Nach Fusion geht es in Peuerbach um den Ortschef: Martin Gollner will es wagen
PEUERBACH. Es wird ernst in der zukünftig „großen“ Gemeinde Peuerbach. Die Liste an Kandidaten, die für das Amt des Bürgermeisters in Frage kommen, wird immer länger. Auf dieser findet sich auch der Peuerbacher Gemeindearzt und ÖVP-Gemeinderat Martin Gollner. Im Tips-Interview spricht Gollner darüber, wie er den Arzt mit dem Bürgermeister verbinden will, über seine Pläne mit Peuerbach und wie die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Steegen aussehen könnte.

Tips: Ein Arzt als Bürgermeister – ist das vorstellbar?
Martin Gollner: Mein Wunsch ist, dass ich von der ÖVP, der stärksten Partei in Peuerbach, als Bürgermeisterkandidat vorgeschlagen werde. Ich weiß aber auch, dass es auch andere potenzielle Kandidaten gibt. Ich würde das Amt aus Überzeugung und nicht des Geldes wegen machen. Es wird in meiner Situation auch möglich sein, das Amt nebenberuflich auszuführen. Da aber die Bürgermeisterwahl eine Persönlichkeitswahl ist, ist auch mehr als nur ein Vorschlag von Parteien möglich. Die Leute wollen, dass etwas weitergeht. Wenn der Streit noch weiter köchelt, was er tun wird, wenn nichts passiert, wird die Unzufriedenheit weiter steigen. Ich hoffe, dass sich die Fraktion für eine Erneuerung entscheidet. Die neue Zeit wäre auch für Peuerbach ideal.
Die Debatte rund um die Fusion hat im vergangenen Jahr die Gemeinde bewegt. Welches Resümee ziehen Sie persönlich?
Es herrscht große Unzufriedenheit. Die Bürgermeister in Peuerbach haben alles entscheiden wollen, haben aber im letzten Jahr in der Lenkungsgruppe viel Schaden angerichtet. Dass die Peuerbacher mit 95 Prozent dafür gestimmt haben, wundert mich nicht. Wir müssen nun das Ergebnis in Bruck-Waasen betrachten, das nur mit 51 Prozent positiv war. Die Angst der Landbevölkerung, dass die Stadtbevölkerung über ihnen steht, ist nach wie vor da. Diese Angst muss man den Leuten nehmen. In Bruck-Waasen wurde dies in der Vergangenheit schon gut gelöst. Ich möchte mich weiter dafür einsetzen, dass die Landwirte im neuen Peuerbach dieselben Konditionen bekommen. Ich habe aber im Moment das Gefühl, dass die Menschen das nun gemeinsam machen wollen. Der Wille ist da, dass ein gemeinsames Peuerbach entsteht und vor allem ein geeintes, das sich mit Steegen verträgt.
Wie würde mit Ihnen als Bürgermeister die Zusammenarbeit mit Steegen aussehen?
Meines Erachtens soll es genauso weiterlaufen wie bisher, weil viele Familien hier verheiratet, verschwägert und befreundet sind. Ein Türzuschlagen wäre kontraproduktiv. Steegen wird sich ebenso gut entwickeln und auch für ein neues Verkehrskonzept, für ein Peuerbach ohne Lkw, brauchen wir die Gemeinde Steegen.
Was hätte man im Zuge der Fusion im Nachhinein betrachtet anders machen sollen?
Bei den Fusionsgesprächen hätte rechtzeitig erkannt werden sollen, dass man mit dem ewigen Wiederholen derselben Argumente nicht mehr erreicht, wenn einmal die Emotion da ist. Die Leute hätten mit ins Boot geholt werden sollen, man hätte mit den Gegnern einzeln sprechen sollen und auch Ideen von allen Seiten einholen. Die Kostenersparnis durch die Fusion von nur zwei Gemeinden ist jetzt natürlich geringer.
Welche Pläne hätten Sie mit Peuerbach?
Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Unterstufengymnasium in Peuerbach gibt. Anfangen könnte man mit einer Klasse, die von Professoren aus Dachsberg in den Räumlichkeiten der Neuen Mittelschule unterrichtet wird. Auch das Ärztezentrum könnte man erweitern. Damit die ärztliche Versorgung auch nach der Pensionierung meiner Kollegen gewährleistet ist. Die Ängste und Sorgen jedes Einzelnen sollte man ernst nehmen. Das Establishment sollte man bestehen lassen aber unter klare Regeln setzen. Gemeint ist, dass im Moment ein Ausverkauf der Immobilien stattfindet und auch Kleinanleger ermutigt sind in Immobilienkäufe zu investieren. Dabei habe ich Bauchweh, so haben schon viele Geld verloren. Da bedarf es an Weitblick und Vernunft.
Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Bürgermeister aus?
Ein guter Bürgermeister muss das Herz am richtigen Fleck haben, er muss diplomatisch und ehrlich sein. Er muss sich aber auch durchsetzen können. Den Leuten ist auch wichtig, dass ein Bürgermeister anwesend ist und nicht auf Reisen. Die Probleme sollten mit den Menschen vor Ort besprochen werden, damit ein Streit nicht weiter köchelt. Die Interessen abwägen, das macht einen guten Bürgermeister aus und, dass er sich auch etwas sagen lässt.
Als Arzt müssen sie sich wohl oft in andere Menschen hineinversetzen können. Wie wichtig ist Empathie in der Politik?
Bei einem Menschen gibt es vier Sichtweisen: den Körper, den Geist, das Empfinden und das Aussehen. Das hat man als Arzt gut im Griff. Was aber noch wichtig ist, man muss die Anliegen der Menschen abwägen. Als Bürgermeister ist man auch in gewissem Maße ein Richter.
Was sagt Ihre Frau zu Ihren Plänen?
Meine Frau muss noch überredet werden. Aber wenn ich die richtigen Argumente bringe, wird sie sehen, dass es mir ein Herzensanliegen ist und ich es mit ihrer Zustimmung noch besser machen kann. Dass es viel Zeit kostet, ist mir bewusst. Meine Frau arbeitet in der Praxis und ist Krankenschwester. Sie nimmt mir sehr viel ab. Der Hausärztliche Notdienst ermöglicht es mir, dass ich mehr Zeit habe und das Bürgermeisteramt vollständig ausüben könnte.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden
15.11.2017 21:22
selbstgeltungsdrang
Der Selbstgeltungsdrang des Artzes scheint ja massiv zu sein....
18.11.2017 07:28
Mit Herz und Engagement für Peuerbach
Lieber Gastuser! der Bürgerliste, meinem Team und mir geht es um Peuerbach! Das neue Peuerbach mit Erholungspark, Verkehrsberuhigung und Geschäftsbelebung, die Jugend und die Arbeitsplätze und sicher nicht um mich. Ich kann als Arzt und nebenberuflicher Bürgermeister am meisten für die Region tun, da bin ich mir ganz sicher. Viele liebe Grüsse
Martin Gollner