Peuerbach und Bruck-Waasen nicht darunter leiden. „Ich hoffe, dass es mit der Zusammenarbeit so weitergeht, wie es auch bisher zu dritt war. Es werden sich sicher noch mehr Bereiche ergeben, wo wir zusammenarbeiten können. Das war auch immer mein Ansatz. Mehr Zusammenarbeit ja, aber nicht gleich zusammenlegen. Natürlich bin ich auch froh über das Ergebnis, ich habe dafür gekämpft und viel Herzblut hineingesteckt. Einen Entwicklungsrückschritt kann ich mir nicht vorstellen. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Wenn eine Wirtschaftsflaute kommt, betrifft es sowieso alle, ansonsten brauchen wir keine Angst haben.“

Neue Gemeinde ab 2018

Zurzeit sind sie noch zu zweit, Peter Sattlberger und Wolfgang Oberlehner. Ab 1. Jänner 2018 wird die neue und größere Gemeinde Peuerbach mit zirka 4500 Einwohnern nur noch einen Ortschef haben. Ob es einer der beiden wird, oder wer sich der Neuwahl stellen wird, ist derzeit noch unklar, dennoch sehen sie positiv in die Zukunft der Region. „Es ist das bessere 2:1 herausgekommen. Wir werden die nächsten Jahre zu einer starken Gemeinde zusammenwachsen und glauben, dass der Pferdefuß, den wir jetzt noch haben, in Zukunft auch Geschichte sein wird“, meint Wolfgang Oberlehner zum Ergebnis und dem „Nein“ von Steegen. Peter Sattlberger erklärt: „Es ist das eingetreten, was wir befürchtet haben. Dass Steegen mit dieser Vorgehensweise in eine negative Stimmung gebracht wurde. Aber es gibt ein Morgen und wir werden versuchen ordentlich zusammenzuarbeiten. Wir können nun als große Gemeinde Peuerbach an einem Strang ziehen.“ Von Seiten der Lenkungsgruppe, die sich seit Jänner diesen Jahres intensiv mit der Fusion beschäftigte, heißt es: „Es überwiegt die Freude über den Zusammenschluss mit Bruck-Waasen als die Enttäuschung über Steegen. Man muss aber schon aufzeigen, dass Steegen bei der Infrastruktur von Bruck-Waasen und Peuerbach nicht nur profitieren kann, sondern, wenn sie auch Vorteile haben wollen, mitzahlen müssen. Das vergiftete Klima ist schwierig wieder hinzubiegen“, meint Lenkungsgruppenmitglied Hans Prodinger aus Peuerbach.

Stimmen aus der Bevölkerung:

„Es daugt mir voll, ich stehe dazu. Aber nun wird es ein politisches Chaos geben, denn es wurden nie Zahlen präsentiert, die für zwei Gemeinden ausgelegt sind“ - ein Bürger aus Bruck-Waasen

„Für uns wird es nicht einfach, es ist ein komplett negatives Ergebnis auch für die Jugend“ - ein Bürger aus Steegen

„Es ist schon ein bisschen Enttäuschung dabei, weil es so knapp war. Aber so ist die Demokratie aber natürlich ist es auch das denkbar schlechteste Ergebnis“ - ein Bürger aus Bruck-Waasen

Wahlergebnis

Peuerbach: Ja: 92,31% (1104),

Nein: 7,69% (92), Beteiligung: 65,48%

Bruck-Waasen: Ja: 51,78% (770),

Nein: 48,22% (717), Beteiligung: 76,65%

Steegen: Ja: 43,82% (287),

Nein: 56,18% (368),

Beteiligung: 73,80%


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