Adele Neuhauser: „Finde es beruhigend, dass auch Götter fehlbar sein können“
PREGARTEN. Fernseh-Star Adele Neuhauser und Edi Nulz präsentieren am Samstag, 29. Februar, um 19.30 Uhr ihr neues Programm „Mythos“ in der Bruckmühle. Richard Maynau, Geschäftsführer der Bruckmühle, hat die Schauspielerin vorab zum Interview gebeten.

Richard Maynau: Sie sind ja eigentlich Bühnenschauspielerin, aber durchs Fernsehen bekannt geworden. Nun sind Sie mit einem Soloprogramm mit dem Musiktrio Edi Nulz unterwegs. Woher kommt diese Energie und Vielfältigkeit?
Adele Neuhauser: Nun ja, die Energie, die kommt eigentlich aus der Lust, aus der Freude an der Sache. Jetzt in diesem Fall – übrigens ist es nicht mein Soloprogramm, sondern unser gemeinsames – sind die Jungs der Band Edi Nulz schuld. Ich arbeite einfach gerne mit ihnen zusammen. Sie sind lustig, herzlich, gescheit und großartige Musiker.
Maynau: Was waren Ihre wichtigsten Stationen im Theater?
Neuhauser: Die Theater in Erlangen, Mainz und Regensburg waren wohl die wichtigsten Stationen für mich. Ich hab in Essen und einige Jahre nach dem Engagement dort mit dem Regisseur David Esrig zusammengearbeitet, er hat mir viele elementare Dinge für meinen Beruf beigebracht.
Maynau: Haben Sie eine Lieblingsrolle? Und gibt es eine Rolle, die Sie noch unbedingt gerne spielen wollen?
Neuhauser: Zu Ihrer Frage nach der Lieblingsrolle möchte ich gerne eine Kollegin zitieren, sie sagte: „alle Rollen, die ich spielte, waren meine Lieblingsrolle“. Das trifft zu einem großen Teil auch bei mir zu. Ich kann ein paar nennen, die ich am Theater spielte. Da waren Mephisto, Medea, die Callas oder die Erna im Stück „Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab besonders glückliche Herausforderungen. Die eine Rolle, nach der ich mich jetzt noch sehne, gibt es in dem Sinn nicht. Ich wünsche mir einfach, dass ich noch viele interessante, gescheite und humorvolle Charaktere zu spielen bekomme.
Maynau: Was waren die wichtigsten Stationen in Ihrer TV- Karriere und wie hat das alles begonnen?
Neuhauser: Ich wollte mal mit anderen Mitteln als am Theater spielen und sehnte mich richtig nach der Kamera. Da hatte ich das große Glück, in der deutschen Miniserie „Die Kirschenkönigin“ eine sehr schöne Rolle spielen zu können. Diese Dreharbeiten waren der entscheidende Wendepunkt in meiner TV-Karriere. 2004 kamen dann die legendären „4 Frauen und ein Todesfall“. Die Rolle der Julie Zirbner war für mich in Österreich der Durchbruch. Ja und dann kam die Bibi Fellner im Tatort.
Maynau: Wenn Sie die Fernseh-Drehs mit der Arbeit am Theater vergleichen, wo liegen für Sie persönlich die Unterschiede?
Neuhauser: Vor der Kamera kann ich kleiner spielen, was ich allerdings nicht immer mache, aber ich habe die Möglichkeit. Mir ist beides gleichermaßen lieb, da mag ich mich gar nicht festlegen.
Maynau: Sie treten in der Bruckmühle mit dem Trio Edi Nulz auf. Da gab es schon zwei Programme. Was unterscheidet diese Programme vom neuen?
Neuhauser: Ich liebe die Jungs und ihre Musik. Die Arbeit mit ihnen ist für mich immer anregend, inspirierend und erfrischend. Diesmal lese ich aus dem Buch „Mythos“ von Stephen Frey. Er hat auf gewisse Art und Weise einen ähnlichen Humor wie Douglas Adams. Irgendwie bleiben wir lustigerweise den britischen Autoren treu. Wir lieben diesen trockenen, charmanten britischen Witz. Es ist einfach ein Vergnügen, ihn zu lesen.
Maynau: Warum haben Sie sich gerade für dieses Thema entschieden? Was reizt Sie an Antike und Mythos?
Neuhauser: Ich bin in Griechenland geboren, ich bin quasi aufgewachsen mit der griechischen Mythologie. Ich war immer schon fasziniert von dieser Vielfalt der Götter. Diese wahnsinnig vielen Namen hab ich mir zwar nicht gemerkt, aber ich habe mir die Faszination behalten. Alleine die Tatsache, dass auch Götter so menschlich und fehlbar sein können, das fand ich irgendwie beruhigend. Das lässt einen die eigene und kleine Existenz besser ertragen. Aber um ehrlich zu sein, mein Sohn, der Gitarrist der Band, hatte die Idee, dass wir einige Geschichten aus dem Buch „Mythos“ von Stephen Frey machen. Übrigens für alle, die ihn nicht kennen, Frey ist ein wirklich großartiger britischer Schriftsteller, Schauspieler, Komiker, Regisseur. Und – Zitat vom Aufbau Verlag, wo die deutsche Ausgabe erschienen ist – er hat sich die griechischen Göttersagen vorgeknöpft: grandios und umwerfend komisch! Womit Ihre Frage nach dem Warum eigentlich schon beantwortet ist.


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