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PFARRKIRCHEN/OÖ. Der Klimawandel bringt Oberösterreichs Grünland in arge Bedrängnis. Wie sehr, macht das Buch von Peter Frühwirth aus Altenhof deutlich, für das er entscheidende Wetterdaten über einen Zeitraum von fast 30 Jahren ausgewertet hat.

Landwirte müssen sich auf weniger Niederschläge und heißere Tage einstellen. Foto: Weihbold
  1 / 3   Landwirte müssen sich auf weniger Niederschläge und heißere Tage einstellen. Foto: Weihbold

Einen immensen Datenschatz hat sich Peter Frühwirth, langjähriger Grünlandberater der Landwirtschaftskammer OÖ, genauer angeschaut: Er hat die Daten von 50 Messstationen der Zentralanstalt für Meteorologie und des Hydrografischen Dienstes Oberösterreich für den Zeitraum 1989 bis 2018 jeweils während der Vegetationsperiode ausgewertet und liefert somit ein ausführliches Bild über die Entwicklung des Klimas in den bedeutendsten oberösterreichischen Grünlandregionen.

Ein Schnitt weniger

Um Veränderungen zu bemerken, braucht man aber gar nicht 30 Jahre zurückschauen: Seit 2001 nehmen die Niederschläge während der Vegetationsperiode bei nahezu allen Messstellen ab, zum Teil sogar drastisch. „Am stärksten von den sinkenden Niederschlägen ist das Mühlviertel betroffen. Mit minus 75,8 mm im Trendverlauf 2001 bis 2018 fehlt da fast ein Monat an Niederschlag. Das bedeutet den Ausfall eines Schnittes und ein Viertel des Futters fehlt“, macht Frühwirth deutlich.

Temperaturen steigen stetig an

Bei den Tagesmitteltemperaturen steigt der Trend in den letzten 30 Jahren mit einer beeindruckenden Gleichmäßigkeit an, am stärksten erwärmt sich die Region Innviertel und Hausruck mit 1,3°C. Zudem nehmen die Hitzetage, also Tage mit Tageshöchsttemperaturen von 30°C und darüber, an allen Messstationen, für die derartige Daten vorliegen, zu. „Weil die Verdunstung über die Blätter und aus dem Boden bei diesen Temperaturen massiv ansteigt, kommt das Wachstum der Wiesen weitgehend zum Erliegen“, informiert der Grünlandkenner aus Altenhof und fügt hinzu: „Die sinkenden Niederschläge, steigenden Tagesmitteltemperaturen sowie die Zunahme der Zahl der Hitzetage gefährden die Stabilität der Pflanzenbestände und die Ertragsfähigkeit des Wirtschaftsgrünlandes. Die Wasserversorgung und die Temperatur-Entwicklung werden für die Grünlandbetriebe damit zur existentiellen Frage.“

Artenspektrum anpassen

In den kommenden zehn bis 20 Jahren werden die Tagesmitteltemperaturen noch weiter ansteigen, ist Peter Frühwirth überzeugt. „Das muss in der Grünlandbewirtschaftung berücksichtigt werden“, sagt er und nennt auch gleich Lösungsvorschläge: „Knaulgras und Rotklee haben eine gute Trockenheitstoleranz. Sie lassen sich mit speziellen Saatverfahren gut in einem bestehenden Grünlandbestand etablieren.“ Auch der Hornklee mit seinem tiefreichenden Wurzelsystem ist eine Zukunftschance.

Nährstoffe zurückgeben

Wichtig ist laut dem Grünlandreferenten auch, dass das Grünland die Nährstoffe zurückerhält, die durch die Ernte von Heu und Silage laufend entzogen werden. „Dieser Kreislauf ist wichtig. Gräser verlieren sonst ihre Vitalität und Stresstoleranz. Das oberösterreichische Grünland ist im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht überdüngt. Vielmehr sind viele Wiesen seit vielen Jahren mit wichtigen Nährstoffen, wie etwa Stickstoff, eher mangelhaft versorgt.“ Gerade bei der zu erwartenden Entwicklung der Temperaturen und Niederschläge sei die ausreichende Nährstoffversorgung ein wichtiger Eckpfeiler, um die Ertragsfähigkeit des Grünlandes zu erhalten. Auch Schädlinge wie der Engerling können auf gut ernährtem Grünland weniger Schaden anrichten.

Notwendig sei laut Frühwirth zudem die Anpassung des Viehbestandes an die mittlere Ertragsfähigkeit der Wiesen. „Wollen wir weiterhin das grüne Land in Oberösterreich als lebenswerten Raum erhalten, brauchen wir Kühe, Schafe und Ziegen, denen wir ein gesundes und ihren Bedürfnissen entsprechendes Futter anbieten können.“ Die Landwirte würden bei ihrer Arbeit aber auch die Unterstützung der Gesellschaft und Verständnis für eine ertragsbetonte Kreislaufwirtschaft brauchen.


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