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BEZIRK FREISTADT. In den vergangenen Jahren wurde das Fahrrad immer beliebter. Die Corona-Krise hat das noch verstärkt. Der Fachhandel erlebt heuer einen regelrechten Ansturm auf die unterschiedlichsten Modelle von Drahteseln. E-Bikes sind seit Jahren Verkaufsknaller, aber auch normale Räder werden heuer verstärkt nachgefragt. Nicht nur, weil die Leute mehr sporteln wollen. Auch im Alltag werden Bikes immer mehr genutzt.

Gesund und umweltschonend: Immer mehr Mühlviertler steigen im Alltag auf das Fahrrad um. Foto: shutterstock.com/connel

„Schon in den vergangenen Jahren haben wir gemerkt, dass Radfahren wieder boomt. Das hat natürlich das E-Bike ausgelöst. Was heuer aber dazugekommen ist, dass sich viele Leute auch ganz normale Bikes anschaffen, die eher schon zu den Ladenhütern gehört haben. Dieser Trend ist in ganz Europa so zu beobachten“, weiß Christian Lehner von Radsport Lehner in Pregarten.

E-Bikes machen Mühlviertel zum beliebten Radl-Land

Mindestens zwei Drittel der gekauften Bikes sind aber inzwischen E-Bikes. Das hügelige Mühlviertel wird durch diese Entwicklung immer mehr zum Radler-Land. „Die erste Motivation, sich ein Rad anzuschaffen ist und bleibt der Sport, aber natürlich erkennen die Leute auch immer mehr, dass sie im Alltag Wege mit dem Fahrrad erledigen können, vor allem, weil mit dem E-Bike alles viel leichter ist“, erklärt Lehner. Einer, der seit Jahren vorwiegend auf seinem Bike unterwegs ist, ist Stefan Mitterlehner. Der Pregartner ist Tischlerei-Fachanleiter in den Donauwerkstätten in Langenstein im Bezirk Perg und fährt auch regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit. Auch er bemerkt, dass immer mehr Menschen umsteigen: „Was fehlt, sind die Radwege für Alltagsradler. Wo man mit einem Radweg Geld verdienen kann, weil Touristen unterwegs sind, dort wird er gebaut, sonst gibt es halt irgendwas. Wir Radfahrer brauchen einfach mehr Platz auf der Straße. Es ist oft wirklich gefährlich.“ Bereits zweimal wurde Mitterlehner fast gerammt. „Ich habe das auch bei der Polizei gemeldet, aber da passiert nicht viel.“

Radwegenetz nicht auf Alltagsradler ausgerichtet

Der begeisterte Biker versteht nicht, warum man bei Straßensanierungen da nichts mitplant. „Mir ist schon bewusst, dass man nicht überall separate Radwege bauen kann, die viel Geld kosten, wie das z.B. derzeit von Lasberg nach Freistadt gemacht wird, aber es gibt auch andere Lösungen, z.B. Mehrzweckstreifen, die helfen würden.“ Um in den Gemeinden mehr Bewusstsein zu schaffen, setzt sich auch die Leader-Region Mühlviertler Kernland intensiv mit dem Thema auseinander: „Es gibt bereits viele gute Beispiele, aber bei uns fehlt noch das Bewusstsein. Im Mühlviertel war man da lange nicht aktiv, weil es kein Thema war. Das E-Bike hat das verändert“, so Leader-Managerin Conny Wernitznig. Durch einen intensiven Austausch mit Experten aus Holland will man es schaffen, aufzuzeigen, was die Radfahrer brauchen und dass es wichtig ist, in das Radwegenetz zu investieren. Eine Netzwerkveranstaltung dazu musste im März abgesagt werden, im Herbst wird sie aber nachgeholt.

Miteinander auf der Straße wichtig

„Das Entschleunigen der Corona-Krise hat uns dabei sicher trotzdem unterstützt, das Thema in die Köpfe der Menschen zu bringen. Es ist so erfreulich, dass so viele Menschen wieder Rad fahren. Jetzt müssen wir lernen, mehr Rücksicht auf die anderen zu nehmen. Es braucht ein starkes Miteinander von Radfahrern und Autofahrern und den politischen Willen, hier etwas zu tun, weil es auch wichtig ist für unsere Umwelt“, so Wernitznig im Tips-Gespräch.

Stefan Mitterlehner kann dem nur beipflichten: „Das Bewusstsein, dass das Rad ein Verkehrsmittel ist, das ich ganz oft nutzen kann ... auch im Alltag, ist noch nicht so in den Leuten drin, aber das verändert sich gerade. Wenn die Radfahrer mehr Platz haben, dann gibt es auch diese Konflikte nicht mehr.“ Wünschenswert wäre daher, dass der Radverkehr mehr mitgedacht wird, wenn es um die Straßenplanung geht und auch Abstellplätze und Ladestationen ausgebaut werden.


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