Kammermusik im Vituskircherl: "Cellissimo"
REGAU. Das zweite Konzert dieses Festivals stand unter dem Motto „Cellissimo“. Am Programm standen: von Johann Sebastian Bach zwei Choralvorspiele, von Franz Schubert drei Lieder aus „Schwanengesang“, von Felix Mendelssohn-Bartholdy „Ave Maria“, von Heitor Villa-Lobos „Bachianas Brasileiras“ Nr. 5 und 1, von Arvo Pärt „L“Abbé Agathon“ und von Richard Wagner das Prelude zu „Tristan und Isolde“.

Die Interpreten waren: Ursula Wincor (Sopran) und das Ensemble Amicelli mit Anna Maria Aigner, Elena Deinhammer, Camilla Geißelbrecht, Myriam Garcia Fidalgo, Theresia Kainzbauer, Julia Oberndorfer, Cornelia Perwein und Andreas Pözlberger (alle Violoncello).
Die Werke von Heitor Villa-Lobos und „L“Abbé Agathon“ von Arvo Pärt sind Originalkompositionen, die Werke von Bach, Schubert, Mendelssohn und Wagner sind ausgezeichnete, kongeniale Arrangements für acht Violoncelli von Richard Birchall.
Das Ensemble hat Weltklassenniveau, perfekte Technik und vollendete Ausdruckskraft. Die Choralvorspiele von Bach „Durch Adams Fall ist ganz verderbt“ und „Nun danket alle Gott“ brachten die Größe Bachs, Demut und Glauben makellos zum Ausdruck: die Lieder „Liebesbotschaft“ (DV957/1), „Ständchen“ (DV957/4) und „Aufenthalt“ (DV957/5) erklangen sehnsuchtsvoll und wehmütig, vollkommen im Sinn und Tonfall Schuberts, Mendelssohns „Ave Maria“ andächtig romantisch. Die Bachianas Brasileiras Nr. 5 – Aria (Cantilena) und Danca (Martelo) – für Sopran und acht Violoncelli ist wohl das berühmteste Stück des Komponisten. Die weitgespannte Linie der Sopranstimme in der Aria wurde von Ursula Wincor prachtvoll und intensiv gesungen, die Celli interpretierten – wie später auch in „Bachianas Brasileiras“ Nr. 1 - die Bachschen Anklänge mit Würde und Klarheit, von tropischem Sentiment durchdrungen und von rhythmischen Impulsen des lateinamerikanischen Lebensgefühls geprägt.
Auch in „L“Abbé Agathon“ von Arvo Pärt – die Vertonung einer frühchristlichen Legende – glänzte Ursula Wincor mit herrlicher Stimmführung und feinster Abstimmung mit den acht Celli.
Das Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner für acht Celli zu arrangieren, ist an sich schon ein sehr gewagtes Unternehmen, aber Richard Birchall beherrscht sein Metier.
Frei, ungebändigt strömte die Musik; verdichteter Ausdruck sublimer Empfindungen, alles von innerer Seelenbewegung abhängig. Die Interpretation entsprach mit dem Ausdruck der Liebes- und Todessehnsucht und erregender Harmonik vollkommen dem leidenschaftlichen „Tristan-Stil“. Mit dem Ständchen „Leise flehen meine Lieder“ als Zugabe fand das Konzert einen innigen, romantisch-träumerischen, von Sehnsucht erfüllten Abschluss.
(von Fred Androsch)


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